Nationalmannschaft und Integration

Kinder beim Streetfootball MatchUrheber: streetfootballworld. Creative Commons LizenzvertragDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

„Aus dem Hintergrund müsste Boateng schießen!“ Oder: Warum spielt Lukas Podolski in der Nationalmannschaft und Nuri Sahin nicht?

von Andreas Merx

8. Oktober 2005, Fußballländerspiel Türkei gegen Deutschland in Istanbul. Im Kader der türkischen Mannschaft, des WM-Dritten von 2002, stehen mit Yildiray Bastürk, geboren in Herne, aufgewachsen in Wanne-Eickel und Bundesligaspieler bei Hertha BSC, den Zwillingen Halil (1. FC Kaiserslautern) und Hamit Altintop (Schalke 04), beide gebürtige Gelsenkirchener, dem Mannheimer Ümit Davala (Werder Bremen) und Nuri Sahin (Borussia Dortmund), gebürtiger Lüdenscheider, allein fünf Spieler, die aus Deutschland stammen.

Vor dem Spiel bringt einer der Altintop-Zwillinge die Situation mit der unfreiwillig skurillen Bemerkung auf den Punkt, es sei etwas besonderes für ihn gegen sein Heimatland zu spielen. Das entscheidende Tor zum 2:1-Sieg der Türkei schießt Nuri Sahin. Der 17-jährige Sahin gilt als jüngster Bundesligaspieler aller Zeiten. Wenige Wochen vor dem Länderspiel gegen sein Geburts- und Heimatland Deutschland gewann Sahin mit der türkischen U-17-Nationalmannschaft die Europameisterschaft und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Seitdem gilt er als größtes Talent im europäischen Fußball und wird bereits von den Scouts europäischer Topclubs wie Arsenal London und AC Mailand beobachtet. Dem Deutschen Fußballbund (DFB), der bis zum Schluss um Sahin geworben hatte, war wiederum ein großes Zukunftstalent für die eigene Nationalmannschaft verloren gegangen.

Neben den türkisch stämmigen Bundesligastars sind es vor allem Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien, die sich, obwohl sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, nicht dafür entscheiden, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Ivan Klasnic, Stürmerstar von Werder Bremen und gebürtiger Hamburger, oder die Berliner Brüder Kovac (Hertha BSC Berlin & Juventus Turin) spielen für das Land ihrer Eltern und Großeltern Kroatien.


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Was ist schief gelaufen, wenn sich hochbegabte Spitzenfußballer mit Migrationshintergrund, deren Familien oft seit mehr als 30 Jahren in Deutschland leben, die hier ihre Freunde und ihren Lebensmittelpunkt haben, oft besser deutsch als die Sprache ihrer Eltern sprechen, somit als gut „integriert“ gelten und sich relativ problemlos einbürgern lassen könnten, auch in der zweiten oder dritten Generation gegen die DFB-Elf entscheiden?

Der deutsche Fußball als Spiegel der Versäumnisse der Integrationspolitik

Das Versagen, Riesentalente wie Nuri Sahin für die Nationalmannschaft zu gewinnen, ist insbesondere eine Spätfolge der jahrzehntelang verweigerten Anerkennung der Realität, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und der daraus folgenden defizitären Integrationspolitik.

Obwohl die Gastarbeiteranwerbung bereits 1955 begonnen hatte und trotz des Anwerbestopps von 1973 durch den darauf folgenden verstärkten Familiennachzug bereits 1974 vier Millionen Einwanderer in Deutschland lebten, gab es in den Folgejahrzehnten keine systematische Integrationspolitik mit ganzheitlichem Konzept. Eine echte Anerkennung der Leistungen der Einwanderer und eine gleichberechtigte Teilhabe in relevanten gesellschaftlichen Feldern waren kaum vorhanden. Das aus der Kaiserzeit stammende Blutsprinzip im Staatsangehörigkeitsrecht und eine restriktive Einbürgerungspraxis verhinderten zudem, dass sich die Tatsache der Einwanderungsgesellschaft in der vollen rechtlichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund widerspiegeln konnte. So blieben Fußballer wie Klasnic oder Sahin, die in England Engländer oder in Frankreich Franzosen wären, in Deutschland eben „Ausländer“.

Die bis in die späten 90er Jahre andauernde defensive Erkenntnisverweigerung hatte zur Folge, dass sich keine Kultur der Anerkennung und Wertschätzung für die längst vorhandene ethnisch-kulturelle Vielfalt entwickeln konnte. Erst mit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts von 2000 durch die rot-grüne Bundesregierung, 45 Jahre nach Beginn der Gastarbeiteranwerbung, erhielten in Deutschland geborene Kinder von Eltern mit Migrationshintergrund das Recht auf einen deutschen Pass. Durch das Zuwanderungsgesetz von 2005 ist zumindest auf der formal-rechtlichen Ebene die Lebenslüge, keine Einwanderungsgesellschaft zu sein widerlegt.

