„Ich will mich nicht ausgrenzen…“

„Ich will mich nicht ausgrenzen…“

Gespräch mit dem HipHop-Pionier Moses Pelham

Wie fast kein anderer hat Moses Pelham als Rapper, Produzent und Chef des Labels 3p den HipHop in Deutschland seit den Gründungstagen begleitet und geprägt. Ende der 1980er Jahre veröffentlichte Pelham seine ersten Raps in englischer Sprache, später gründete er mit Thomas Hofmann das Rödelheim Hartreim Projekt, eine der erfolgreichsten deutschsprachigen HipHop-Bands. 
In musikalischer Partnerschaft mit Martin Haas und als Chef von 3p ist Pelham auch an den Erfolgen von Sabrina Setlur und Xavier Naidoo beteiligt, womit er maßgebliche Anstöße zur Formierung eines spezifisch deutschen R&B-Sounds gegeben hat. 
Seit 2001 hat Pelham zusammen mit Haas und Sängerin Cassandra Steen als Formation Glashaus drei Alben veröffentlicht, auf denen Steens zurückhaltende Stimme die Grenze zwischen kunstvollem Singen und alltäglichem Sprechen verwischt und Pelhams Texte prägnante und zuweilen vernichtende Alltagsbeobachtungen mit biblischem Pathos versetzen.


Obgleich synkopiert durch R&B-Gesang, HipHop-Beats und Breitwand-Klangsphären stellt der Sound von Glashaus insgesamt eine gegenwärtige Version des klassischen Kunstliedes dar. Somit ist es Glashaus, im Gegensatz zu anderen deutschen R&B Künstlern, gelungen eine eigenständige musikalische Sprache zu kreieren.
Einen guten Überblick über das Schaffen von Glashaus bietet die im November 2006 erschienene CD/DVD Kompilation „Von Herzen - Das Beste“.



 

Warum hast du dich, obwohl bei deiner Plattenfirma 3p viele KünstlerInnen ‚nicht-weiße’ Deutsche sind, in deiner langen Karriere sowohl in Songtexten als auch in Interviews relativ selten zu deiner Hautfarbe geäußert?

MP: Ich fürchte, dass es daran liegt, dass es für mich nicht das Riesenthema ist, da es für mich immer wichtigere Dinge gab. Ich habe auch vor anderen Menschen nie meine Situation auf meinen kulturellen Background zurückgeführt. Natürlich gibt es Situationen, z.B. wenn du beim Autofahren angehalten wirst, weil du in irgendein Raster passt, aber das hat mich nie so beschäftigt. Mir ist auch egal, warum ich diskriminiert werde – egal ob ich übergewichtig bin, eine Glatze oder eine dunklere Hautfarbe habe – sondern ich werde nach Möglichkeiten suchen, mich dagegen zu wehren. Selbstausgrenzung halte ich für einen Fehler. Ich will mich nicht ausgrenzen, ich bin Teil dieser Gesellschaft und werde meine Rolle innerhalb dieser Gesellschaft wahrnehmen.

Der Titel meiner ersten selbstproduzierten Soloplatte hat doch einen Bezug zu meiner Hautfarbe in „The Bastard Lookin’ 4 the light“. Dieser Bastard-Begriff, denn ich immer wieder im Deutschen aufgegriffen habe, der hat ja zwei Bedeutungen: entweder ein uneheliches Kind oder ein nicht reinrassiges Kind. Nun stellt sich die Frage, inwieweit ich als Angehöriger der menschlichen Rasse, also als Mensch, nicht 'reinrassig' sein kann! Anscheinend habe in der schulischen Rassenlehre nicht so richtig aufgepasst, da war ich wohl krank. Jedenfalls  – damit spiele ich beim Gebrauch Bastard-Begriffes.

 Seit den Anfangstagen wurden die meisten Texte auf den 3p-Releases in deutscher Sprache verfasst. Es scheint, dass du und auch Leute in deinem Umfeld hart daran gearbeitet haben, das Deutsche als Rapsprache und R&B-Singsprache einzuführen und auf diese Weise seine Möglichkeiten zu erweitern. Inwieweit trägt dies dazu bei, sich nicht auszugrenzen, sondern in die Gesellschaft einzubringen?

