Dossier Starke Jugend - Lebenswelten junger MigrantInnen

Starke Jugend - Lebenswelten junger MigrantInnen

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Das Dossier erkundet Eigenbilder und Lebensrealitäten junger MigrantInnen, wie sie in Rap-Texten, Gedichten und HipHop-Projekten zum Ausdruck kommen.

Zuschreibungen & Eigenbilder

Die Jugendlichen aus Einwandererfamilien wollen sich nicht integrieren bzw. sie sind unfähig zur Integration, das ist die eine Seite der öffentlichen Wahrnehmung. Junge MigrantInnen sehen sich als nicht integriert, weil wir, die deutsche Mehrheitsgesellschaft, ihnen faire Zugangschancen verweigern, das ist die andere Seite. Und die Wahrheit? Die liegt wie immer irgendwo dazwischen? [Audio]

Viola B. Georgi hat junge MigrantInnen über ihr Geschichtsverständnis befragt; die Interviews bringen einige Vorurteile ins Wanken: jugendliche MigrantInnen interessieren sich doch auch für deutsche Geschichte.

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Barbara Schramkowski hat Menschen mit Migrationsgeschichte, die schon lange in Deutschland leben, befragt und kommt dabei jenem subtilen Alltagsrassismus auf die Spur, der jegliches Zugehörigkeitsgefühl zerstört.

PopKultur, Leistung, Anerkennung

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Todd Fletcher hat das Musical-Projekt „Streets of Wedding” mit migrantischen SchülerInnen initiiert. Im Interview schildert er seine Beobachtungen und wie das Projekt die Jugendlichen, aber auch ihn verändert hat. 

the rich get richer, 'cause they want turn rich
the poor get poorer, 'cause their mind can't switch from the ghetto …

... rappt die New Yorker HipHop-Legende KRS ONE und macht darauf aufmerksam, dass das Ghetto kein unveränderbares Faktum ist, sondern vielmehr eine Geisteshaltung. Wie aber entsteht diese Geisteshaltung und wer hat sie zu verantworten? Welche Identifikationsangebote bekommen jugendliche MigrantInnen präsentiert in Medien und (pop-)Kultur? Da ist der böse Gangsta Rapper, der islamistische Schläfer, Schulversager, Drogendealer usw. Aber wie lassen sich diese Klischees durchbrechen?
"cause their mind can't switch", das gilt nicht allein für die Jugendlichen in den sozialen Randlagen, es gilt in gleichem Maße für die wortgewaltigen Vertreter der Mehrheitsgesellschaft. Gerade die sind es, die nur Probleme sehen (wollen), wo auch Fähigkeiten und Chancen sind. KRS ONEs Lösungsvorschlag heißt denn auch:"visualize wealth and put yourself in the picture". In anderen Worten: Lasst euch die Opferrolle nicht gefallen, richtet euch darin nicht ein, gestaltet euer Leben!

Hannes Loh geht als Lehrer und ehemaliger Rapper von Anarchist Academy der Frage nach, warum sich so viele Jugendliche freiwillig in HipHop-Battles messen, aber in der Schule jeden Leistungswillen vermissen lassen.

Projekte & mehr

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Sie arbeiten oft im Verborgenen. Das ist einerseits zu bedauern, weil von diesen Projekten viele positive Impulse ausgehen könnten. Andererseits ist die Freiheit abseits des ganz großen Medieninteresses ungleich größer. Projekte wie die StreetUniverCity Berlin, das Switch-Projekt Hamburg, 'Literatur machen' in Stuttgart und die Südstadtkids aus Nürnberg, schaffen kulturelle Freiräume und ermöglichen es vielen Jugendlichen, sich in einem geschützten Raum selbst auszuprobieren und neue Welten zu entdecken.

Jugendliche aus Problemvierteln wissen sehr genau, was von ihnen erwartet wird, und dass Jugendliche mit viel Geschick genau das reproduzieren, was wir von ihnen hören wollen. Wie aber kommt man an echte, authentische Äußerungen? Sicherlich nicht, indem wir heute mit einem Mikrophon rausgehen und wahllos Jugendliche befragen zu ihren Hoffnungen und Zielen, Sorgen und Nöten. Da fehlt einfach das nötige Vertrauensverhältnis für ehrliche Antworten. Also haben wir uns an Jugendliche gewandt, die sich in einem dieser vorbildlichen Projekte engagieren, die gelernt haben, die eigenen wie fremden Zuschreibungen zu durchschauen und zu überwinden.

Wie beschreiben Jugendliche mit Migrationshintergrund ihre Lebenssituation? Wie fühlen sie sich? Antworten auf diese Fragen liefern die SchülerInnen von zwei Bonner Projekten.

"An der Uni studieren, von der Straße lernen". Das ist das Motto der StreetUniverCity. Jonathan Aikins wirkt dort mit und beschreibt seine Erfahrungen.

Das Stuttgarter Projekt 'Literatur Machen' sucht nach neuen Formen und Konzepten, Literatur und Sprache im Schulunterricht zu vermitteln.