"So lebe ich" – Aus zwei Bonner Projekten

"So lebe ich" – Aus zwei Bonner Projekten

In Bonn liefen zeitgleich und unabhängig voneinander zwei Projekte: ein Rap-Workshop an der August Macke-Schule:

Warum wir das machen wollten? Das Schulprogramm sieht immer vor, gerade Projekte, die wir starten, sollen zum Beispiel einen präventiven Charakter haben und ja, die Schüler natürlich weiter bringen. Und dann hab ich gesagt, okay, wenn die Jugendlichen Rap machen, wenn Jugendliche sich mit sich selbst beschäftigen, Texte entwickeln, dann ist das präventiv, weil sie in dem Moment was Tolles machen für sich, sich weiter entwickeln.

Sowie ein Filmprojekt am Robert Wetzlar-Berufskolleg:

Ziel war es, die Eigenmotivation der Schüler zu stärken und Beständigkeit im Schulbesuch zu fördern. Sie sollten ihr Leben außerhalb der Schule darstellen. Wir wollten sie damit wegbringen von ihre negativen Erfahrungen, die sie an der Schule bisher gemacht haben.

In beiden Projekten waren die Jugendlichen aufgefordert und gefördert, ihre persönliche Lebenswirklichkeit darzustellen. Die Projekte waren zunächst ergebnisoffen, was dann im Verlauf entstand, war für die Jugendlichen selbst, aber auch für die begleitenden LehrerInnen und DozentInnen überraschend, positiv und überraschend normal, ganz anders jedenfalls als die Bilder, die in den Medien verbreitet werden.

Hier kommen die Jugendlichen selbst zu Wort:

Seyma - Heimat

das ist meine heimat, da wo ich herkomme
kuck uns an, wir sind vollkommen gut erzogen
nicht so wie die anderen
kuck uns an, wir machen keine schlimme tat
das ist unser erster song über unsere heimat
wir sind ganz verschieden, wir sind eine andere art
hinter den bergen, da ist viel los
kuck uns an, wir sind gnadenlos
doch ich bin ehrlich und gut
hier beweise ich würde und mut

 

Warum ich auf die Haupschule kam

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Jan-Oliver - Mein Vater

es begann schon, als ich ein kleiner junge war
das leben war hart, denn nichts war da
jeder wusste, ich war ein russe
schlechte erziehung, schlechte regeln, alles war schlecht
es war alltag, wenn man schläge bekam
für keinen war 's spaß, für viele war es blutig
mein vater war alkoholiker, jeden tag nur probleme
die akten wurden mehr, und zuhause gabes schläge
die tage wurden immer länger, die schläge immer schlimmer
die haut immer röter, und da waren noch die bullen
ich hab gesehen, wie sie meinen vater mit sich nahmen
meine tränen brachen aus, als wenn ich von einem donner getroffen war

mein vater war schlimm, der nachbar alarmiert die bullerei
ich wusste nie, was ich machen sollte
normalerweise war bei uns das ganz normal
mit der zeit vergingen die jahre, die schlimmen tage
aber jetzt egal, die tränen sind getrocknet
meine mutter entschloss sich auszuziehen
es ging nicht mehr anders, es gab keine andere lösung
aus angst wurde alles anonym organisiert
der tag war da, wo ich in der schule war
ich bekam den anrufg, komm auf den parkplatz, ja
aus neugier lief ich hin, weil ich sonst nie abgeholt worden war
da sah ich meine mutter mit einem lächeln im gesicht
sie sagte nix, sie wusste nicht, wie sie es uns erklären sollte
aber ich begriff schnell, die fahrt war anders
es ging nach bonn, an hardtberg und duisdorf vorbei
da war die ausfahrt poppelsdorf, und das auto bog ab
ich dachte nur, mein leben ist verkackt


Helin

"Auf jeden Fall, mein Vater ist auch schon 'n Vorbild für mich. Er hat vieles erlebt, er hat viel gesehen, wie Leute ums Leben gekommen sind, viel Trauer in seinem Leben gehabt. Und ich find 's super, ich weiß nicht, wie ich das beschreiben kann, dass er überhaupt noch so sein kann, wie er jetzt ist. Weil er hat so Schlimmes in seinem Leben gesehen, so was würde einen schockieren, also überhaupt psychisch verletzen oder überhaupt gar nicht mehr klarkommen mit sowas, und er kann damit klarkommen. Das ist sowas, wo ich denke, wow, er ist echt stark."

Helin und Sarbast über einen Zeitungsartikel zum Thema Gangster Rap

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Sarbast über Bekannte, die eine Gang gegründet haben

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Helin über Gangs

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Sarbast: wie er den Gangs aus dem Weg geht

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Helin über Gangster Rap und Coolness

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"Wenn ich Rap-Texte schreibe, dann sind die von mir gemacht und sind dann ehrlich. Ich bin ja nicht so einer, der Rap-Texte klaut und nachmacht oder der, ich sag immer: ich bin so, wie ich bin, ich rappe meine Texte, wie ich es kann. Ich will niemand nachmachen oder jemanden darstellen. Wenn für jemand das uncool ist, dann ist das halt so, aber ich glaube, für die meisten nicht."

Sarbast - War die Zeit

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Helin: was macht (Rap-)Texte interessant

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Seif - Ghettoleben

yo, mach ein ding aus deinem leben
du musst schon nach deinem glück streben
und lass dich nicht mit dem wind treiben
lass dich nicht gehen
irgendwann wir schon deine harte arbeit belohnt
halt durch, irgendwann wird schon gekrönt
versuch immer der boss zu sein
komm schon, mann, hör auf zu weinen
sei ein king, bleib ein king, sei kein kind
versuch, was zu erreichen, und glaub mir
du kannst es auch schaffen
hör auf, dich zu streiten, dann kannst du 's auch schaffen
bis ganz nach oben...

yo, das ghettoleben ist ein geben und nehmen
ich kann dich verstehn, wenn dir deine eltern fehlen
doch das ist kein grund, den kopf in den sand zu stecken
nimm keine drogen, drogen verändern menschen.

Seif über den negativen Einfluss der Medien

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Helin über multikulturelle Schulklasse

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Dezember 2008

Rap-Workshop mit Bonner HauptschülerInnen. Foto: Bernd Voigtländer.