MP: Wir haben uns sehr damit beschäftigt. Wenn du die Herzen deiner Brüder und Schwestern erreichen willst – und zwar ernsthaft und nachhaltig – und wenn deine Aussagen auch noch relativ komplex sind, dann sollte das in einer Sprache geschehen, die du und die Menschen, die das in ihrem Leben haben sollen, gut sprechen, sonst sind Missverständnisse quasi vorprogrammiert. Ehrlich gesagt, bin ich da reingerutscht, aber als ich dann Blut geleckt hatte, war für mich klar, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Viele Menschen, mit denen ich gesprochen habe, haben ähnliche Erfahrung gemacht: Udo Lindenberg z. B. erzählt dir dieselbe Geschichte, nur vor zwanzig Jahren.  Ich habe auch erst auf Englisch gerappt, weil meine musikalischen Wurzeln dort waren.  Später habe ich gedacht, das müssen wir auch in unserer Sprache probieren, damit wir uns besser verständigen. Dann habe ich experimentiert und gemerkt, dass es geht – und habe weitergemacht.

Pioniere werden ja normalerweise erschossen, weil sie vorneweg reiten. Ich habe kürzlich eine Glashaus-Compilation über unser Wirken abgeschlossen, da fällt einem das schon extrem auf. Ich war früher selbst der Auffassung, dass bestimmte Dinge in der deutschen Sprache einfach nicht gehen, aber wenn Rap in Deutschland auch nur die halbe Bedeutung haben soll wie Rap für Menschen in Amerika, wird er auf Deutsch sein müssen. Trotzdem habe ich mich überhaupt nicht dazu berufen gefühlt, das zu machen, weil alles, was ich bis dahin auf Deutsch gehört hatte, schlagermässige Faschingsmusik war, die oftmals unfreiwillig witzig war. Musik sollte ja dazu dienen, Menschen Halt zu geben, vor allem in schweren Stunden, da muss man was anderes zur Verfügung haben. Mein Schlüsselerlebnis: Ein Kumpel von mir der einen Skateboardladen zusammen mit einem anderen Typen hatte, erzählte, er macht deutsche Rockmusik. Irgendwann haben die mir eine Platte von sich mitgegeben, und als ich diese Platte gehört habe, ist mir ein Licht aufgegangen. Das war das erste Mal, dass ich deutsche Musik gehört habe, die nicht lächerlich klang, sondern ein ernsthaftes Gefühl transportiert hat.

 Inwieweit war das Hessische, dass sowohl relativ melodiös als auch eine gesprochene Sprache ist, wichtig, um die deutsche Sprache umzuformen?

MP: Gerade für die ersten Platten von Rödelheim Hartreim Projekt, glaube ich, war das Hessische sehr wichtig. Weil das Rappen in Deutsch zu diesem Zeitpunkt für uns nicht so natürlich war, wollten wir es durch den Dialekt ganz nah an uns heranholen. Der Schlüssel dazu war der eine oder andere Frankfurter Straßenbegriff, also die Sprache, die du wirklich auf der Straße gesprochen hast. Es gibt viele Leute, die sagen, das hat unsere Raps melodiöser gemacht und es uns ermöglicht, einfacher zu reimen usw. Viel wichtiger war für uns aber, eine Nähe zu erzeugen, auch Sachen zu sagen, die Menschen auf den ersten Blick gar nicht verstanden haben, sondern sich damit intensiver beschäftigen mussten, um den Begriff aus dem Kontext zu verstehen, zu erlernen, weil er immer wieder vorkommt.

Neben dem speziellen Umgang mit der deutschen Sprache fällt außerdem auf, dass sich in den Beats und in den Samples oftmals sehr genaue und auch relativ offensichtliche Verweise auf die Geschichte des amerikanischen HipHop und R&B finden. Was Rödelheim Hartreim Projekt im Gegensatz zu vielen anderen deutschen HipHop-Produktionen gerade vom Sound her gekennzeichnet hat, war, dass es nicht nur in einen HipHop-Kontext, sondern auch in den eines Black Music-Sounds eingebettet war.

