Dossier Herkunft als Schicksal? Hürdenlauf zur Inklusion

Dossier Herkunft als Schicksal? Hürdenlauf zur Inklusion

Warum bedeutet die Herkunft, der "Migrationshintergrund", eine so schwer zu überwindende Barriere, die den Traum junger MigrantInnen nach sozialem Aufstieg zur Illusion werden lässt?

Strichfigur die Weltkugel einen Hügel hinaufschiebtHürdenlauf zur Inklusion. Foto: Johannes Leidenberger. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.
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Herkunft als Barriere

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Immigranten, Menschen mit Migrationshintergrund, Ausländer, Neu-Deutsche oder einfach alles Quatsch? Unserer Gesellschaft scheint es wichtig zu sein, Deutsch-Deutsche von Nicht-Deutsch-Deutschen zu unterscheiden. Ist es denn überhaupt so wichtig? Wenn ja, wie sollte diese Unterscheidung erfolgen? Klar ist, dass Pauschalisierungen und Generalisierungen wie die von Thilo Sarrazin in seinem viel diskutierten Interview in der Kulturzeitschrift Lettre International nichts zur demokratischen und friedlichen Lösung von Problemen beitragen. Sie generalisieren und stigmatisieren.

Die AutorInnen dieser Rubrik sind sich dessen bewusst, weshalb sie nach Ursachen, aber auch nach Lösungen für einen anderen Umgang miteinander suchen. Warum wirken die Stereotype über „Ausländer“ so stark und was sollte in der Zukunft verändert werden? Und sehr wichtig: Welche Auswirkungen haben solche Debatten auf die Betroffenen selber? Muss denn Herkunft Schicksal sein?

Mohamed Amjahid fordert die Dekonstruktion des negativ besetzten Ausländerbegriffs und plädiert für eine individuelle Chance für alle Menschen - unabhängig von sekundären Kategorien wie Hautfarbe, Muttersprache oder Kulturkreis.

Am weitesten geht Lalon Sander in seiner Argumentation. Er fordert die Aufhebung des „rassistischen Migrationshintergrunds“.

Agnes Krol deckt anhand mehrerer aktueller Beispiele „Tautologien für die Mehrheitsgesellschaft“ auf und arbeitet heraus, dass die Bezeichnung „Menschen mit Migrationshintergrund“ sich nicht auf alle „Menschen mit Migrationshintergrund“ bezieht. 

Yulia Lokshina diskutiert in einem Interview mit dem Soziologieprofessor Maurizio Bach über Integrationshemmnisse und -barrieren.

Bildung als Hürdenlauf

Der Autor setzt seinen Schwerpunkt auf Vielfalt im Lehrerzimmer und beschreibt die Lehrerin Sofia Ztaliou. Sie bringt ihre Erfahrungen als Migrantin in den Unterricht im Sinne der SchülerInnen und ihrer Eltern ein. 

Payam Ghalehdar zeigt, dass die stetig wachsende Anzahl von ausländischen Studierenden nicht automatisch zu ihrer sozialen Integration führt. Auf der gleichen Lernbank zu sitzen, bedeutet nicht gleich zusammen feiern zu gehen.


Katharina Ditte spricht in einem Interview mit Engin Sakal, einem erfolgreichen Unternehmer, über seinen Bildungsweg und die Chancen von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland. Seine Botschaft lautet: „Man muss sich durchbeißen!“


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Bildung ist der Schlüssel zum Aufstieg, lautet das Kredo dieser Rubrik. Eine Feststellung, die überall auf große Zustimmung trifft, allerdings nicht konsequent in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen durchgesetzt wird. Bildung kann tatsächlich der Schlüssel zur Inklusion einer großen Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund sein; sie kann allerdings auch als Waffe der weißen, männlichen Ober- und Mittelschicht zur Bewahrung der hegemonialen Stellung dienen. Das typische Gymnasium und die ideale Universität, wie sie heute in vielen Köpfen gedacht werden, bilden die Elite aus und müssen gegenüber Vielfalt verteidigt werden. Wie trotz dieser großen Hürden das Bildungswesen in Deutschland bunter wurde und werden wird?

