„Deutsch-Vietnamesisches Gedächtnis“ Rezensentin Dr. Karin Yesilada über das Buch „Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond“

Kien Nghi Ha (Hrsg.): Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond. Cover: Ngan Thi Dang. All rights reserved.

von Karin Yesilada

 

Dieses Buch wurde zu Recht von der FAZ als Sachbuch empfohlen. Die vielseitige Dokumentation des vietnamesisch-deutschen kulturellen Lebens im Einwanderungsland Deutschland ist ein wertvoller Beitrag zum kulturellen Gedächtnis der in Deutschland lebenden asiatischen communities.


Kien Nghi Ha (Hrsg.): Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond. Berlin / Hamburg (Assoziation A) 2012. 344 S. 18,00 €. ISBN 978-3-86241-409-3.

 

Deutsch-Vietnamesisches Gedächtnis
Sie „konnte nicht aufhören zu gucken“, schreibt Hanna Hoa Anh Mai über den Moment, als Philipp Rösler im Fernsehen auftauchte (S. 194). Seit der Ernennung des FDP-Politikers zum Bundesminister im Jahr 2009 ist das vietnamesische Deutschland deutlich sichtbar. Das war nicht immer so. Ihre Herkunftskultur habe sie am liebsten verleugnen wollen, sagt die ehemalige deutsch-vietnamesische Vertragsarbeiterin Mai-Phuong Kollath im Rückblick auf die Zeit nach der Wiedervereinigung, „ich wollte unsichtbar sein“ (S. 138) Spätestens seit Philipp Rösler jedoch sind sie kein akutes „Problem“ mehr im Land. Mit dem Deutsch-Vietnamesen im Kabinett der schwarz-gelben Bundesregierung haben Asiatische Deutsche eine neue mediale Präsenz.

Noch vor einigen Jahren war das ganz anders. Da wurden Deutsch-Asiat_innen systematisch verfolgt, „Fidschis jagen“ hieß das im Jargon der Rechtsradikalen, die auch vor Mord nicht zurückschreckten. Bereits 1980 starben zwei Deutsch-Vietnamesen bei einem Brandanschlag in Hamburg, 1992 wurde ein Wohnheim vietnamesischer Vertragsarbeiter_innen in Rostock-Lichtenhagen tagelang belagert und in Flammen gesetzt. In den 1990er Jahren fanden regelrechte Hetzjagden in Deutschland statt. Das sichtbare ethnisierte Anderssein haben zahlreiche Menschen hierzulande mit dem Leben bezahlt. Der Herausgeber des vorliegenden Sammelbands nennt ihre Namen gleich zu Beginn. Auf der Rückseite des ersten Blattes im Buch listet er unter der Überschrift „Rassismus tötet (1980-2011)“ 70 Todesopfer deutscher rassistischer Gewalttäter auf, darunter die Toten der Mordanschläge von Hamburg, Mölln und Solingen, die Mordopfer der NSU-Mordserie rechtsradikaler Terrorist_innen, sowie Opfer zahlreicher singulärer Morde. Die mahnende Widmung ist zugleich eine Würdigung derer, die im Medienbetrieb allzuleicht übergangen werden, und die damit aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden. Das Buch verschafft ihnen einen Platz im kollektiven Gedächtnis. Eine wichtige Geste.
 

Gegen den Rassismus im Land – mal wieder?
„Asiatische Deutsche“ ist keine im Anschluss an irgendeine sensationelle Gewalttat entstandene Schnellschuss-Publikation, keine „Antwort“ auf irgendeine aktuelle Debatte, und es ist beileibe auch nicht die erste Publikation des hinlänglich bekannten und mehrfach ausgezeichneten Berliner Publizisten und Wissenschaftlers Kien Nghi Ha. Umso bemerkenswerter ist daher seine hier im Band plazierte Positionierung zu den Verhältnissen in Deutschland, nach der 2010 neu aufgeflammten Integrationsdebatte und angesichts der kurz vor der Publikation des Bands erfolgten Aufdeckung der NSU-Mordserie.