MP: Absolut. Auch das ist kein Konzept gewesen, sondern es war einfach die Musik, die in meinem Leben war. Es gibt für mich nichts Natürlicheres, als in der Tradition, in der du lebst, die du verinnerlicht hast, Musik zu machen. Allerdings weiß ich gar nicht, ob es mir einfacher war, diese Musik in mein Leben zu lassen, weil sie von schwarzen Menschen kam. Das sind Prozesse, die möglicherweise unbewusst passieren, für mich aber war es einfach die coolste Musik der Welt. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es etwas mit meiner Hautfarbe zu tun hat.

Ich weiß, dass der Übergang von Rap zu R&B keinen völligen Bruch in deiner Karriere darstellt. Nichtsdestotrotz gibt es doch Unterschiede sowohl in den Texten als auch in der Musik, da man Sachen anders ausdrücken muss. Bei Glashaus z. B. singst nicht du, sondern Cassandra Steen. Gibt es für dich Unterscheide zwischen Hip-Hop und R&B?

MP: Ich kann diesen Punkt, den du andeutest, gar nicht festmachen. Ich arbeite z. B. gerade an einem Stück, das vom Playback und von den Harmonien identisch ist mit einem Rapstück, das ich schon mal gemacht habe, aber jetzt ist es ein Gesangsstück. Bei den meisten Playbacks, die wir anfangen, bestimmen wir nicht von vorneherein, was für ein Playback das wird. Es könnte alles werden. Ob es ein Rapstück oder ein Gesangsstück wird, entwickelt sich später. Musikalisch sehe also ich keinen Unterschied.

Vom Philosophen Walter Benjamin stammt der Satz: „Im Glashaus zu leben ist eine revolutionäre Tugend par Excellence“. Du beschreibst dich häufig als der Bastard auf der Suche nach dem Licht, der Steine werfend im Glashaus sitzt. Wie fühlt es sich an, im Glashaus zu leben?

MP: Ich suche immer nach Zugängen. Neulich habe ich mich mit einem Menschen unterhalten, der quasi mein Fahrlehrer ist und der sagt, dass die meisten Leute im Straßenverkehr überhaupt nicht wissen, wie es für den anderen Verkehrsteilnehmer ist. Der im Auto rafft nicht, wie es für den auf dem Fahrrad ist, der im LKW nicht, wie es so in einem PKW ist usw. Und für die meisten Menschen wäre es total toll, mal ein anderes Verkehrsmittel zu benutzen, um die andere Perspektive zu sehen. Am krassesten wäre es natürlich, wenn er Motorrad fährt, weil es die verletztlichste aller Formen ist, am Verkehr teilzunehmen. Wenn wir alle selbst erstmal merken, wie verletzlich wir sind, werden wir uns vielleicht ein paar Gedanken machen, schlagen anders zu oder unterlassen es gar, das nächste Mal zuzuschlagen. Von daher ist der einzige Weg, den Teufelskreis wirklich zu durchbrechen, die eigene Verletzlichkeit zuzulassen, was auch damit anfängt, eine gewisse Transparenz zu bieten, weil es dich ja noch viel verletzlicher macht. Ich fürchte, ohne diesen Schritt kommt man da nicht weiter. Das ist jetzt so meine kleine Hobbypsychologie und -philosophie. Ich glaube, für viele Menschen kommt dies einer Unterwerfung gleich. Nichts liegt mir ferner, als mich zu unterwerfen. Nur glaube ich, dass es einen anderen Weg gibt, sich nicht zu unterwerfen, als andere zu unterwerfen. Es muss doch was zwischen Opfer und Täter geben.

Jetzt folgen ein paar Fragen über den Sound von Glashaus. Zuvor würde ich gern wissen, wie sehr du in diese Sound-Sachen involviert bist?

MP: Ich bin eigentlich in alles involviert, weil ich Glashaus liebe. Es gibt wahrscheinlich niemanden, der sich so sehr mit jedem Detail davon auseinandergesetzt hat, wie ich, wobei – das muss ich sagen – es ist Martin, der der Operator ist.

