Staatliche Migrationspolitik und ihr Einfluss auf die Migrationsentscheidungen türkischer Hochqualifizierter

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von Diana Meschter

Der Wandel der Migrationsregime

Der Wandel der Migrationspolitiken der Industrieländer beruht auf der Transformation der Produktionsverhältnisse. Aufgrund der arbeitsintensiven aber wissensarmen Produktionsstruktur im Fordismus der 1950er Jahre, wurden semiqualifizierte Arbeitskräfte aus der süd-osteuropäischen Peripherie angeworben. Durch den Wandel der Produktionsverhältnisse im Postfordismus zur sogennannten „Wissensökonomie“ kam es zu einer Verlagerung der Schwerpunkte in der Migrationspolitik und zu veränderten Anforderungsprofilen an zukünftige Immigrant_innen.

Eine Neuorientierung bzw. Umgestaltung der Einwanderungspolitiken geschieht auch vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, der Alterung der Bevölkerung, des befürchteten Zusammenbrechens der sozialen Sicherungssysteme sowie des vielfach zitierten Fachkräftemangels. Die Green Card in Deutschland und die Blue Card- Initiative der EU stehen exemplarisch für den Wandel von Einwanderungspolitiken u.a. auch in den USA, Frankreich, Großbritannien, Australien und Kanada. Es ist ein selektives Migrationsmanagement entstanden, welches offiziell die Einwanderung von Semi- und Geringqualifizierten abwehrt und eine gezielte Einwanderung von Hochqualifizierten fördert.

 Trotz unterschiedlicher Ansätze im internationalen Vergleich, der Tenor dieser „neuen“ Einwanderungspolitiken ist gleich: Einer zunehmenden Illegalisierung der Einreise von semi- und geringqualifizierten Migrant_innen steht eine zunehmende Ausweitung und Erleichterung von Einreise, Aufenthalt und Arbeitsaufnahme für Hochqualifizierte, ausländische Wissenschaftler_innen sowie Studierende aus Drittstaaten und ihrer Familien gegenüber.

Die Türkei als Herkunftsland hochqualifizierter Migrant_innen

Während die Türkei in der sogenannten Gastarbeiterära als eines der Hauptherkunftsländer von Arbeitskräften für die fordistischen Produktionsstätten in Westeuropa galt, entwickelte sie sich in den letzten 20 Jahren vor allem zu einem Transit- aber auch zu einem Einwanderungsland für irakische und iranische Flüchtlinge sowie für ethnische Türk_innen aus Gebieten des ehemaligen Osmanischen Reichs. Parallel zu diesen Entwicklungen setzte sich die Ausreisewelle türkischer Akademiker_innen und Studierender fort. Die Türkei rangiert auf Platz 27 der Länder, aus denen die meisten hochqualifizierten Arbeitskräfte emigrieren und belegt Platz sieben der weltweit höchsten Anzahl von Bildungsmigrant_innen. Im Jahr 2004 studierten 52.000 Studierende außerhalb der Türkei. 12.500 allein im akademischen Jahr 2004/2005 in den USA (vgl. Tansel, A./ Güngör, N.D. 2007: 3).

Damit ist die Türkei unter den top ten der meist vertretenen Herkunftsländer von ausländischen Studierenden in den USA. Weitere Zielländer türkischer Hochqualifizierter sind in Westeuropa Deutschland und Großbritannien neben klassischen Einwanderungsländern wie Kanada und Australien.

Demographische, wirtschaftliche und bildungspolitische Situation

Gemessen am Durchschnittsalter ihrer Bevölkerung ist die Türkei ein sehr junges Land. Der Altersdurchschnitt beträgt 28,8 Jahre, wobei sich 67% der Bevölkerung im Erwerbsalter (zwischen 15-64 Jahren) befinden, 26% unter 14 Jahre und nur 7% über 65 Jahre alt sind (vgl. Türkisches Statistik Institut, 2010). Die allgemeine Arbeitslosigkeit beträgt 10,8%, wobei die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch ist. Seit der Wirtschaftskrise 2001 ist ebenfalls die Arbeitslosigkeit von Akademiker_innen auf hohem Niveau (vgl. Ercan, H./ Tansel, A. 2010: 180). Das führt dazu, dass viele Studierende sich für ein weiterführendes Studium entscheiden, um der desolaten Situation auf dem Arbeitsmarkt zu entgehen.