„Rassismus sucks“ – dieses eingangs postulierte Motto spricht allen aus der Seele, die ebenfalls genug haben vom immer krasser grassierenden Rassismus in Deutschland. Es tut gut, solch deutliche Worte zwischen zwei Buchdeckeln zu lesen. Denn, noch immer gilt die öffentliche Benennung von Rassismus in Deutschland als Tabubruch. Es richtet sich aber auch gegen den Rassismus sogenannter Schreibtischtäter wie Thilo Sarrazin, dessen Hetzschrift “Deutschland schafft sich ab” 2010 zu einer Welle neuer Gewalt gegen Einwander_innen geführt hat. Die Diffamierungen türkisch-deutscher und arabisch-deutscher Einwander_innen fußte seinerzeit dabei auf der sorgfältig konstruierten Hierarchie zwischen vermeintlich guten und schlechten Einwander_innen. Demnach galten die Vietnames_innen als „Musterschüler der Integration“. Diese Spaltung lassen ihm die asiatischen Deutschen allerdings nicht durchgehen, und die kategorische Ablehnung solcher Vereinnahmungen durch publizistischen Rassismus zieht sich wie ein Leitmotiv durch den gesamten Band. Gut so.

Während einer im Rahmen des „Dong Xuan“- Kulturfestivals stattfindenden Vortrags- und Diskussionsreihe zur asiatisch-deutschen Diaspora im November 2010 setzten asiatische Deutsche solcherlei Verzerrungen damals ein deutliches Ende und positionierten sich selbstbewusst im öffentlichen Raum. Der nun publizierte Sammelband „Asiatische Deutsche“ ist eine eindrucksvolle Orchestrierung von Gegenstimmen. (1) Die insgesamt über zwei Dutzend Beiträge namhafter Wissenschaftler-, Publizist- und Aktivist_innen reichen von theoretischen Verortungs- und Definitionsansätzen (Ruth Mayer, Nghi Ha) über Beispiele der Selbstrepräsentation und des Beheimatungsprozesses deutscher und internationaler asiatischer Communities (Yumin Li, Huy Dao, Sun-ju Choi, Noa Ha, Nghi Ha) und ihrer teils institutionellen Verhinderung (Mita Banerjee, Hanna Eitel) bis hin zu Porträtierungen der vielfältigen kulturellen Szene. Gerade das macht den Band stark, ebenso wie einige schriftlich dokumentierte Podiumsgespräche, die sich durchweg sehr spannend lesen und es erlauben, auch nachträglich noch an der Diskussionsreihe teilzuhaben. Damit ist dem Team, das hinter dieser Reihe und Publikation steht, ein großer Wurf gelungen.

Der Band erschien 20 Jahre nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Ähnlich wie später die Mordanschläge von Mölln und Solingen brannte sich das Trauma tief ins Gedächtnis der Deutsch-Asiat_innen ein. Auch jenseits des Pogroms waren vietnamesische Vertragsarbeiter_innen in dieser Zeit Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen seitens Polizei und Behörden ausgesetzt – willkürlich Verhaftete wurden beispielsweise nackt an die Wand gestellt, geschlagen und gedemütigt – wie Hanna Eitel in ihrem Beitrag über institutionellen Rassismus berichtet. Zum diesem Zeitpunkt war Angela Merkel Bundesministerin für Frauen und Jugend im Kabinett Helmut Kohl. Hatte sie damals die schwersttraumatisierten Familien besucht? Hatte sie sich um die Ehefrauen und schulpflichtigen Kinder der von Abschiebung akut bedrohten Männer gekümmert? Als Bundeskanzler Kohl nach dem Mordanschlag in Solingen der Trauerfeier fernblieb, schickte er da seine Ministerin zu den Angehörigen der Familie? Solche Fragen kommen beim Lesen des Textes. Es entstehen auch bedrückende Parallelen zu den Vorkommnissen rund um die NSU-Mordserie: rassistische Stigmatisierung und Diskriminierung der Opfer, „Pannen“ und Versagen auf Seiten der Staatsmacht, verschleppte Aufarbeitung und das Fehlen einer breiten Empathie mit den Betroffenen. Die Ministerin von einst ist heute Bundeskanzlerin. Sie zählt zu jenen politischen Eliten, die zusammen mit staatlichen Institutionen den skandalösen Ereignissen gezielt entgegenwirken müsste. Ihr sei das Buch zur Lektüre empfohlen.
 

