Anny und Sibel Öztürk

Anny und Sibel Öztürk

 

ring ring ring +12


ring ring ring +12
Installationsansicht Frankfurter Kunstverein
Mixed media: LED-Kabel, Holz, Metall, Licht, Sound, Porzellan
Foto: Norbert Miguletz, 2010

 

 

Anny und Sibel Öztürk inszenieren Räume, die anhand von auto-biografischen Geschichten von den Veränderungen der türkischen Kultur erzählen. In Ring, Ring, Ring liegen zwei in ihrer Holzkonstruktion anachronistisch wirkende Strom- und Telefonmasten im Raum bzw. werden von verschiedenen Schnüren daran gehindert, vollends umzustürzen. Sie sind untereinander durch blau leuchtende, verdrehte Leuchtstoffkabel verbunden, mit denen potentiell optisch codierte Nachrichten im Morseverfahren gesendet werden könnten, die in der Installation jedoch zum Teil abgerissen sind.

Medien wie der Telegraf wurden erfunden, um Botschaften in ferne Räume zu übermitteln bzw. aus diesen Botschaften zu empfangen. Durch die Telekommunikation wird die Welt, so die utopische Vorstellung Marshall McLuhans, zu einem „globalen Dorf“.

In einem in der Installation ausgestellten Text erzählt eine Ich-Erzählerin von den imaginären Spaziergängen mit ihrem Vater, auf denen er von einer paradiesgleichen Kindheit in Istanbul berichtet: Die üppigen Gärten in der Nachbarschaft, aus denen er sich versorgt, die Abenteuer am Meer. Wenn die Ich-Erzählerin bei der Beschreibung der in Istanbul lebenden Menschen, denen sie auf den Gängen mit ihrem Vater begegnet, davon erzählt, dass alle „miteinander verbunden, geradezu verwoben“ sind „mit Erinnerungen und Geschichten, die einen Stadtteil damals zu einer Gemeinschaft machte“, bietet der Text eine Deutung der Installation. Sind hier die funktionierenden, wirr gespannten Kabel Symbol einer komplexen innerstädtischen Gemeinschaft, so werden die umstürzenden Masten und die zerrissenen, kalt leuchtenden Kabel der Installation Zeichen des Verfalls, ihrer Zerstreuung im „globalen Dorf“. Die Kombination von einem aktuellen Medium der Telekommunikation, den Leuchtstoffkabeln, mit alten Holzkonstruktionen visualisiert zudem die zunehmend parallelen Welten, die in einer globalen Welt existieren.

 

Über Anny und Sibel Öztürk

Anny Öztürk wurde 1970 in Istanbul/ Türkei geboren. Von 1995 bis 2001 studierte sie an der Städelschule – Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt. Sie ist Meisterschülerin.
Sibel Öztürk wurde 1975 in Eberbach/Neckar (D) geboren. Von 1997 bis 2003 studierte sie an der Städelschule – Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt bei Prof. Ayse Erkmen. Sie ist Meisterschülerin.

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 1999, Galerie Anita Beckers, Frankfurt
  • 2000 Evelyn, 1822-Forum, Frankfurt
  • 2002 Anny und Sibel Öztürk, Kunsthalle Darmstadt
  • 2003 Take me where I want to be…, Galerist, Istanbul (TR)
  • 2004 One Gleam or the Other, Galerie Vera Gliem, Köln
  • 2005 Lido, Kunsthalle Düsseldorf
  • HAFENKÜCHE, 6 Monatiges Projekt, Kuration im Hafen 2,Offenbach
  • 2006 Ring Ring Ring , Skulpturale Lichtinstallation zur Luminale, Offenbach
  • 2007 Mehr Licht!, Rond-Point Schuman, Brüssel (B)
  • Wo ist Zuhause? No.4 - Anny und Sibel Öztürk, Museum am Ostwall,Dortmund
  • 2009 Temporary Imperfect Incomplete, Galerie Perpètuel, Frankfurt
  • Hafenstudio, Hafen 2, Offenbach
  • 2010 StudioSatellite und KorridorGalerie, Kuration, AtelierFrankfurt, Frankfurt
  • from inner to outer shadows, Galerie Schader, Darmstadt
  • 2011 salon noir des artistes, Kuration, Programm und Bewirtungsprojekt, atelierfrankfurt
  • Everyone is an Island, Kuration im Rahmen der Buchmesse Frankfurt, Offenbacher HBhf
  • unspeakable home, My Berlin Wall, Berlin

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

  • 1998 Stuttgart, 17.7.1956-Salem (Wis.)/USA, 3.3.1977, Portikus, Frankfurt
  • Surrender, aeroplastics and damastic, Brüssel (B)
  • 1999 Oh! Hitchcock , Kunsthalle Tirol, Hall (A)
  • 2000 Man muss ganz schön viel lernen, um hier zu funktionieren, Frankfurter Kunstverein
  • I love you too, but…, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig
  • 2001 Germania, Palazzo delle Papesse, Siena (I)
  • Blondies and Brownies , Aktionsforum Praterinsel, München
  • Rundgang VII-German Leitkultur, Kunsthalle Fridericianum, Kassel
  • Heimaten, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig
  • Vasistas, Teknik Üniversitesi/im Rahmen der Biennale Istanbul
  • 2002 Get Out!, Galeria Arsenal, Bialystock (PL)
  • Kunst macht Schule, Saarlandmuseum, Saarbrücken
  • Intermedium 2-Multiple Choices , ZKM, Karlsruhe
  • Touristische Blicke, Kunstverein Wolfsburg
  • Selbstbildnisse , Kallmann-Museum Ismaning, München
  • 2003 Writing Identity, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig
  • Call me Istanbul ist mein Name, ZKM Karlsruhe
  • Brothers & Sisters & Birds, Badischer Kunstverein, Karlsruhe
  • Cetinje Biennale - Love it or Leave it, Cetinje, Montenegro
  • 2005 Coolhunters, ZKM Karlsruhe
  • ID Troubles – US Visit, NurtureArt Gallery, New York (USA)
  • Coolhunters, Künstlerhaus, Wien (A)
  • Roadmap to Europe. Eine Ausstellung zum Projekt Migration, Kölnischer Kunstverein, Köln
  • 2006 Coolhunters, Mucsarnok - Kunsthalle Budapestn (Ungarn)
  • Gegenstände, Badischer Kunstverein, Karlsruhe
  • 2007 The International Encounter: MedellÌn 07 / Contemporary Artistic Practices, Medellin, Kolumbien
  • Be realist! Ask the impossible!, Karsi Sanat Galerisi, Istanbul (TR)
  • Hans im Glück, K2 Art Center, Izmir (TR)
  • 2008 Schaum, Mannheimer Kunstverein
  • Anywhere i lay my head, Römer9, Frankfurt
  • 2009 ICI Berlin, La Condition Publique, Lille (F)
  • 2010 Biennale für Internationale Lichtkunst 2010, Essen
  • Playing the City 2, Kunsthalle Schirn, Frankfurt
  • New Frankfurt Internationals, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt
  • 2011 NevNesil – Savunma Sanati, Galerie Nev, Ankara (TR)
  • Zeitenwende. Saluting the End, JAUS, Los Angeles (USA)
  • Heimatkunde. Eine kosmopolitische Inventur, Jüdisches Museum, Berlin
  • Zwölf im Zwölften, Tanas, Berlin
  • 2012 Made in Germany, Hannover
     


Anny und Sibel Öztürk © Foto: Harald Schröder, 2011.