Bei Glashaus fällt auf, dass Cassandra Steen in den Strophen oftmals fast spricht und in den Refrains eher im traditionellen Sinne singt. Cassandras Stimme klingt auf den Aufnahmen einmal weiträumig, dann wieder hört man auch eine intensive Nähe. Bei der a cappella -Version von „Is’ nur Kino“ z.B. hört man sie an einer Stelle schlucken. Wie erzielt man diese Soundeffekte von gleichzeitiger Nähe und Weite auf einer CD?

MP: Cassandra hat Dreimillionen Sachen gemacht, um so zu klingen, wie sie klingt, und zwar Dinge, die ihr überhaupt nicht bewusst sind. Dadurch, dass sie nicht so ein Riesenorgan hat, hat sie Wege gefunden, wie sie trotzdem gehört wird. Wir müssen sie aber extrem laut aufnehmen, damit du überhaupt ein Signal von ihr bekommst, also sehr sensibel, deshalb hörst du sie halt auch schlucken und mich nicht. Dennoch benutzten wir Produktionsmethoden, die Räumlichkeiten entstehen lassen. Cassandra hat in den Strophen meistens einen Raum, aber einen sehr kurzen. Im Refrain gibt es dann gerne mal eine Spur, die mehr Platz hat, was dafür sorgt, dass es weiter aufgeht. Und Martin und ich sind wahrscheinlich die Produzenten, die die meisten Höhen aufnehmen, was natürlich damit zusammenhängt, dass Martin selber Sänger ist.

Im Gegensatz zu vielen US-amerikanischen R&B-Produktionen sind die Ad-Libs (stimmliche Improvisationen und Verzierungen) von Cassandra Steen auf den hinteren Spuren zu hören. Wie hat sich das ergeben? Während man bei ersteren häufig dieses Moment des extremen „Übersingens“ gerade in den Ad-Libs findet, wo die Sänger/innen zeigen müssen, wie stimmgewaltig sie sind, fehlen bei Glashaus diese Momente. Es wird eine leisere, nachdenkliche Stimmung erzeugt, die ich sehr gut finde.

MP: Dankeschön. Das hat auch wieder mit vielen Sachen zu tun, aber auch mit Cassandra und ihren Fähigkeiten. Martin und ich strukturieren vieles erstmal im Kopf. Bei der Produktion nehmen wir dann zuerst die Strophen auf und dann den Refrain, die Chorusse des Refrains und wenn alles komplett steht, lassen wir Cassandra dazu singen und improvisieren, aber es wird nicht im Prozess der Aufnahme miteinander vermischt. Es kann passieren, dass wir in den Ad-Libs etwas finden, was später die Hauptstimme in der Strophe ersetzt. In der Regel wird das nur zur Hauptstimme dazugegeben, weil es bei der Frage, wie die Sachen zusammengesetzt werden, um verschiedene Abstufungen in Lautstärke und Räumlichkeit geht. Meist haben wir drei, vier Spuren, die dazu laufen, wobei das manchmal unfassbar zugeklatscht ist und der Rest unserer Arbeit nur noch darin besteht, verschiedene Elemente rauszuschmeißen, um den Klang erzielen, den wir uns vorgestellt haben.

Ich würde gerne noch über die Rolle von Glauben und Religion in den Glashaus-Texten sprechen. Du verwendest in deinen Texten die Namen Gott, Jah, Allah, Adonai, und Jehova. Ist demzufolge der Glaube an Gott für dich nicht unbedingt mit der christlichen Religion verbunden?

MP: Da sind wir wieder bei den Gemeinsamkeiten oder den Gegensätzen. Aus meiner Sicht ist offensichtlich, dass wir von derselben Autorität sprechen. Diese ganzen Religionen sind wie verschiedene Sprachen, die versuchen, dieselbe Sache auszudrücken. Natürlich kann Religion ein Mittel der Macht sein, das benutzt wird, um zu teilen und zu herrschen – das wird einem ja auch in der Geschichte relativ eindrucksvoll vor Augen geführt. Aber im Kern der Sache ohne dass jemand versucht, seine eigenen Interessen damit durchzuboxen, ist es einfach genau dasselbe, nur haben wir verschiedene Wege, uns der Sache zu nähern. Die Figur Jesus hilft mir sehr in meinem Zugang zu dieser Sache. Aber wenn du ohne sie auskommst und sagst, das war einfach nur ein weiterer Prophet, dann ist das auch OK.

