Editorial Dossier Fußball & Integration

Am 9. Juni 2006 wird in München die 18. Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Spiel Deutschland gegen Costa Rica eröffnet. Mehr als 700 Spieler aus 32 Ländern aus 6 Kontinenten kämpfen bis zum Finale am 9. Juli in Berlin um den 36,8 cm großen 18-karätigen Goldpokal. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ lautet das Motto der WM 2006, bei der sich Deutschland als weltoffenes und gastfreundliches Land präsentieren will. Rund eine Million Fans und Besucher aus aller Welt werden erwartet, mehr als eine Milliarde Fußballbegeisterte rund um den Globus werden das WM-Finale an ihren Bildschirmen verfolgen.

Die Fußball-WM ist ein einzigartig ethnisch-kulturell vielfältiges Mega-Spektakel, bei dem sich die gemeinsame Leidenschaft für die Faszination Fußball im interkulturellen Dialog über Doppelpässe und Fallrückzieher zum Ausdruck bringen kann. Die enorme Interkulturalität des Sportgroßereignisses spiegelt sich auch in den vielen multiethnisch zusammengesetzten WM-Nationalteams wieder, unter denen die Mannschaften aus Brasilien, Argentinien, den Niederlanden und England mit zu den Topfavoriten des WM-Turniers zählen. Auch die deutsche Nationalmannschaft ist mit Klose, Podolski, Asamoah und Odonkor multikultureller denn je.

In Deutschland spielen alleine zwei Millionen Kinder und Jugendliche in den 26.000 Vereinen Fußball in Mannschaften, in denen vielerorts über die Hälfte der Jugendlichen Migrationshintergrund hat. Doch wie wird mit den Fragen der Interkulturalität und Integration im deutschen Vereinsfußball und in den DFB-Nationalmannschaften umgegangen? Warum spielt zum Beispiel Lukas Podolski in der Nationalmannschaft und Yildiray Bastürk nicht? Wie ist die Situation der Menschen mit Migrationshintergrund im deutschen Fußballsport? Dominieren Diskriminierungen, Fouls und verhinderte Aufstiegschancen oder ist der Fußball ein Integrationsfaktor par excellence, gar ein role model für die interkulturelle Verständigung?

Der Frauenfußball erlebt in Deutschland einen enormen Boom, die Frauennationalmannschaft wurde in den letzten Jahren Olympiasieger sowie Welt- und Europameister, Erfolge, von denen die Klinsmann-Truppe vermutlich nur träumen kann. Immer mehr Mädchen spielen Fußball, darunter zunehmend viele junge Migrantinnen. Welche Gegenspieler stellen sich ihnen in den Weg, wo sind die Abseitsfallen aufgestellt? Wie kann der Fußball ein Steilpass zu einem selbstbestimmteren Leben werden?

Doch selbst wenn auf dem Rasen Fairplay herrschen sollte, gehen von den Rängen zu oft Fouls aus. Rechtsradikale und rassistisch motivierte Gewalt und Hooliganismus grassieren in Deutschland (wie auch in vielen anderen Ländern Europas) seit Jahren auch in den Fußballstadien. Die Fußball-WM rückt sie empfindlich ins Blickfeld der Öffentlichkeit und der Politik – vor allem aus Sorge um das Ansehen Deutschlands in der Welt. Welche Formen nehmen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus innerhalb und außerhalb deutscher Fußballstadien an und was kann dagegen getan werden?

Diesen und vielen weiteren Fragen wird in diesem Dossier nachgegangen. Die angebotenen Bilder werden mit der freundlichen Genehmigung der Internetredaktionen von buntkicktgut Interkulturelle Strassenfußball-Liga MünchenFAREFußball gegen Rassismus in Europa, Streetfootballworld und des Goethe Instituts, Projekt Tor für Deutschland gezeigt.

Das Dossier hat der Politologe und Fußballfan Andreas Merx konzipert und redigiert. Verantwortlich: Olga Drossou, MID-Redaktion

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(936 KB, 36 S.)

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