Wirtschaftliche Entwicklung, Verbesserung der Lebensqualität, eine hohe Fertilitätsrate und das daraus resultierende Bevölkerungswachstum haben dazu geführt, dass in der Türkei der Bedarf nach tertiärer und qualitativ hochwertiger Bildung sehr hoch ist. Unterentwickelte soziale Sicherungssysteme, ein schlecht funktionierendes Ausbildungssystem sowie der individuelle Wunsch nach sozialem Aufstieg in den Familien und bei den Jugendlichen sind weitere Gründe für den gestiegenen Bedarf an weiterqualifizierender Bildung. Aufgrund dieser gestiegenen Nachfrage wurde der Hochschulsektor sehr stark ausgebaut (vgl. Akçapar, Ş. K. 2009: 147). Die Zahl der Universitäten wuchs von acht im Jahr 1970 auf 95 staatliche und 51 private und Stiftungs- Universitäten im Jahr 2010 an (vgl. YÖK, Hochschulrat Türkei, 2010).

Die regionalen Disparitäten spiegeln sich auch in der türkischen Bildungslandschaft wider. So bestehen große qualitative Unterschiede zwischen den wenigen renommierten Universitäten in den türkischen Metropolen Istanbul, Ankara und Izmir und den Universitäten, die zum einem neu entstanden sind und/ oder sich in den regionalen und sozialen Peripherien des Landes befinden. Der Druck auf die wenigen hoch reputierten und gut ausgestatteten Universitäten nimmt somit trotz des Ausbaus des Universitätssektors nicht ab. Die privaten und Stif¬tungsuniversitäten, die seit einer Gesetzesänderung 1982 zugelassen wurden, können den Bedarf an höherer Bildung nur zum Teil befriedigen. Der hohe Betreuungsschlüssel während des Studiums ist für den Großteil der Studierenden direkt von privaten finanziellen Ressourcen abhängig. Die Teilhabe ist somit sehr gering und der Großteil der Nachfrage muss von den staatlichen Universitäten gedeckt werden. Dies geschieht nur unzureichend, so dass eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage, vor allem im Bereich von Aufbaustudiengängen herrscht.

Durch die bessere finanzielle und wissenschaftliche Ausstattung der privaten Universitäten sind sie in der Lage, internationalen und nationalen Wissenschaftler_innen gute Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Das mildert auf der einen Seite die internationale Abwanderung türkischer Wissenschaftler_innen ab, auf der anderen Seite werden aber auch Wissenschaftler_innen von staatlichen Universitäten abgeworben. Was wiederum zu einer Verschärfung der Situation an diesen Universitäten führt. Neben der klassischen Migration von Hochqualifizierten nimmt aufgrund der allgemeinen Internationalisierung von Bildung und den dazukommenden fehlenden Kapazitäten des türkischen Bildungssystems die Migration von türkischen Studierenden zu. Bildungsmigrant_innen, die einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland verbracht haben, weisen im Vergleich zu klassischen (hochqualifizierten) Arbeitsmigrant_innen eine geringere Rückkehrquote auf (vgl. Tansel, A./ Güngör, N.D. 2007: 5).

Die EU als attraktive Zielregion für türkische Hochqualifizierte?

Migrationsbewegungen sind nicht a-historisch und müssen immer eingebettet in geografische, politische und historische Kontexte gesehen werden. Die Türkei galt in der Zeit des Kalten Krieges als wichtige Stütze der Politik der USA und der NATO im Mittleren Osten gegen die Sowjetunion und deren Einfluss in Osteuropa und im Kaukasus. Die Einbindung in die Truman Doktrin 1947 und die türkische Mitgliedschaft in der NATO seit 1952 können als Entwicklungen gesehen werden, die die Türkei und die USA politisch näher zusammenrücken ließen und sich positiv auf Migrationsströme zwischen diesen Ländern auswirkten (Gökbayrak 2009: 5). In diese Zeit fallen auch die ersten Universitätsgründungen, die mit amerikanischer Unterstützung gebaut wurden. Die Adaption des amerikanischen Bildungswesens und die engen wissenschaftlichen Beziehungen machen ein Wechsel zu einer amerikanischen Universität leichter.

