Türkische Literatur auf dem Weg nach Europa

Erstmals ist dieses Jahr die Türkei Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Vom 15. bis 19. Oktober 2008 werden rund 350 SchriftstellerInnen mit türkischem, kurdischem, armenischem, jüdischem oder deutsch-türkischem Hintergrund vorgestellt, die ein facettenreiches Bild dieses multiethnischen und höchst widersprüchlichen Landes widerspiegeln sollen. Auch das Motto „Türkei – faszinierend farbig“ hebt den Aspekt der Vielfalt in der Annäherung an die türkische Literatur und Kultur hervor.

Nicht zuletzt seit der Verleihung des Literaturnobelpreises an Orhan Pamuk im Jahr 2006 findet die türkische Literatur vermehrt internationale Beachtung. Besondere Aufmerksamkeit erfährt die wachsende kosmopolitisch-moderne Literaturszene, aus der immer mehr bedeutende junge AutorInnen hervorgehen.

Doch die Bedingungen, unter denen diese moderne Literatur entsteht, sind alles andere als kosmopolitisch und offen: Kunst- und Meinungsfreiheit sind in der Türkei immer noch unter Druck. Als Hebel staatlicher Repression dient der berüchtigte – wenngleich mittlerweile reformierte - Paragraph 301 des türkischen Strafgesetzbuches, der die „Verunglimpfung des Türkentums“ unter Strafe stellt. So sind auch AutorInnen mit Gerichtsverfahren, Zensur oder sogar Gefängnisstrafen bedroht, die sich mit den nationalen Tabu-Themen wie dem Genozid an den Armeniern, der Vertreibung griechischstämmiger BürgerInnen oder der Kurdenfrage auseinandersetzen.

Auch hierzulande erfahren deutsch-türkische AutorInnen, die nun bereits in dritter Generation in Deutschland leben und schreiben, immer mehr Aufmerksamkeit. Ihre großteils auf Deutsch geschriebenen Werke vermitteln das neue Selbstverständnis einer Generation, die sich als zugehörig und „angekommen“ definiert und für die die Frage nach der kulturellen Zugehörigkeit nicht mehr wie bei früheren Generationen im Mittelpunkt steht.

In diesem Themenschwerpunkt werden beide Seiten, also die in Deutschland lebenden deutsch-türkischen sowie die in der Türkei lebenden AutorInnen, beleuchtet und nach ihrer jeweiligen Verortung und gegenseitigen Beeinflussung gefragt.

  • Cem Erciyes befasst sich mit den aktuellen Trends der jungen Literaturszene und analysiert deren Motive vor dem Hintergrund der gesellschaftlich politischen Entwicklung in der Türkei.
  • Karin Yesilada widmet sich der Verortung der deutsch-türkischen bzw. türkisch-deutschen Literatur und dem Selbverständnis junger migrantischer AutorInnen in Deutschland.
  • Sibel Kara setzt sich mit der Frage auseinander, welche Rolle die dualistische Kulturkonzeption von Orient und Okzident in der Rezeption der Literatur Orhan Pamuks spielt.

Der Themenschwerpunkt wurde von der Philosophin und Literaturwissenschaftlerin Sibel Kara konzipiert.

 

 

 

ÜBERSICHT

Junge SchriftstellerInnen der Türkei im neuen Millenium
von Cem Erciyes (weiter)

Deutsch? Türkisch? Deutsch-türkisch? Wie türkisch ist die deutsch-türkische Literatur?
von Karin E. Yesilada (weiter)

Der Mann an der Brücke - Zum kosmopolitischen Aspekt der Literatur Orhan Pamuks
von Sibel Kara (weiter)

Wohin des Wegs, Türkiye? Rio, Istanbul, Berlin - Schreiben als Reise
Veranstaltung, 9. Oktober 08 in Berlin (weiter)

 

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