Dossier Empowerment

Dossier Empowerment

Empowerment
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Das Dossier stellt Essays, Interviews und Filme vor, die das Empowerment von Menschen fokussieren, die aufgrund von rassistischen Strukturen marginalisiert werden. Es betrachtet verschiedene individuelle und strukturelle Ansätze des Empowerments. 

Intro

Gün Tank, die Integrationsbeauftragte des Bezirks Berlin-Tempelhof/Schöneberg, stellt in ihrem etwas anderen Vorwort ihren persönlichen Zugang zum Thema her und plädiert für die Verbindung von Solidarität und Empowerment.

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Ein Gespräch über Empowerment mit Sofia Hamaz und Mutlu Ergün-Hamaz. 

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Dossier Empowerment

Das Dossier stellt Essays, Interviews und Filme vor, die das Empowerment von Menschen fokussieren, die aufgrund von rassistischen Strukturen marginalisiert werden. Es betrachtet verschiedene individuelle und strukturelle Ansätze des Empowerments.

Die Grundlagen

We are not responsible for our oppressson, but we are responsible for our liberation - Audre Lorde

Natascha Nassir-Shahnian bettet Empowerment in ein diskursives Rahmenwerk von Theorien zu Anti-Rassismus, postkolonialen Studien und Cultural Studies ein. Hierbei beschreibt sie Empowerment als eine Geisteshaltung, die zwar kein Allheilmittel gegen alltägliche und strukturelle Unterdrückung ist, aber eine Form des subversiven Handelns, um das eigene und kollektive Wohlbefinden von Menschen of Color in den Vordergrund zu stellen.

PARIS .- antiracist Demonstration on the Bastille Day -- concerning racial discriminations -- by les "Indigènes de la République".

Halil Can und Andrea Meza Torres beschreiben die Geschichte des Empowerment-Ansatzes in Deutschland und heben dabei die Synergien zu dekolonialen Bewegungen weltweit hervor.

Nuran Yiğit

Nuran Yiğit stellt Beispiele aus der Antidiskriminierungsberatung und –praxis vor und erläutert daran den multidimensionalen Beratungsansatz des Antidiskriminierungsnetzwerkes (ADNB) des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg (TBB) mit Blick auf Grenzen und Chancen des Empowermentansatzes in der Beratungsarbeit.

Blue Scholars: Geo & Sabzi at Value Village - Seattle, WA

Toan Quoc Nguyen stellt, anhand von strukturell- und alltagsrassistischen Beispielen, das Konzept des »Community Cultural Wealth« vor, welches das stärkende soziale und kulturelle Kapital von Familien und Communities of Color als wichtiges Widerstandspotential im Empowermentprozess auffasst.

Die Grundlagen

Im Gegensatz zum normativen Antirassismusansatz wird die Empowerment-Bewegung hauptsächlich von Schwarzen Menschen, People of Color, und Nicht-Weißen angeführt. Ein ganz wesentliches Element in der Empowerment-Arbeit ist, sich von Fremdbestimmungen zu befreien. Jedoch sind wir durch unsere soziale Prägung nicht frei von Zwängen, die unsere (Selbst-)Wahrnehmung und unser Handeln bestimmen können. Unsere soziale Prägung ist maßgeblich von unserer gesellschaftlichen Position bestimmt; soziale Konstruktionen wie »Rasse«, Klasse, (Cis-)Gender, Religion, Alter, Ability sind ausschlaggebend für die Formung unserer Wahrnehmung und unseres Handelns.

People of Color (PoC) ist ein Begriff, der aus dem US-amerikanischen Diskurs nach Europa geschwappt ist. Mit diesem Begriff sollen all diejenigen angesprochen werden, die strukturell durch Rassismus benachteiligt sind. PoC ist als emanzipative Selbstbezeichnung auch in Deutschland in vielen anti-rassistischen/aktivistischen Diskursen angekommen, wenn auch nicht ohne Kritik. In dem Begriff vereinigen sich die Elemente der Selbstdefinition (als agierendes Subjekt), aber auch der Bündnisarbeit – eine der wichtigsten Widerstandsstrategien gegen das koloniale Teile-und-Herrsche-Prinzip. Es wird deutlich, wie schwierig der Empowerment-Ansatz von dekolonialen Theorien zu trennen ist, geht es doch in beiden Ansätzen darum, die internalisierten Unterdrückungsstrukturen zu überwinden und neue Möglichkeiten des Handelns zu entdecken.

Internationale Perspektiven

Sign Language is an Human Right, NOT just an option

Sabina Iqbal shares in her contribution her experiences as a Deaf Asian Muslima in the UK. With a perspective on the intersection of gender, »Race«, religion and ability based discrimination she describes her life’s path, those individuals and institutions that supported her in achieving her goals, and touches upon the strategies necessary for the empowerment of Disabled People of Color.

7 julio 2007- El Torno/ VI marcha indìgena/ la escuela prepara el material para pintar las poleras
von

Maria Virginia Gonzalez Romeros Beitrag setzt sich kritisch mit dem Empowerment-Begriff und seiner Vereinnahmung durch neoliberale Diskurse auseinander. Die Autorin versteht Empowerment als Autonomie, kehrt zu den Wurzeln von Bildung und Dekolonisierung im Avia Yalaischen (Amerikanischen) Kontext zurück und bringt Ansätze aus dem kommunitären Feminismus in das Empowerment-Verständnis ein.

Amal Mohammed Awad and Amal Mohammed Saleh Qatar's Basketball athletes

Zamila Bunglawala explores the differences and commonalities of empowerment for young Muslimas in the world of work in Qatar and England. The author discusses how Muslimas, as a majority in Qatar, and a minority in England, realise their career plans.