Next Generation
Wie aber schreiben sich solche Ereignisse ins kollektive Gedächtnis ein? In Vietnam etwa gibt es heute eine Community abgeschobener Asylbewerber_innen aus Deutschland, die unmittelbar, nachdem sie das Lichtenhagener Pogrom überlebt hatten, außer Landes geschafft wurden. Welches Deutschlandbild haben sie? Die in Rostock ansässigen Überlebenden wiederum versuchten, das Trauma zu verdrängen, wie Hanna Eitels Zeitzeug_innen-Interviews zeigen, man habe sich „geschämt“ und schuldig gefühlt an dieser „Schande für Deutschland“. Dennoch, das kollektive Gedächtnis bewahrt diese Erinnerungen über Generationen. Was bedeutet dies für die Kinder der Deutsch-Vietnames_innen? Wie gehen sie mit dieser traumatischen Geschichte um?

Kien Nghi Ha, als Kind sogenannter „Boat People“ in den 1970ern nach Deutschland eingewandert und hier aufgewachsen, widmet seine Bücher regelmäßig den eigenen Söhnen. Seine Arbeit ist somit auch ein Vermächtnis für die nächste Generation. Doch nicht nur Einwander_innen hier im Land sind von dieser Geschichte betroffen – und „betroffen“ ist hier durchaus im doppelten Wertsinne zu verstehen. Auch in das deutsche Mehrheitsgedächtnis brennen sich Bilder und Mythen ein.

Manche Sätze in den Zeitzeug_innen-Interviews des Pogroms von Lichtenhagen lassen einen schaudern. Eine deutsch-vietnamesische Gasthaus-Betreiberin ist allwöchentlich dem Hitlergruß ihre Kundschaft ausgesetzt. Überlebende Einwander_innen haben kein Vertrauen in die Staatsmacht und Ordnungshüter. Die Rede ist von vertanen Chancen, von der „Niederlage der Demokratie“. Schwarz auf Weiß wird hier eine Bankrotterklärung des demokratischen Aufbruchs im wieder¬vereinigten Deutschland dokumentiert. Zwischen den Zeilen entsteht aber auch Hoffnung. So ist die Verfasserin, Hannah Eitel, selbst keine Deutsch-Asiatin und aus einer Generation, die zunächst nichts mit „der Sache“ zu tun hat; zum Zeitpunkt des Lichtenhagener Pogroms war sie sieben Jahre alt. Und doch arbeitet sie diese dunkle Phase neuester deutscher Geschichte nun wissenschaftlich auf.

Vielleicht erreicht die asiatisch-deutsche Community, die durchaus politisch engagierte Initiativen aufzuweisen hat, eine ähnliche Anerkennung im öffentlichen Bewusstsein wie etwa die afrodeutsche Community. So berichtet Joshua Kwesi Aikins von der Umbenennung eines Berliner Straßenschildes in „May Ayim Ufer“. Aus der vormaligen Würdigung eines deutschen Kolonialisten wurde die Anerkennung afrodeutscher Präsenz.

Die asiatisch-deutsche Community ist, so zeigte das vietnamesisch-deutsche Kulturfestival, dabei ihre Positionierung neu auszuhandeln. Dabei wird deutlich, dass es „die asiatisch-deutsche Diaspora“ so gesehen gar nicht gibt, zumindest nicht als homogenes Gebilde. Zuviele unterschiedliche Stimmen und Positionen sind hier vertreten, eine neue Generation tritt auf den Plan. Die Vernetzungen verlaufen quer durch die vietnamesische Diaspora, aber auch „beyond“, wie es im Untertitel heißt. Im Einwanderungsland Deutschland vernetzen sich Einwander_innen aller Provenienzen miteinander, auch wenn das bisweilen die schmerzhafte Überwindung festgesetzter diasporischer Grenzen bedeutet. Wo etwa türkisch-deutsche Familien den Berliner Tiergarten zum Grillplatz machten, verwandelten thailändisch-deutsche Familien den Preußenpark zum „Thai-Park“, wie Noa Ha schreibt. Die Kinder solcher Familien aber setzen sich zu Black Music Beats ins Auto und fühlen sich auf dem Weg in die Disco „wie die coolen Ladys of Color in den Youtube-Clips“, schreibt Hanna Hoa Anh Mai in ihren überaus unterhaltsamen und zugleich tiefgründigen Überlegungen zur eigenen Verortung innerhalb der vietnamesisch-deutschen Diaspora.

