Dossier Medien und Diversity

Dossier Medien und Diversity

Über das Dossier Medien und Diversity

Die Medien haben die gesellschaftliche Vielfalt in Deutschland zwar entdeckt, längst aber noch nicht realisiert. Ein Dossier über Wege zur Überwindung von Diskriminierung und zu mehr Vielfalt in Programm und Personal.

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Medien und Diversity

Die Medien haben die gesellschaftliche Vielfalt in Deutschland zwar entdeckt, längst aber noch nicht realisiert. Ein Dossier über Wege zur Überwindung von Diskriminierung und zu mehr Vielfalt in Programm und Personal.

Materialien und Links

Medieninhalte & Diskriminierung

Dreht sich mit dem integrationspolitischen Kurswechsel auch der Wind in der medialen Berichterstattung über Migration, Integration, multikulturelle Gesellschaft...? Teils ja, teils nein.

Auch im Zeitalter der Globalisierung und der Transnationalisierung des Kulturellen konstruieren die Mehrheitsmedien immer noch die Fiktion der homogenen Nationalkultur. In diese sind die „guten Migranten“ mittlerweile vielfältig eingebunden, die „schlechten Migranten“ werden nach wie vor entlang ihrer vermeintlichen oder realen Defizite und Differenzen markiert. Inhalts- und diskursanalytische Studien zeigen, dass die Mainstream-Berichterstattung über Migration und Einwanderungspolitik in der Regel den dominierenden Diskursen aus Politik und Ökonomie folgt mehr, als diese kritisch zu hinterfragen. MigrantInnen, die „uns“ ökonomisch nicht nützen, werden nach wie vor in ein negatives Licht gestellt und z.B. mit dem Stigma der Illegalität versehen. Der Rassismus der Mehrheitsgesellschaft oder die menschenrechtlichen Defizite deutscher oder europäischer Politik stehen demgegenüber so gut wie nie in den Schlagzeilen.

Über Integration und hier lebende angepasste MigrantInnen wird neuerdings aber auch sehr positiv berichtet. In Unterhaltungsformaten treten MigrantInnen oder Nicht-Weiße zwar immer noch häufig in stereotypen Rollen auf, mehr und mehr sind sie aber auch als normale Menschen zu sehen und zu hören. Unausgewogene und diskriminierende Berichte über Flüchtlinge und Asylsuchende sind weniger geworden. Problematisch wird es immer dann, wenn es um Kriminalität und Terrorismus geht. Vor allem seit dem 11.9.2001 dominiert „der Islam“ als allgemeines Bedrohungsszenario das politisch und medial konstruierte Verhältnis zwischen „Uns“ und den „Anderen“. Der pauschale Terrorismusverdacht gegenüber Muslimen sowie die Überbetonung von rückständigen Geschlechterverhältnissen in „der muslimischen Kultur“ bestimmen die Konstruktion von Wirklichkeit in den Informationsmedien.
 

MigrantInnen als Thema der Medienberichterstattung

Georg Ruhrmann zeigt auf, dass die Berichterstattung über Migration und verbundene Themen seit dem 11.September 2001 im Focus der Terrorismusbedrohung steht. Wurden MigrantInnen in der medialen Darstellung in den 80er und 90er Jahren in negativer Weise unter dem Aspekt der „Ausländerkrimininalität“ überrepräsentiert, so sind sie es seit 2001 unter der Perspektive des islamistischen Terrorismus bzw. des „Kampfs der Kulturen“.

Diversity in Programm & Personal

Die großen Anstalten unternehmen Anstrengungen, das Mediennutzungsverhalten von MigrantInnen zu erforschen, um ihr Programm besser auf deren Interessen und Bedürfnisse auszurichten. Diversity-Mainstreaming beschränkt sich vor allem auf die Mediennutzungspräferenzen dieser neu entdeckten Zielgruppe und damit letztlich die ökonomische Konkurrenz zwischen öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Medien um ihre Gunst.

Wo sind glaubwürdige Initiativen und Ansätze zu finden, die zum Ziel führen, die gesellschaftliche Vielfalt auf allen Ebenen - vor wie hinter der Kamera, an den Redaktionstischen, im Führungspersonal und dem Management von Medienunternehmen - abzubilden? Und was muss noch getan werden, damit diskriminierende Inhalte im Nachrichtengeschäft und stereotype Rollenbilder im Unterhaltungsgenre überwunden werden?
 