Trotzt dieser rechtlichen Fortschritte der letzten Jahre zeigt die aktuelle, vor allem auf Abwehr ausgerichtete Integrationsdebatte, dass Deutschland noch meilenweit von einem ressourcenorientierten und positiv-produktiven Umgang mit seiner ethnisch-kulturellen Vielfalt entfernt ist. In Gesellschaft, Wirtschaft und auch im Fußball. Nicht zuletzt haben die jüngsten Aufstände in den Pariser Banlieues verdeutlicht, dass Staatsangehörigkeit und Sprache noch lange nicht Integration bedeuten und ein auch emotionales Zugehörigkeitsgefühl zur „Nation“ und Gesellschaft auch viel mit tatsächlich vorhandener Chancengleichheit und Respekt zu tun hat.

Die strukturelle Diskriminierung auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, beim Zugang zu öffentlichen Gütern und Dienstleistungen und im Alltagsleben hat bei vielen Einwanderern die Entwicklung eines Gefühls der Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft behindert. Und wenn die komplexen Fragen der Integration und Einbürgerung hauptsächlich über demütigende Gesinnungstests und repressive ausländerrechtliche Zwangsmaßnahmen wie Ausweisung oder Abschiebung diskutiert werden, ist das auch eine Botschaft an begabte junge Kicker mit Migrationshintergrund: Ihr gehört nicht zu uns.

Abseitsfallen und Abwanderung von Eliten

Die Defizite der Integrationspolitik und strukturelle Diskriminierungen spiegeln sich zum Teil auch im deutschen Vereinsfußball und der Geschichte der Nationalmannschaft wider. Im Jugendfußball ist der Anteil von Spielern mit Migrationshintergrund außerordentlich hoch und viele Jugendabteilungen der Vereine könnten etwa ohne die Kinder mit türkischen, (ex-)jugoslawischen oder italienischen Wurzeln gleich ganz schließen. Trotz dieses enormen Potentials an begeisterten Jugendlichen, die oft noch das haben, was man Straßenfußballtalent nennt, schaffen es nur wenige in die Spitzen der deutschen Vereinsligen oder gar in die Nationalmannschaft. Den Vereinen mangelt es oft noch an interkultureller Kompetenz. In der Bundesliga sind in Deutschland geborene Spieler mit Migrationshintergrund im Vergleich zu ihrem hohen Anteil im Jugendbereich eher unterrepräsentiert. Und von denen, die es schaffen, haben viele dann nicht den deutschen Pass oder spielen lieber für die Türkei, Kroatien oder Ghana.

Viele gute Spieler aus türkischem Elternhaus schaffen es - obwohl sie auch da eher unterrepräsentiert sind - noch bis in die Regional- oder Oberliga (3. und 4. Liga) und gehen dann von dort oft direkt in die erste türkische Liga, ohne überhaupt von einem deutschen Bundesligaverein gesichtet zu werden oder vom DFB in die Jugendnationalmannschaften eingeladen worden zu sein.

Typisch ist das Beispiel des Mannheimers Ümit Davala, der vom VfR Mannheim kommend über mehrere türkische Erstligavereine in der anatolischen Provinz und einer Zwischenstation beim europäischen Spitzenverein AC Mailand beim UEFA-Cup-Sieger Galatasaray Istanbul landete und erst jetzt, am Ende seiner Karriere, in der Bundesliga für Werder Bremen aufläuft. Dazwischen bestritt er mehr als 40 Länderspiele – für die Türkei versteht sich – und wurde WM-Dritter 2002. In der aktuellen Saison spielen in der Türkei mehr als 40 Talente aus Deutschland, Spieler, die den Jugendauswahlen des DFB und später der Nationalmannschaft oft nie mehr zur Verfügung stehen. Hier findet eine Abwanderung Hochqualifizierter statt. Gefördert wird diese Abwanderungsbewegung  durch die Eltern der Spieler, die obwohl sie oft seit mehr als 30 Jahren in Deutschland leben wollen, dass ihre Söhne für ihr Heimatland spielen. Eine Mischung aus türkischem Nationalismus und fehlendem Zugehörigkeitsgefühl zur Mehrheitsgesellschaft. Der türkische Fußballverband hat die Situation erkannt und mittlerweile eine europäische Zentrale für Talentsichtung mit Sitz in Dortmund aufgebaut. Geleitet wird sie von Erdal Keser, in den 80ern Profi bei Borussia Dortmund und türkischer Nationalspieler.

