Internationale Solidarität Revisited – Gewerkschaften im Spiegel globaler Migrationsprozesse

Internationale Solidarität Revisited – Gewerkschaften im Spiegel globaler Migrationsprozesse

Dossier Internationale Solidarität Revisited – Gewerkschaften im Spiegel globaler Migrationsprozesse
von
Julia Brilling und Elisabeth Gregull
Heinrich-Böll-Stiftung
Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: 2013
Seitenzahl: 136
Lizenz: CC-BY-NC-ND
Alle Ausgaben: Dossier

Die Globalisierung hat nicht nur den weltweiten Austausch von Gütern und Waren verstärkt. Auch immer mehr Menschen migrieren, um in einem anderen Land zu arbeiten. Diese weltweite Arbeitsmigration hat viele Gesichter: Mitarbeiter_innen internationaler Konzerne wechseln den Einsatzort. Während Hochqualifizierte wenigen Beschränkungen begegnen, wird die Migration von weniger qualifizierten Arbeitskräften von den Empfängerländern zunehmend streng reguliert. Dies führt unter anderem dazu, dass Menschen im Rahmen irregulärer Migrationsprozesse wandern. Sie sind auf Grund ihres ungesicherten Aufenthaltsstatus und mangelnder (arbeits-)rechtlicher Einbindung in besonderer Gefahr, ausgebeutet und Opfer von Diskriminierung und Gewalt zu werden.

Welche Rolle können Gewerkschaften angesichts von Deregulierung und weltweiter Migrationsprozesse spielen? Oftmals befanden und befinden sich Gewerkschaften in einem Zwiespalt: Eingebunden in nationale Strukturen stellt sich ihnen die Frage, inwieweit sie die Rechte der einheimischen Arbeitnehmer_innenschaft und Errungenschaften von Arbeitskämpfen/Streiks gegen (ungesteuerte) Zuwanderung verteidigen sollen. Lange Zeit wurden zum Beispiel in Deutschland Menschen, die ohne gültige Aufenthaltspapiere arbeiten, nicht als Zielgruppe von Gewerkschaftsarbeit gesehen, sondern eher als Bedrohung für die angestammte Gewerkschaftsklientel.

Das hat sich inzwischen geändert. Entsprechend internationaler Empfehlungen, etwa seitens der ILO, hat sich ein Verständnis durchgesetzt, dass Menschen unabhängig davon, ob sie auf legalem Weg eingereist sind oder nicht, ob ihr Arbeitsverhältnis legal ist oder nicht, dennoch grundsätzlichen menschen- und arbeitsrechtlichen Schutz genießen sollen.

Angesichts globaler Migrationsprozesse wirft das Dossier einen Blick auf internationale Beispiele von Gewerkschaftsarbeit und Organizing. Beiträge aus der Politik, unterschiedlichen Gewerkschaften, Initiativen und der internationalen Forschung treten in dem Dossier in einen durchaus kontroversen Dialog.

 

Inhaltsverzeichnis: 

Das Dossier betrachtet die Rolle von Gewerkschaften beim Thema Migration in Zeiten des demografischen Wandels – ausgehend von grundlegenden Menschen- und Arbeitsrechten - unter folgenden Gesichtspunkten:

  • Wie verändern Migrationsprozesse das Selbstverständnis von national organisierten Gewerkschaften? Wie können sie sich interkulturell öffnen und unterschiedliche Gruppen von Arbeitnehmer_innen angemessen vertreten? Wie vertreten sie auch Menschen, die im Rahmen irregulärer Migrationsprozesse nach Deutschland gekommen sind?
  • Welche Rolle haben Gewerkschaften als politischer Akteur beim Thema Migration? Welche migrationspolitischen Positionen nehmen sie ein, auch im europäischen Vergleich? Wie thematisieren sie Diskriminierung in der eigenen Organisation und auf dem Arbeitsmarkt?
  • Welche Möglichkeiten bietet Organizing für Gewerkschaften – in Deutschland und in anderen Ländern? Welche Erfolge, welche Schwierigkeiten gibt es? Wie können insbesondere sozial marginalisierte Arbeitnehmer_innen Organizing-Strategien nutzen?