Solche subjektiven Reflektionen sind die eigentlichen Highlights dieses vielseitigen Buchs. Man liest sich immer wieder fest in den einzelnen Porträts asiatischer Deutscher.
 

Polyphonie der asiatischen Deutschen
Einen wichtigen Bestandteil des Buches bilden die auf dem Kulturfestival geführten Podiumsgespräche, die abseits akademischer Publizistik den transkribierten O-Ton aktueller Debatten wiedergeben. So bringt etwa das Gespräch über vietnamesisch-deutsche Communities und zweite Generation (S. 170-189) eine der zentralen Fragen der ganzen Veranstaltung auf den Punkt: nämlich, inwieweit sich die unterschiedlichen Geschichten vietnamesischer Deutscher – der südvietnamesischen Boat People im Westen und der nordvietnamesischen Vertragsarbeiter im Osten der Republik und die Geschichten ihrer in Deutschland aufgewachsenen Kinder berühren – gibt es hier so etwas wie eine „innervietnamesische Auseinandersetzung“? Gibt es das Vietnamesisch-Vietnamesische im Deutsch-Deutschen? Das Besondere ist ja, dass sowohl Einwander_innen als auch Deutsche jeweils eine Geschichte des geteilten Landes haben bzw. hatten – müsste dies nicht deutsche Deutsche und vietnamesische Deutsche auf besondere Weise miteinander in Dialog bringen? Warum hat man solche spannenden Fragen bislang nie in einer Talkshow im Fernsehen verfolgen dürfen? Es gehört zum großen Verdienst dieses Bandes, dem nachzugehen und sehr differenzierte Antworten darauf zu präsentieren. Etwa die der Schriftstellerin und Exilantin Pham Thi Hoai, die von ihrem Sohn annimmt, dass es wohl für ihn „kein Thema“ sei. Wirklich nicht? Der Todesfall des Jonny K. lenkte 2012 einmal mehr das Augenmerk auf die akuten Bruchlinien im Einwanderungsland. (2) Deutschlands junge Einwander_innen müssen sich zwangsläufig mit der gemeinsamen Realität in ihrer Heimat auseinandersetzen. Das Schweigen ihrer Eltern über die jeweilige eigene Geschichte ist dabei sicherlich nicht hilfreich für das Verarbeiten und Aushandeln eigener Identitäten und Positionierungen.

Die Filmemacherin Angelika Nguyen erwähnt etwa, dass ihr Vater im Rahmen der Familienzusammenführung in die DDR kam, „da er mit meiner [deutschen] Mutter bereits verheiratet war und beide ein gemeinsames Kind hatten“ (S. 118) Das weckt meinen Wunsch, weiterzulesen, mehr über sie zu erfahren: Wer ist sie? Welche Geschichte hat sie? In den Informationen zu den Beitragenden wird ein ‚Text über ihre Kindheit’ erwähnt, den sie für die Anthologie „Kaltland“ beigesteuert hat (Rotbuch Verlag 2011). Die vietnamesischen Einwander_innen bringen neue Literatur ins Land, wie beispielsweise den Roman über den Vietnamkrieg von Dứớng Thu Hứớng, „Roman ohne Namen“. Sollte man nicht auch solche Texte im Rahmen der Vietnam-Literatur-Seminare des Amerikanistik-Studiums in Deutschland lesen?

Vietnamesisches Gedächtnis in Deutschland, das ist auch die Erinnerung der vorherigen Generation an den brutalen Krieg in Vietnam. Hatte die hiesige Eltern-/1968er-Generation mit „Ho-Chi-Minh!“-Parolen seinerzeit gegen diesen Krieg demonstriert, so tragen die vor dem Krieg geflohenen Vietnames_innen in Deutschland auf vielfältige Weise, direkt oder indirekt, die Erinnerungen daran mit sich. Viele aus der neuen Generation nennen, teils unter Vorbehalt, Ho Chi Minh als „Idol“, und unter den Dingen, die sie „an Vietnam erinnern“, ist häufig jenes weltberühmte Foto des in Richtung Kamera flüchtenden von Napalm verbrannten Mädchens. Alisa Anh Kotmair, aus den USA nach Berlin und dort erstmals über ihre Studien mit Vietnam in Berührung gekommen, vergleicht die Beziehung ihrer vietnamesisch-US-amerikanischen Eltern mit der politischen Lage beider Länder und spricht dabei von den „tiefe(n) Wunden“, die das bei der nachkommenden Generation hinterlässt (S. 94).