Verlorene Potentiale

Der DFB hat diese Entwicklungen sowie Fragen des mangelhaften Aufstiegs von Spielern mit Migrationshintergrund im deutschen Vereinsfußball lange Zeit ignoriert. Zwar waren schon seit den 30er Jahren Kinder polnischer Einwanderer wie Ernst Kuzzora und Fritz Szepan vom berühmten „Schalker Kreisel“ im Spitzenfußball eine Selbstverständlichkeit. Insgesamt hat der größte Fußballverband der Welt die Potentiale der Einwanderungsgesellschaft jedoch erst spät erkannt.

Die Trendwende kam nach der WM 1998. Deutschland war bei dem Turnier schon früh im Viertelfinale mit 0:3 gegen Kroatien ausgeschieden, während insbesondere die Niederlande (mit vielen Spielern surinamesischer Herkunft) und Frankreich mit ihren multikulturellen Teams begeisterten. Die Equipe Tricolore des Gastgebers Frankreich gewann den WM-Titel durch Tore des Sohnes algerischer Einwanderer, dem weltbesten Fußballer der 90er Jahre, Zinedine Zidane. Die Mannschaft war mit Spielern wie Thuram, Makelele, Viera, Desailly, Karambeu, Lama, Henry, Trezeguet, Djorkaeff, Barthez und Lizarazu ein äußerst erfolgreiches buntes Gemisch mit Wurzeln in West- und Nordafrika, Armenien, Argentinien, den Antillen, der Karibik und Spanien: „Black-Blanc-Beur“ so der Schlachtruf der französischen Fans.

Der damalige DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder packte zur Erklärung des kläglichen Abschneidens des deutschen Teams zunächst noch die verbale Blutgrätsche aus: „Hätten wir 1918 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus Deutsch-Südwest.“ Schon bald war es aber auch Mayer-Vorfelder klar, dass man die Vorteile einer ethnisch-kulturell vielfältigen Gesellschaft auch nutzen kann: „Wir müssen umdenken und auf die Eltern junger Ausländerkinder zugehen, um sie für den deutschen Fußball und für die deutsche (Jugend-) Nationalelf gewinnen. (...) Nur so bekommen wir wieder die richtige Bandbreite. Das ist die vordringliche Aufgabe für den deutschen Fußball.“

Kurz darauf erhielt Mayer-Vorfelder Unterstützung aus der Bundesliga. Der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer aller Zeiten Ottmar Hitzfeld merkte an: „Wir müssen auch unsere Ausländerkinder für den deutschen Fußball gewinnen. Holländer und Franzosen haben die Kinder von Einwanderern in ihrer Mannschaft. In Deutschland leben Türken, Afrikaner und Osteuropäer. Gucken sie sich unsere Jugendmannschaften heute an: Die bestehen zu 50 % aus Ausländerkindern. Wir verzichten also auf die Hälfte unseres Potentials, wenn es von vornherein ausgeschlossen ist, die für Deutschland spielen zu lassen.“ Auch der damalige Bundestrainer Berti Vogts hatte die Zeichen der Zeit erkannt und äußerte in dem ihm eigenen Tonfall: „Wir haben eine Multi-Kultur in Deutschland, warum soll man diesen Leuten nicht eine Chance geben?“

Interkulturelle Öffnung als Erfolgsrezept

Seitdem hat beim DFB, der lange Zeit in einer national-konservativen Traditionslinie stand, eine stete interkulturelle Öffnung stattgefunden, die sich mittlerweile schon im aktuellen Kader der Nationalmannschaft widerspiegelt. Mit Gerald Asamoah, Miroslav Klose, Lukas Podolski, David Odonkor sowie Kevin Kuranyi und Patrick Owomoyela im erweiterten Kader spielen mehr Spieler mit Migrationshintergrund denn je für Deutschland. Die deutschen Hoffnungen im Angriff ruhen hauptsächlich auf den Kindern polnischer Einwanderer Klose und Podolski.

Wie könnte aber eine deutsche Mannschaft aussehen, wenn es längst selbstverständlich wäre, dass auch Söhne kroatischer oder türkischer Einwanderer für Deutschland spielen? Die deutsche Mannschaft, der laut jüngsten Umfragen nur noch 5% der Bevölkerung den WM-Titel zutrauen, bekäme Verstärkung in allen Mannschaftsteilen. Der Berliner Weltklasseverteidiger Robert Kovac vom italienischen Spitzenverein Juventus Turin könnte der schwächelnden deutschen Innenverteidigung gute Dienste erweisen. Im Mittelfeld könnte der begnadete Dribbler und Scorer Yildiray Bastürk, der bei Hertha BSC gerade eine herausragende Saison gespielt hat, mit Ballack die Kreativabteilung bilden. Im Sturm wäre das gefürchtete Bremer Sturmduo Klose & Klasnic eine attraktive Variante und als Alternative hätte man noch Halil Altintop, mit 20 Treffern drittbester Torjäger der abgelaufenen Bundesliga-Saison und Schütze des 1:0 „gegen sein Heimatland“.