Stufen vor dem U-Bahnhof Berlin Neukölln

Berlin-Neukölln ist in und außerhalb der Hauptstadt bestens als Problembezirk bekannt. Regine Schwab erzählt die Bildungsgeschichten von zwei jungen Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Fazit: Es kann so oder so ausgehen, viel Zufall und Glück sind im Spiel.

 

leere Kinderstühle in einem Kindergartenraum

Die  Erzählung von Shida Bazyar handelt von den enttäuschten Rückkehrträumen einer jungen iranischen Frau und von ihren Anstrengungen, ihr neues Leben in Deutschland zwischen Familie, Studium und später Beruf zu bewältigen.

Radhika Natarajan zeigt am Beispiel des Werdegangs einer jungen Frau aus Sri-Lanka, die Bedeutung einer Pädagogik, die den Bedürfnissen und Fähigkeiten von MigrantInnen gerecht wird.

Bild von einer chinesischen Familie

Den hohen Stellenwert von Bildung bei chinesischen Familien in Deutschland zeigt Weixin Zha in ihrem hörbaren „chinesischen Generationenporträt“.

Hürden über Hürden

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In dieser Rubrik wollen die AutorInnen Einzelschicksale und Lebensläufe aufzeigen, die die schwierige Ausgangslage für viele dazu gezogene und einheimische Menschen mit Zuwanderungsgeschichte illustrieren. Menschen, die überall auf Hürden stoßen: im Alltag, zwischen Bürokratiemühlen, in den Strukturen. Oft resignieren die Betroffenen vor dieser Wettbewerbsverzerrung gegenüber den „InländerInnen“, manchmal rebellieren sie gegen diese Ungerechtigkeit, nicht selten zu ihrem eigenen Nachteil. Aber genauso oft gehen sie mit solchen Situationen konstruktiv um. Sie geben nicht nach, kämpfen bis zum Ziel und schlagen im wahrsten Sinne ihr Kapital daraus:

Yue Zhang zeichnet in ihrem Mehrfachinterview die Fußstapfen junger, erfolgreicher MigrantInnen nach und kommt zu einer eindeutigen Schlussfolgerung: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Ludmilla Khodai erzählt die Geschichte, oder besser gesagt: Odyssee, eines "Hürdenläufers", des iranischen Flüchtlings Fahrad, der als Minderjähriger in Deutschland landete und sich hier durch- und hochkämpfen musste.

Die immensen Hürden, die Flüchtlinge in diesem Land überwinden müssen, wenn sie den Weg bis zu einem Studium finden wollen, thematisiert Filiz Keküllüoglu in ihrem Portrait einer jungen bosnischen Flüchtlingsfrau.


Dana de la Fontaine diskutiert mit Turgut Altug über Vorurteile, die MigrantInnen als UmweltverschmutzerInnen brandmarken und wie Umwelt Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen verbinden kann.

Marsida Lluca spricht in ihrem Audiobeitrag mit Fabio, der als Jugendlicher aus Kolumbien nach Deutschland gekommen ist, über seine gescheiterten Anläufe, das Abitur zu erreichen und seine ungewisse Zukunftsperpektiven.

Florian Tenk stellt in einem Portrait des tansanischen Ingenieurs Matthew Matimbwi ein gutes Beispiel vor, das zeigt wie „Wissensexporte“ effektiver als rein materielle Entwicklungshilfe wirken können.

Raffaele Nostitz erzählt von seiner eigenen Geschichte: Zwischen zwei Welten, zwischen zwei Identitäten, zwischen zwei Gesellschaften. Beide Seiten akzeptieren ihn nicht als vollwertiges Mitglied, dennoch findet er seinen Platz.