Editorial Dossier Altern in der Migrationsgesellschaft

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Die Herausforderungen des demografischen Wandels sind seit einigen Jahren verstärkt ins öffentliche Bewusstsein getreten. Allgemein weniger bekannt ist dagegen, dass auch die Zahl älterer MigrantInnen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stark zunehmen wird. Als vor rund fünfzig Jahren die ersten sogenannten GastarbeiterInnen nach Deutschland kamen, dachten sie und auch die Einheimischen nur an einen vorübergehenden Aufenthalt. Ihren Lebensabend würden die MigrantInnen wieder in ihrer Heimat verbringen.

Doch die Dinge haben sich bekanntermaßen anders entwickelt. Viele MigrantInnen der ersten Generation haben sich entschieden zu bleiben – vor allem auch, weil ihre Kinder und Enkelkinder hier leben. Nicht nur die einzelnen Menschen und Familien, sondern auch die Dienste und Institutionen der Altenhilfe müssen sich auf diese Situation und Entwicklung einstellen.

In ganz Europa leben die Menschen länger und sind länger gesund. Deswegen hat die Europäische Union das Jahr 2012 zum „European Year of Active Ageing and Solidarity between Generations“ erklärt. Die Weltgesundheitsorganisation hat das Konzept des „Aktiven Alterns“ so geprägt, dass es mehr umfasst als die Erhaltung der Gesundheit. Vielmehr sollen auch die Teilnahme am sozialen und gesellschaftlichen Leben und Wahrung der persönlichen Sicherheit gefördert werden. Dazu gehören auch Schutz und Unterstützung für Hilfs- und Pflegebedürftige.

Das Dossier nimmt das „European Year of Active Ageing and Solidarity between Generations“ zum Anlass, sich mit diesem Dossier dem „Altern in der Migrationsgesellschaft“ zu widmen. Der Fokus liegt auf folgenden Fragen: Wie erleben ältere MigrantInnen das Altwerden in Deutschland? Wie können insbesondere ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ihr Leben möglichst lang gesund, selbstbestimmt und sozial aktiv gestalten? Welche institutionellen, sozial- und gesundheitspolitischen Maßnahmen sind notwendig, um älteren MigrantInnen die gleichen Chancen zur Partizipation an unserer Gesellschaft zu bieten wie einheimischen SeniorInnen?

Das Thema ist vielschichtig, nicht zuletzt, weil sich hinter dem Begriff „ältere MigrantInnen“ eine große Heterogenität an Gruppen, Individuen und Lebensentwürfen verbirgt. Um dieser Heterogenität ein Stück weit Rechnung zu tragen, finden sich speziell bei den Projekten Beispiele für unterschiedliche Migranten-Gruppen. In dem Dossier kommen Fachleute aus Gerontologie, Soziologie, Pflegewissenschaften und anderer Disziplinen zu Wort. Neben Ergebnissen aktueller Studien bietet es einen Einblick in die Praxis wegweisender Projekte und die bürgerschaftlichen Aktivitäten älterer Menschen mit Migrationshintergrund.

Der erste Teil des Dossiers untersucht die Lebenssituation von älteren Menschen mit Migrationshintergrund. Wie ist ihre soziale, finanzielle und berufliche Situation? Wie sind die Familienbeziehungen in dieser Lebensphase? Und wie engagieren sich ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte?

Im zweiten Teil steht die gesundheitliche Versorgung im Mittelpunkt. Ausgangspunkt sind der Gesundheitszustand älterer MigrantInnen und die Frage, wie soziale Netzwerke und präventive Maßnahmen gesundheitsfördernd wirken können. Welche Barrieren gibt es in der Gesundheitsversorgung und was sind denkbare Lösungsansätze?

Der dritte Teil blickt auf ausgewählte Projekte, die sich unterschiedlichen Facetten des „Aktiven Alterns“ widmen. An Beispielen aus dem Bereich Wohnen wird deutlich, wie ältere MigrantInnen ihre Wünsche und Bedürfnisse in die gesellschaftliche Diskussion und in konkrete Projekte einbringen können. Mit den Erfahrungen des europäischen Modellprojektes „Aktives Altern älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ endet dieser Teil.

Das Dossier wurde von Elisabeth Gregull konzipiert und redigiert.
Gesamtredaktion: Olga Drossou und Julia Brilling, MID-Redaktion

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