Nya Luong

Nya Luong

 

*1.12.1979, Saigon

in Deutschland seit 1991

in Berlin seit 2003

Beruf: Künstlerin und Musikerin

 

Wie würdest Du deine Herkunft beschreiben?

Südvietnamesin, französisch sozialisiert, mit chinesischen Wurzeln und nun ziemlich deutsch. Ein Hybrid.

Erzähl' mal was über deine Eltern.

Mein Vater war Offizier und Ausbilder für die Armee in Vietnam. In Deutschland war er als Sprachmittler tätig. Meine Mutter war in Vietnam Sekretärin. Mein Vater ist zum Studium nach Deutschland gegangen als ich drei Jahre alt war.

Wenn Du an Vietnam denkst, welche drei Bilder kommen Dir in den Sinn?

Ich sehe das Meer. Es erinnert mich an den Hafen in Saigon…Eine weitere Metapher für Vietnam ist die Träne. Immer, wenn ich weine, denke ich an den Verlust…, zugleich aber auch an die harten Bestrafungen mit dem Rohrstock aus Bambus.

In welcher Sprache träumst Du?

Auf Englisch, Deutsch, Französisch, Indonesisch, Vietnamesisch.

Wie ist dein Bezug zur Sprache?

Die unterschiedlichen Sprachen heben andere Facetten meiner Persönlichkeit hervor. Auf Deutsch bin ich detailliert und schwermutig, auf Englisch entspannt, auf Französisch dekadent und zickig, auf Vietnamesisch, eher weich und auf Indonesisch total lustig und albern.

Was magst Du an der vietnamesischen Kultur?

Das Essen. Wenn es mir schlecht geht, muss ich nur eine Schüssel Phở essen, dann geht es mir sofort wieder besser.

Was gefällt Dir nicht an der vietnamesischen Kultur?

Statusdenken, Konformität, schlechter Stil.

Was magst Du an der deutschen Kultur und am Leben in Berlin?

An der Kultur gefällt mir: die Detailliertheit der deutschen Sprache, J.S. Bach, die Wurst. An Berlin mag ich die »Berliner Schnauze« und die Freiheit, die ich genieße, so zu sein wie ich eben bin.

Was gefällt Dir nicht an der deutschen Kultur?

Die Bürokratie; die Verschlossenheit Fremden gegenüber; die Stammtischkultur.

Nenne bitte drei Vietnamesen, die für dich als Vorbilder wichtig sind.

Meine Cousine Hang in Los Angeles, die immer viel Mut in schwierigen Zeiten zeigte; meine Schwester in Wien, die ein ähnliches Psychogramm hat wie ich; die Sängerin Thao Nguyen in San Francisco.

 

Fünf persönliche Sachen, die mich an Vietnam erinnern:

Selbstgenähte Bluse in schwarz: Die Bluse hat meine Mutter in den 1970er Jahre für sich selbst genäht. Ich trage sie gern. Der Schnitt ist zeitlos wie die Farbe – Schwarz ist meine Lieblingsfarbe.

Das Büchlein mit vietnamesischen Fabeln: Eine der wenigen Sachen, die ich bei dem Wegzug aus Vietnam mitgenommen habe.

Perlenohrringe: Auch von meiner Mutter. Die weißen Perlen werden von vielen asiatischen Frauen gerne getragen. Ich selbst trage fast nie Ohrringe.

Cocktailkirschen: Die eingelegten und sehr chemisch leuchtenden roten Cocktailkirschen erinnern mich an den Geburtstagskuchen, den meine Mom immer für mich vorbereitet hat.

Áo bà ba in Pink: Ich habe mir dieses traditionelle vietnamesische Pyjama-Bluse in Vietnam nähen lassen. Die Farbe, die Art von Bluse erinnern mich an meine Großmutter.

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