Editorial Dossier zum "Europäischen Jahr der Chancengleichheit"

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Das „Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle“ ist die zentrale Initiative der Europäischen Union im Jahr 2007 zur Förderung von Nichtdiskriminierung und Chancengleichheit. Ihr Ziel ist es, Diskriminierung wirksam zu bekämpfen, Vielfalt als positiven Wert zu vermitteln und Chancengleichheit für alle zu fördern. Das „Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle“ soll signalisieren, dass Nichtdiskriminierung und Chancengleichheit ein wichtiger Bestandteil der Menschen- und Bürgerrechte sind und insofern oberste Priorität in der Europäischen Union beanspruchen.

In den letzten Jahren wurden die vier Antidiskriminierungsrichtlinien der Europäischen Kommission in den Mitgliedsländern weitgehend in nationales Recht umgesetzt. In Deutschland trat im August 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Kraft, das Menschen einen besseren Rechtsschutz gewährt, die aufgrund ihrer ethnischen  Herkunft oder rassistischen Diskriminierung, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Weltanschauung, ihrer Behinderung, ihres Alters oder ihrer sexuellen Orientierung ungerechtfertigt benachteiligt werden.

Doch es ist klar: Rechtsvorschriften alleine genügen nicht, um Diskriminierung abzubauen oder zu verhindern. Die Antidiskriminierungsgesetze bieten zwar Schutz auf individueller Ebene, reichen aber nicht aus, um die komplexen und zum Teil tief verwurzelten Verhaltensmuster und Vorurteile zu verändern, die Ursache für die Ungleichbehandlung bestimmter Bevölkerungsgruppen sind. Nötig sind intensive Bemühungen sowohl auf politischer als auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene, die Chancengleichheit für alle aktiv fördern und die strukturellen und institutionellen Hindernisse abbauen, die benachteiligten Gruppen den Weg zu einer gleichberechtigten Teilhabe in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens versperren.

Die Bevölkerung wird in der erweiterten Europäischen Union immer vielfältiger: Die Zuwanderung und das Zusammenleben ethnisch-kulturell unterschiedlich geprägter Menschen, die Etablierung unterschiedlicher Lebensformen und nicht zuletzt die Veränderung der Alterszusammensetzung durch die demografische Entwicklung stellen die europäischen Gesellschaften vor neue Herausforderungen. In den nächsten 25 Jahren wird die EU-Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um mehr als 20 Millionen schrumpfen. Angesichts dieser Prognosen ist die Verbesserung der Chancen von Zuwanderern, MigrantInnen, behinderten Menschen, von jüngeren und älteren Menschen in Bildung, Beschäftigung und ihrer individuellen Lebensgestaltung drängend.

Die EU-Kommission hat als zentrale Themen für das Europäische Jahr 2007 Rechte, Vertretung, Anerkennung, Respekt und Toleranz benannt. Ihr Ziel ist die Sensibilisierung der Menschen für das Recht auf Chancengleichheit, den Anspruch aller Interessengruppen auf gesellschaftliche Vertretung, die Würdigung und Anerkennung von Vielfalt als Ressource und dadurch die Stärkung des Zusammenhalts der europäischen Gesellschaften auf der Grundlage von Toleranz und Respekt. Um diese Ziele zu erreichen werden in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union hunderte Aktivitäten von lokaler bis europäischer Ebene stattfinden. Die Europäische Kommission hat hierfür 13,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Für die Koordination in den einzelnen Mitgliedstaaten wurden nationale Durchführungsstellen eingerichtet.

Dieses Dossier fragt nach dem Stand der Chancengleichheit in unserem Land und in anderen europäischen Ländern. Unsere Autoren und Autorinnen, meist selbst Angehörige verschiedener Gruppen, die in ihren Gesellschaften für Chancengleichheit kämpfen, decken Probleme und Strukturen auf, die eine gerechte Teilhabe von diskriminierten Menschen am gesellschaftlichen Leben verhindern.

Das Dossier wurde von Judy Gummich und Florencio Chicote konzipiert und zusammengestellt. Beide engagieren sich seit vielen Jahren für die Ziele Chancengleichheit, Diversity und die Überwindung von Diskriminierung und Mehrfachdiskriminierung aus der allzu oft vernachlässigten Perspektive der Betroffenen.

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