Internationale Perspektiven

Das Konzept des Empowerments von Menschen, die wegen ihre Hautfarbe, Nationalität oder Herkunft rassistisch behandelt werden, hat seine Ursprünge in der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA. Die grundliegende (Selbst-)Ermächtigung von marginalisierten Menschen findet inzwischen in verschiedenen Bewegungen weltweit Ausdruck in unterschiedlichen Kontexten, Ansätzen und Methoden.

Die diversen politischen Kontexte, Wirtschaftssysteme und Rechtsstrukturen in Ländern und Regionen weltweit setzen die Rahmenbedingungen für  Selbstermächtigungsmethoden, Ansichten und Erfahrungen. Hier können Empowermentstrategien in verschiedene soziale Bereiche einfließen, sei es im Arbeitsleben, in der Familie oder in Schulen. Diese heterogenen und manchmal divergierenden Geschichten geben einen wertvollen Einblick für den Einsatz und die Entwicklung von Ermächtigungsstrukturen von und für Schwarze Menschen, Migrant_innen und People of Color weltweit und illustrieren, wie divers die Kontexte sind, in denen Empowermentstrategien Anwendung finden können.

Strategien und Ansätze in Deutschland

Auch in Deutschland hat der Empowerment-Ansatz immer mehr Eingang gefunden, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen. Dabei wird deutlich, in welchen Facetten Empowerment sich manifestieren kann: Es kann über staatlich finanzierte Kanäle wie zum Beispiel eine Anti-Diskriminierungsberatungsstelle laufen, über das Wahrnehmen und Anerkennen des eigenen Empowermentpotentials, über ganz unterschiedliche Formen von Empowermenttrainings, durch neue Medien wie das Internet, aber auch über künstlerischen Ausdruck.

Der Empowerment-Ansatz, welcher stark von Schwarzen Feminist_innen geprägt ist, zielt darauf ab, die eigenen Grenzen neu zu bestimmen. In geschützten Räumen geht es darum,eine Sprache für unsere Erlebnisse zu finden, die Auswirkungen von alltäglichen Rassismuserfahrungen auf Körper und Geist zu verstehen, Erfahrungen der Mehrfachdiskriminierungen mit Heilung und dem Gedanken des Wohlbefindens entgegenzuwirken. Durch diesen Perspektivwechsel wird auch ein Wechsel von Paradigmen möglich.

Was alle Ansätze in ihrer Unterschiedlichkeit gemeinsam haben, ist die Abkehr von defizitorientierten Theorien und Praxen. Deutlich werden hier die vielen Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des Empowerment-Ansatzes. Dennoch geben sie einen Ausblick auf das, was da ist, was kommen kann und was noch gebraucht wird.

Logo Phoenix e.V.

Amma Yeboah stellt die Arbeit von Phoenix e.V. vor, der Empowerment-Trainings für PoC und Anti-Rassismus-Trainings für Weiße anbietet, basierend auf dem Argument, dass die individuelle Re-Sozialisation von Weißen und PoC auch ein elementarer Bestandteil strukturellen Wandels ist.

Performance Ismael Ivo

Pasquale Virginie Rotter, Diversity- und Empowerment-Trainerin, beschreibt in einem sehr poetischen Brief Rassismus als eine ganzkörperliche Erfahrung und spricht über »Empowerment in Motion«, eine Trainingsform, die sie entwickelte und die es ermöglicht, Rassismuserfahrungen durch Bewegungen zu verarbeiten.

Raju Rage and Mîran N.

Miran N. und Raju Rage dokumentieren einen Prozess des Empowerments, namentlich ein Gespräch über Selbstbestimmung zwischen zwei Trans-Maskulin Femmes of Color, die sich auch mit ihrem jüngeren Selbst unterhalten. Dabei wird Empowerment als eine Form der Healing Justice [Heilenden Gerechtigkeit] verstanden.

Refugee Strike Camp

Andrea Meza Torres und Halil Can erläutern anhand von vier Beispielen - des »Flüchtlingsprotestmarschs« von Würzburg nach Berlin, der in Frankreich basierten Bewegung und politischen Partei »Les Indigènes de la République«, des Netzwerks »Decoloniality Europe« und der deutsche Gruppe »Kanak Attak« - wie der Empowerment-Ansatz aus einer People of Color-Perspektive entstanden ist.

Logo "Move on Up"

Jihan Jasmin S. Dean und Hanna Hoa Anh Mai sind Administrator_innen des »Move On Up«-Verteilers, einer PoC-Empowerment-Mailingliste. Sie berichten über die Hintergründe der Liste, lassen einige Stimmen aus dem Verteiler über den »Move On Up«-Gedanken sprechen und beschreiben auch die Herausforderungen einer virtuellen Community of Color.

Logo "Move on Up"

Jihan Jasmin S. Dean and Hanna Hoa Anh Mai administrate the »Move On Up«-email-list, a PoC-Empowerment mailing list. They write about the list’s background, share voices from the list with thoughts on the »Move On Up«-idea and describe some of the challenges a virtual community of color faces.

Video

Empowering the Block ist eine Sammlung von Kurzfilmen im Reportageformat, die für die Kiezmonatsschau des Ballhaus Naunynstrasse zum Thema »Empowerment« entstanden sind. Eine Gruppe von acht jungen People of Color erkundet, was Empowerment für sie bedeutet. Drei ausgewählte Auszüge sollen darstellen, was diese Menschen stark macht.