Interkulturelle mediale Integration: Mittelweg zwischen Assimilation und Segregation

Rainer Geißler führt in das im wissenschaftlichen Kontext erarbeitete Konzept der „interkulturellen medialen Integration“ ein. Er zeigt auf, unter welchen normativen Gesichtspunkten eine Integration von MigrantInnen in die mediale Öffentlichkeit erfolgen und in welchen Bereichen ein „Diversity Mainstreaming“ angesiedelt werden sollte.

Medien zwischen Diskriminierung und Diversity

Andreas Linder diskutiert auf der Basis kultur- und globalisierungstheoretischer Gesichtspunkte, warum von Diversity und nicht von Integration gesprochen werden sollte und welche politischen und ökonomischen Prozesse einem Diversity Mainstreaming zuwider laufen. Zudem stellt er den Status Quo des Diversity Mainstreamings im Bereich der Medien in verschiedenen Staaten vor.

Der Westdeutsche Rundfunk – Integration als business case

Der WDR gilt als führend, was einen neuen Umgang mit der Migrationsgesellschaft und betriebsinterne Initiativen in diese Richtung angeht. Der Integrationsbeauftragte Gualtiero Zambonini stellt die programmatischen Ansätze des Senders in Programm und Personalpolitik vor.

Offen statt bunt! Einwanderer als Journalisten in deutschen Massenmedien

Miltiadis Oulios zeigt, dass die Vorschläge des Nationalen Integrationsplans bezüglich der Integration der MigrantInnen in den Medien erst bei wenigen Medienunternehmen Eingang gefunden hat. Diversity Mainstreaming beim Personal ist bei vielen noch ein Fremdwort und manche haben nicht vor, von ihrer bisherigen (Nicht-)Praxis abzuweichen.

Vom „Gastarbeiterfunk“ in die Mitte des Programms

Karl-Heinz Meier-Braun ergänzt diese Darstellung der Initiativen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit der Praxis des SWR und mit einem geschichtlichen Überblick – vom Gastarbeiterfunk in den 60er Jahren bis zum interkulturellen Mainstream-Programm - und stellt aktuelle Projekte des Senders vor, z.B. das „Islamische Wort“.

Mediennutzung & Medienproduktion

Auch die Studie der ARD/ZDF-Medienkommission „Migranten und Medien 2007“ zeigt, dass die Transnationalisierung von Medienkulturen und Medienkonsum kein Problemfall, sondern der Normalfall ist und nicht nur bei Menschen mit Migrationshintergrund zu beobachten ist.
Die Konkurrenz, die die national ausgerichteten öffentlich-rechtlichen Mainstreammedien aufgrund von Kommerzialisierung und Globalisierung durch kommerzielle Anbieter und durch sog. Ethnomedien (also v.a. kommerzielle Satellitensender aus Herkunftsländern von MigrantInnen sowie fremdsprachige Tageszeitungen) erfahren, zwingt die Grundversorgungs-Sender und die Presse in Deutschland dazu, die MigrantInnen in ihrem Angebot besser als bisher zu berücksichtigen.
Die Studie zeigt v.a. auf, dass die Rede von der Entstehung medialer „Parallelgesellschaften“ oder „Ghettos“ empirisch nicht haltbar ist. Am Unbequemsten für die Öffentlich-Rechtlichen dürfte sein, dass die Mehrheit der MigrantInnen in Deutschland primär privatkommerzielle Unterhaltungsformate konsumiert und erst mit deutlich geringerer Häufigkeit ARD und ZDF sowie die „home-country“-Medien.
 

Partizipation und Sichtbarkeit von MigrantInnen und Minderheiten in Kunst, Kultur und Medien

Während sich die großen Medienunternehmen vor allem Menschen mit Migrationshintergrund als KonsumentInnen interessieren, rücken WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen „people of colour“ und MigrantInnen als aktive MacherInnen in Kultur und Medien in den Vordergrund. Kien Nghi Ha zeigt am Beispiel des sog. „deutsch-türkischen“ Films, welche Entwicklungen zu beobachten sind.

By Kien Nghi Ha