Siehst du denn diese Spiritualität – um noch mal an den Anfang des Gesprächs zurückzukommen – als eine Art und Weise, bestimmte weltliche Identitäten, Unerteilungen, Ungleichheiten zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen oder auch zwischen Arm und Reich aufzuheben? Inwieweit ist der Glaube politisch oder zumindest ein Weg der Veränderung?

MP: Ich glaube, dass die Veränderung immer im Inneren eines Menschen anfangen muss, damit wir den Schritt machen, in unserem Nächsten, unseren Bruder zu erkennen. Es gibt alle möglichen Bestrebungen zu erkennen, warum der, der dir jetzt gegenübersteht, nicht dein Bruder ist. Ich komme immer wieder darauf zurück, die Gemeinsamkeiten zu erkennen. In manchen Situationen benutzen Menschen unseren Christus dazu, sich von anderen Menschen abzugrenzen. Letzten Endes aber sind sie wie wir; sie sind nicht nur wie wir, sie sind wir. Ich halte Mitgefühl für einen entscheidenden Schlüssel, und ich meine jetzt nicht das mitleidige Mitgefühl, sondern ich meine wirkliches Mitgefühl: Ich fühle mit dir und kann mir gut vorstellen, wie es in deinen Schuhen ist. Allein deshalb würde ich mich vorsehen, dir zu schaden, weil es sich für mich so anfühlt, als würde ich es mir selbst antun. Demzufolge ist, für mich „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“ nichts Banales im Sinne von „Oh, seid doch mal lieb zueinander“, sondern ein überlebenswichtiger Schlüssel.

In vielen Glashaus-Texten und in Interviews sprichst du von der Liebe als einem übergeordneten Prinzip, was sowohl an die Geschichte mit dem Fahrschullehrer als auch an deine eben gemachte Aussage anschließt. Kann man an das Prinzip Liebe glauben, ohne an Gott zu glauben oder sind diese beiden Sachen eng miteinander verbunden?

MP: In meiner Wahrnehmung hängen sie sehr eng zusammen, aber ich habe von Menschen gehört, die nicht so wie ich im Glauben an Jesus erzogen wurden, die sagen, das ist wie eine Energie, worauf ich mich auch einlassen könnte. Mein Zugang zu diesem Thema ist halt Jesus, aber man kann auch ohne diese Figur sagen, dass Liebe ein alles umgebendes und alles umfassendes Prinzip ist. Ich dachte immer, Liebe ist Universum. Feierabend! Und deshalb funktionieren die Dinge, wie sie funktionieren. Das ist übrigens das Schöne an meiner Arbeit: Die erlaubt mir, mich intensiv mit mir und meiner Situation zu beschäftigen und Fragen zu stellen. Beim Intro zur ersten Glashaus-Platte „Weckruf“ habe ich in der Bibel nach Beschreibungen von Gott gesucht und die härteste, krasseste, treffendste, erlösenste und für mich am wahrsten klingende war die letzte: „Und dieser Gott ist Liebe.“ Außerdem gibt es ein Stück von Glashaus, das heißt „Erhalte meine Liebe“. Da ist am Anfang ein Sample von Rinpoche, einem buddhistischen Mönch, das sich auch mit dem Prinzip der Liebe beschäftigt und ohne Gott auskommt, was ich für bezeichnend halte:
„Hass wird nie durch Hass beendet. Durch Liebe allein kann Hass überwunden werden. Dies ist ein ewiges Gesetz.“
(Aus der Dhammapada, einer Sammlung von Aussprüchen Buddhas)

Das Gespräch führte Alexander G. Weheliye im November 2006

Moses Pelham, geboren 1971 in Frankfurt M., ist HipHop-Pionier und eine schillernde Figur der deutschen Rap- und HipHop-Szene. Als Chef des Musiklabels 3p ist er einer der erfolgreichsten deutschen Musikproduzenten.