Sprache ist ein ganz wichtiger Faktor für Migrationsentscheidungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Studierende nach ihrem Bachelor ins Ausland gehen, ist dann am größten, wenn dieser an einer englischsprachigen Universität erlangt wurde. Englisch ist die Unterrichtssprache der wenigen renommierten staatlichen Universitäten der Türkei sowie der größten privaten Universitäten in Ankara und Istanbul. Durch die Harmonisierung der Studiengänge im Zuge des Bologna-Prozesses, profitierten auch europäische Universitäten von der Internationalisierung der Bildung. Ausländischen Studierenden ist es nun möglich, einen Teil ihrer Ausbildung auf englisch zu absolvieren.
Professionelle Netzwerkbeziehungen in die USA sind ein weiterer Punkt, der sich positiv auf Migrationsentscheidungen auswirkt. Durch Kontakte zu ehemaligen Studienfreund_innen und Alumni-Netzwerken werden Informationen zu Stipendienprogrammen und Job-Angeboten in die Türkei vermittelt. Diese Netzwerke sind im Vergleich zu denen in Europa von professioneller Natur.

Die USA als Einwanderungsland gilt als einwanderungsfreundlicher im Vergleich zu vielen europäischen Ländern. Für (türkische) Studierende ist es in den USA einfacher Stipendien zu erhalten, sowie nach dem Studium von dem Studierenden-Status in einen temporären und nachfolgend in einen permanenten Aufenthaltsstatus zu wechseln. In den USA ist es im Vergleich zu Westeuropa leichter eine Arbeitserlaubnis zu erhalten sowie einen gut bezahlten Arbeitsplatz anzunehmen. Die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde in Deutschland als Negativ-Kriterium genannt. (Türkische) Akademiker_innen sehen höhere Chancen in den USA, Karriere- und Fami-lienpläne zu verwirklichen als in Deutschland, wo Menschen mit Kind an den Rand der Beruflichstätigkeit gedrängt werden.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt, ist die unterschiedliche Perzeption türkischer Menschen in den USA und in der EU. Während in den USA ein eher neutrales Bild gegenüber türkischen Menschen vorherrscht, kommen türkische Hochqualifizierte zum Beispiel in Deutschland oft in Verlegenheit zu beweisen, dass sie sich von den 'ordinären' Gastarbeitern unterscheiden. Diese Vorurteile verfestigen sich in Migrationstypen. So gelten türkischen Migrant_innen in den USA, als die hochqualifizierten erfolgreichen „turkish-american“ während die, die in die EU einreisen, nicht als Bildungs- sondern als Familienmigrant_innen gelten. Das Bild des erfolgreichen '“turkish-american“ scheint sich allerdings zu wandeln, da sich in den letzten Jahren der Anteil von semi- und geringqualifizierten Arbeitskräften, die „illegal“ in die USA einreisen bzw. dort verbleiben, erhöht hat. Dieser Wandel wird aufgrund von Ähnlichkeiten zur deutsch-türkischen Gastarbeiter_innenthematik auch als „Germanification“ der türkischen Migration bezeichnet (Akcapar, S. K. 2009: 137). Günstigere Lebenserhaltungskosten, bessere Verdienstmöglichkeiten sowie ein leichterer Zugang zum Bildungs- und Arbeitsmarkt sind allgemein Gründe die oft in Bezug darauf genannt werden, dass viele Emigrant_innen sich für die USA und gegen die EU und Deutschland entscheiden. Eine aktive Einwanderungspolitik bedeutet allgemein mehr als nur Visakontingente und Arbeitserlaubnisse für Partner_innen. Ein sicherer Aufenthaltsstatus sowie eine Einwanderungspolitik die sich nicht nur am vermeintlichen Humankapital der Einwander_innen orientiert, sind nötig, um als attraktives Zielland für Migrant_innen zu gelten.

