Editorial Diversität und Kindheit - Frühkindliche Bildung, Vielfalt und Inklusion

llustration aus dem Buch "machtWorte!"

Frühkindliche Bildung in Deutschland ist in den letzten Jahren stärker ins öffentliche Interesse gerückt. Damit sind auch die Anforderungen an Kitas als Bildungseinrichtungen gestiegen. Wer über gleichberechtigte Teilhabe an Bildung spricht, kommt aktuell zum Konzept der „Inklusion“. In Folge der UN-Behindertenrechtskonvention diskutieren Fachleute aus Theorie und Praxis wieder vermehrt darüber, dass alle Kinder gleichberechtigt und von Anfang an dazugehören und wie sie gemeinsam lernen können.

Dies gilt nicht nur für Kinder mit und ohne Behinderungen. Unsere Gesellschaft wird immer heterogener. Der demografische Wandel bringt es mit sich, dass der Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte stetig zunimmt, vor allem unter Kindern und Jugendlichen. Aber auch jenseits migrationsbedingter Entwicklungen verändern sich die Lebenswelten von Familien, unter ihnen Patchwork-Familien, Alleinerziehende, Regenbogenfamilien und Familien, die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Was bedeutet dieser gesellschaftliche Wandel für eine auf Inklusion ausgerichtete frühkindliche Bildung in Kitas?

Der professionelle Umgang mit Vielfalt in frühkindlichen Bildungsprozessen gewinnt vor diesem Hintergrund den Status einer fachlichen Kompetenz der Erzieher_innen. Welche Kompetenzen benötigt das pädagogische Personal für einen produktiven Umgang mit Vielfalt? Was bedeutet dies für Aus- und Weiterbildung und Ansprüche an pädagogische Professionalität? Wie können Träger strukturell Diversität in der Personal- und Organisationsentwicklung fördern?

Dieses komplexe Thema beleuchtet das Dossier „Diversität und Kindheit - Frühkindliche Bildung, Vielfalt und Inklusion“ anhand ausgewählter Aspekte.

Im ersten Teil stehen theoretische und konzeptionelle Grundlagen von Diversität und Inklusion in der frühkindlichen Bildung im Mittelpunkt. Wie verhalten sich Differenz und Gleichheit zueinander? Was unterscheidet, was verbindet Integration und Inklusion? Welche (kinder)rechtlichen Grundlagen spielen eine Rolle?

Internationale Perspektiven zum Umgang mit Vielfalt und der Verbesserung von Chancengleichheit bilden den zweiten Teil des Dossiers mit Beiträgen aus Großbritannien, Neuseeland und den Niederlanden.

Der dritte Teil widmet sich der Ausbildung und Personalentwicklung. Welche Schlüsselkompetenzen brauchen Erzieher_innen? Wie können sie mit hohen theoretischen und moralischen Anforderungen einerseits und den Grenzen des täglichen Handelns andererseits umgehen? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, wie die Teams in den Kitas selbst heterogener werden können.

Der vierte Teil betrachtet die Herausforderungen für Kindertagesstätten anhand ausgewählter Diversitätsmerkmale und wirft einen Blick in den Alltag einer Berliner Integrationskita.

 

Julia Brilling
Heinrich-Böll-Stiftung

Elisabeth Gregull
Dossier-Redaktion

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