Manche Statements vietnamesischer Einwandererkinder erinnern an die Kämpfe der 1968er gegen die autoritären Strukturen der Elterngeneration. Dennoch können Deutsch-Vietnames_innen das ehrgeizige Pochen ihrer Eltern auf Bildung und Disziplin in den Kontext ihrer Rassismus-Erfahrungen einordnen: Bessere Bildung, um „intellektuell über jenen zu stehen, die diskriminieren“. Aus der rassistischen Not geborene Integrationsbeflissenheit also? Davon war in Sarrazins verqueren Ausführungen über die „asiatischen Musterschüler“ natürlich keine Rede. Man möchte dieses Podiumsgespräch, überhaupt alle Podiumsgespräche im Band, zur nachträglichen Lektüre auf die Nachttischchen deutscher Talkshow-ModeratorInnen und TV-SenderedakteurInnen legen. Mehr davon!
 

Asiatisch-deutsche Einwanderungskultur und Kunst im Band
Unmittelbar nach den Mordanschlägen auf türkische Wohnhäuser 1993 hatten sich Deutschtürk_innen mit einer ähnlichen Publikation zu Wort gemeldet, „Deutsche Türken, das Ende der Geduld“, auch dies seinerzeit ein Querschnitt durch die diasporische Intelligenz und Kulturlandschaft. Was Kien Nghi Has aktuellen Band über die vietnamesische und aisatische Einwanderungskultur in besonderem Maße auszeichnet, und damit auch das zugrundeliegende Kulturfestival, ist der hohe Anteil zeitgenössischer Kunst und Kultur, der sich hier vermittelt. Beginnend mit einer sinnlich-sinnigen „Akustischen Reise“ der international renommierten Filmemacherin, Schriftstellerin, Komponistin und feministisch-postkolonialen Theoretikerin Trinh T. Minh-ha zieht sich die ästhetische Präsenz der Diaspora wie ein seidener Faden durch den Sammelband. Bemerkenswert sind dabei die kurzen Porträts asiatischer Deutscher, die Alisa Anh Kotmair als Gedenkbilder zwischen die Beiträge einstreut. Die von ihr anhand eines kleinen Fragenkatalogs porträtierten Berliner Künstlerinnen, fast alle aus der zweiten Generation, teils mit deutschen Elternteilen, sind jede für sich entdeckenswert. Zusammen bilden die Porträts wunderbare Mosaiksteinchen eines vielfältigen Bilds. Mit dem jeweiligen kleinen Schaukasten „Fünf persönliche Sachen, die mich an Vietnam erinnern“ entsteht zugleich ein Archiv der vietnamesichen Einwanderungskultur.

Es gibt soviele Anregungen in diesem Buch. Es ist unbedingt empfehlenswert.

 

Karin E. Yesilada promovierte zur "Poesie der Dritten Sprache" und arbeitet zur Interkulturellen Literatur. Zur Zeit habilitiert sie sich und lehrt an der Universität Paderborn. Publikationen zur Gegenwartsliteratur und Film.

 


 Fußnoten
(1) Das DONG XUAN FESTIVAL – VIETNAMESEN IN BERLIN und die dazugehörige Vortrags- und Diskussionsreihe ASIAN GERMANS – Vietnamese Diaspora & Beyond fanden am 26. und 27. November 2010 im Berliner Theater Hebbel am Ufer (HAU) statt. Dokumentation auf der umfangreichen Projekt-Webseite des mitveranstaltenden Vereins Korientation
(2) Am 20. Oktober 2012 wurde der thailändisch-deutscheJugendliche Jonny K. (Jonny Deipabba) von mehreren türkisch-deutschen Jugendlichen bei einer Auseinandersetzung am Berliner Alexanderplatz tödlich verletzt.

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