Die türkische (Re-) Migrationspolitik

Aus Sicht der türkischen Expert_innen, die ich für meine Analyse befragt habe, gibt es keine Migrationspolitik in Bezug auf (türkische) Hochqualifizierte in der Türkei. Obwohl es Zweifel bezüglich der Erfolgsaussichten staatlicher Regulierung gibt und Vorsicht gegenüber negativen Konsequenzen sowohl für Herkunfts- als auch für Zielländer angemahnt wird, sehen sie in der Förderung der Migration von Hochqualifizierten einen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes. Entgegen den Annahmen, dass es weder eine Re- noch eine aktive Migrationspolitik von staatlicher Seite aus gibt, versuche ich in meiner Arbeit Maßnahmen zu finden, die doch für eine aktive Migrationspolitik sprechen. So gibt es Vereinfachungen für bestimmte Berufsgruppen, zum Beispiel für erfolgreiche Sportler_innen und Künstler_innen, die türkische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Generell gibt es große (Arbeits-) Migrationsbewegungen in die Türkei, allerdings haben Hochqualifizierte nur einen geringen Anteil daran. Für diese Gruppe wurden allerdings in den letzten Jahren viele Verbesserungen durchgeführt. Aufenthaltsgenehmigungen wurden erleichtert und Antragsverfahren entbürokratisiert, sowie Berufsverbote für Ausländer_innen aufgehoben. Öffnungen in Bezug auf die Arbeitserlaubnis für bestimmte Berufsgruppen werden jedoch nicht in bestimmten Programmen verortet, sondern gelten als individuelle Öffnungen unter rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Im akademischen Bereich gibt es für (ausländische) Studierende und (ausländische) Wissenschaftler_innen staatliche Stipendienmöglichkeiten. Diese werden vom Wissenschafts- und Technologieforschungsrat der Türkei (TÜBITAK), von der Türkischen Akademie der Wissenschaften (TÜBA), dem türkischen Hochschulrat YÖK und dem türkischen Bildungsministerium (MEB) vergeben. Durch Auslandsstipendien für türkische Studierende v.a. in die USA soll es zu einem brain gain für die Türkei kommen. Diese sollen nach ihrer Rückkehr in den neuen staatlichen Universitäten eingesetzt werden. Um dies zu garantieren ist an einen Teil der Stipendien die Bedingung geknüpft, dass die Stipendiat_innen nach ihrer Rückkehr in die Türkei, für eine bestimmte Zeit an diesen staatlichen Universitäten lehren und forschen. Um diese Bedingung zu umgehen, nehmen viele Studierende nach ihrem Förderungszeitraum im Ausland eine (gutbezahlte) Stelle an und ziehen es vor, neben dem Stipendium auch eine finanzielle Strafe an den türkischen Staat (zurück-) zuzahlen.

TÜBITAK unterstützt auch den nationalen Austausch. Um das Angebot an gut ausgebildeten Wissenschaftler_innen in den neuen staatlichen Universitäten sowie in den ländlichen Gegenden der Türkei zu erhöhen, stipendiert TÜBITAK Studierende aus ländlichen Gegenden der Türkei. Ihnen wird dadurch ermöglicht, an einer der renommierten Universitäten in Ankara oder Istanbul zu promovieren. Diese Programme sollen den wissenschaftlichen Austausch in der Türkei fördern und die Rückkehrwahrscheinlichkeit der Stipendiat_innen erhöhen. Im Sinne einer aktiven Migrationspolitik vergibt der türkische Staat Stipendien an ausländische Studierende und Doktorand_innen, die in der Türkei ein Studium aufnehmen wollen und fördert zudem (Kurz)- Aufenthalte (ausländischer) Wissenschaftler_innen in der Türkei (1). Die Bildungsmigration in die Türkei wird vor allem für Studierende der zentralasiatischen Turkstaaten sowie anderer muslimischer Länder gefördert. Muslimischen Studierenden aus anderen Ländern wird auch ein leichterer Zugang zum türkischen Arbeitsmarkt bescheinigt. Allerdings hat die Türkei auch ein Interesse daran, dass diese Menschen nach der Rückkehr in ihr Heimatland zurückkehren um als Verbindungsköpfe zwischen ihren Herkunftsländern und der Türkei fungieren.

