Suleman Taufiq - Gedichte

auf dem marktplatz

neben der karlsstatue
setzte ich mich auf den boden.
nicht weit von mir
verweilten menschen
ohne bleibe.
eine frau kam näher,
ich verstand,
dass sie mitleid mit den fremden hatte.
schöne frau mit den schönen klaren augen,
setz dich zu mir,
du verstehst die fremden
und ich verstehe dich.
auf den marktplatz
neben der karlsstatue
kam eine sumerische frau,
nackt
trug sie in der hand
ein gewand.
die tochter von anu und enlil
blieb stehen
und schaute mich an,
warf mir das gewand zu
und sagte:
leb wohl,
schütze dich damit vor dieser welt.

das ist das zeitalter der rebellion

ich reiste in städte,
die keine zeit kennen,
die sich nicht sofort entschleiern,
die kein interesse am abschied zeigen.
der weg war kurz,
ich reiste allein,
die tage begleiten mich,
die sonnen folgen mir,
die regenschauer kommen mir zuvor.
ich sehe städte,
ich sehe,
wie die welt ihre sprache ermordet.
auf der terrasse der stadt
sammle ich auf
die reste des alphabets
und gehe sehr weit
dem horizont entgegen.

der andere

der fremde in der fremde
ist nackt,
er bedeckt sich
mit seiner alltäglichen verwunderung,
trägt vergessene tage mit sich.

der fremde in der fremde
sucht wenige wörter,
um die worte zu verdichten,
er sucht seinen namen,
der sich täglich verändert.

nicht die fremde,
auch nicht
die heimat
für den fremden
ist eine heimat.
heimat ist
erinnerung,
fremde ist
leben.

 

splitter (Auszug)

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das gedicht
ist ein gebet
als dank
für liebe und schönheit.

 

Gedichte aus:  Suleman Taufiq: Ich zähme die Hoffnung. Sujet Verlag, Bremen, 2017