Um türkische Wissenschaftler_innen im Ausland zu einer Rückkehr zu bewegen, vergibt der türkische Staat im Rahmen eines speziellen Programmes Rückkehrprämien von 1375 € pro Monat für einen Zeitraum von zwei Jahren. Um die Anziehungskraft für Wissenschaftler_innen zu verstärken, wurde von staatlicher Seite die Entwicklung von Technologie-Parks und Forschungszentren seit den 1990er stark vorangetrieben. In ihnen sollen die Bedürfnisse der Wissenschaft mit denen der Wirtschaft verbunden werden. Neben diesen staatlichen Aktivitäten wurden von den Interviewten eine Reihe andere Institutionen genannt, denen es gelingt den brain drain in der Türkei abzumildern. So gelten zum Beispiel die privaten Universitäten Koç und Sabanci in Istanbul sowie Bilkent in Ankara als herausragende Anziehungspunkte für (ausländische) Wissenschaftler_innen und Studierende. Türkisch-amerikanische Vereine in den USA haben einen großen Anteil an professionellen Kontakten zwischen türkischen Wissenschaftler_innen in den USA und der Türkei. Außerdem gibt es Initiativen auf der Mikroebene. So reiste zum Beispiel der Präsident der türkischen Ak-Deniz Universität in Antalya kurzerhand in die USA, um dort mit den Führungskräften wichtiger Universitäten Austauschprogramme auszuhandeln. Zusätzlich folgten 18 türkische Wissenschaftler_innen seinem Ruf an die Ak-Deniz Universität mit dem Versprechen, ihnen bei einer Rückkehr die größtmögliche Unterstützung zu garantieren.

Fazit

Im Vergleich zu den Regularien der EU, den USA oder anderer Industrieländer besitzt die Türkei kein kohärentes Migrationsmanagement bezüglich der Migration von Hochqualifizierten. Obwohl eine Vielzahl türkischer Hochqualifizierter die Türkei als Bildungs- und Arbeitsmigrant_innen verlässt, gibt es nur wenige internationale Austauschprogramme, die weder qualitativ noch quantitativ nicht in der Lage sind, diese Auswanderung einzudämmen. Private Institutionen wie Universitäten sind zwar erfolgreicher in der Anwerbung von Hochqualifizierten, ihre Reichweite ist allerdings gering, da ihre Programme nicht mit den staatlichen konsistent sind. Oft ist die Befürchtung eines brain waste bei der Rückkehr der Grund dafür, dass viele türkische Hochqualifizierte, die im Ausland leben und arbeiten sich gegen eine Rückkehr entscheiden.

Das Phänomen der (Re-)Migration von Hochqualifizierten mit türkischen Wurzeln aus europäischen Ländern, beschränkt sich zum Großteil auf Istanbul und setzt die asymmetrischen sozioökonomischen Entwicklungen in der Türkei fort. Staatliche Migrationsregulierungen sind oft direkt gerichtet. Maßnahmen in anderen Politikfeldern beeinflussen Migrationsentscheidungen aber oftmals indirekt. So kann zum Beispiel die Familien- und Arbeitsmarktpolitik eines Landes Einfluss auf Migrationsentscheidungen von hochqualifizierten Frauen haben. Die Frage, ob ein Land ein attraktives Einwanderungsland für (türkische) Hochqualifizierte ist, kann auch mit dem vorherrschenden Bild von (türkischen) Migrant_innen in der Öffentlichkeit beantwortet werden. Diskriminierungen im Alltag und am Arbeitsplatz sowie Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund sind ebenso ausschlaggebend wie z.B. sichere Aufenthaltsstatus und Arbeitserlaubnisse für Partner_innen.

 

Literatur

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Links
Higher Council of Education: The Council of Higher Education, 02.07.2010
Turkish Statistical Institute, 20.09.2010

Endnote

1 TOKTEN: Transfer of Knowledge through Expatriate Nationals, ursprünglich von der UN initiiert fördert es den Austausch von (türkischen) Wissenschaftler_innen im Ausland, die temporär in ihre Heimatländer zurückreisen, um dort technische Unterstützung anzubieten

Literatur

  • Akçapar, Şebnen K. (2009): Turkish Highly Skilled Migration to the United States. New Findings and Policy Recommendations, In: Içduygu, A,/ Kirişci, K. (Hg.) (2009): Land of diverse migrations. Challenges of emigration and immigration in Turkey. 1. Aufl. Istanbul: Istanbul Bilgi Univ. Press (Istanbul Bilgi University Press Migration research, 236;10), S. 109-248.
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Links 

Higher Council of Education: The Council of Higher Education, 02.07.2010

Turkish Statistical Institute, 20.09.2010

Diana Meschter studierte Politikwissenschaft, Geografie und Friedens- und Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg und an der Middle East Technical University, Ankara, Türkei. Schwerpunkte: Migration, die Türkei, Gewerkschaften und Gender.

   

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