Die Defizite und Versäumnisse der Integrationspolitik verschlechtern die Chancen auf einen WM-Gewinn im eigenen Land erheblich. Neben dem möglichen sportlichen Erfolg wäre eine solche Nationalmannschaft auch ein realistischerer Spiegel des Einwanderungslandes Deutschland. Dass hochqualifizierte Talente in die Türkei abwandern oder noch viel zu selten in den Spitzenpositionen im Vereinsfußball oder der Nationalmannschaft ankommen ist 45 Jahre nach Abschluss des Anwerbevertrags mit der Türkei ein integrationspolitisches Armutszeugnis. Dabei wäre die sichtbare Repräsentation der Einwanderung im Fußball für alle Beteiligten eine reine win-win-Situation und für den Gesamtprozess der Integration von großer Bedeutung.

So argumentiert etwa der Europaparlamentarier Cem Özdemir:
„Wenn sich die ersten Spieler türkischer oder kroatischer Herkunft für die deutsche Nationalmannschaft entscheiden und dort erfolgreich spielen, hat das auch eine positive Signalwirkung in die deutsche Mehrheitsgesellschaft hinein. Man würde verstehen, dass die Menschen mit Migrationshintergrund etwas für Deutschland leisten. Und damit veränderten sie auch das Gesicht Deutschlands positiv. Es wäre eine Botschaft an Migranten-Jugendliche: Das ist auch euer Land, ihr gehört dazu.“

Der Sport hatte in Einwanderungsländern schon immer die Funktion positive role models einer gelungenen Integration zu entwickeln, eine Vorbildfunktion, die auch in der aktuellen, rein defizitorientierten Integrationsdebatte viel zu wenig thematisiert wird.

WM 2014: Doppelpass zwischen Berkant und Kevin-Prince?

Die begonnene interkulturelle Öffnung des DFB trägt im Jugendbereich erste Früchte. Zusammen mit der späten Reform des Staatsangehörigkeitsrechts sorgt sie dafür, dass mittlerweile in allen Jugendnationalmannschaften ein Anstieg von Spielern mit Migrationshintergrund zu verzeichnen ist. Nando Rafael, Aaron Hunt, Malik Fatih, Ioannis Masmanidis, Piotr Trochowski, Eugen Polanski, Gonzalo Castro, Marvin Matip, Lukas Sinkiewicz: Ein Blick auf den aktuellen Kader der U-21- Nationalmannschaft zeigt, wie groß das fußballerische Potential der vielfältigen Republik Deutschland ist. Und äußerst erfolgreich dazu: Mit großer Souveränität und attraktivem Spiel hat sich das Multi-Kulti-Team unter Bundestrainer Dieter Eilts für die U-21-Europameisterschaft im Mai und Juni 2006 in Portugal qualifiziert. Die bunte Vielfalt des Teams ist laut Eilts überhaupt kein Problem: „Alle diese Spieler fühlen sich als Deutsche, ihre Wurzeln spielen bei der täglichen Arbeit keine Rolle. Die Spieler haben viel Achtung und Respekt voreinander.“

Die U-21-Mannschaft könnte ein positives role model für die Einwanderungsgesellschaft Deutschland werden. Wenn es gelingt, durch eine weitere interkulturelle Öffnung und eine Verstärkung der interkulturellen Kompetenz in den Vereinen und beim DFB die Vorteile der Vielfalt noch besser zu nutzen, stehen die Chancen bei der WM 2010 oder 2014 nicht schlecht. Und wenn Kevin-Prince Boateng, Mittelfeldspieler bei Hertha BSC, Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters und über mehrere Ecken mit dem legendären Helmut Rahn, Schützen des 3:2 beim „Wunder von Bern“ 1954 verwandt, es weiterhin schafft, sich in den Nationalmannschaften durchzusetzen, könnte der Kommentar zum WM-Endspiel 2014 heißen: „Boateng, aus dem Hintergrund müsste Boateng schießen, Boateng schießt ...Tooor, Tooor, Tooor!“.

Ob es bis dahin selbstverständlich ist, dass Kevin-Prince einen Doppelpass mit Ali, Berkant oder Mehmet spielt, ist angesichts einer islamophoben und im Grundton oft rassistischen Integrationsdebatte, die zu weiteren Verschärfungen der Einbürgerungsregelungen geführt hat, zu bezweifeln. Wenn man an die überschäumende Fußballbegeisterung gerade Jugendlicher mit türkischem Migrationshintergrund denkt, bei denen die Anhängerschaft zu einem der großen Istanbuler Clubs Galatasaray, Fenerbahce oder Besiktas meist die größte Glaubensfrage darstellt, wird hier ein Teil des Zukunftspotentials des deutschen Fußballs verspielt. Und was für den Fußball schlecht ist, ist auch schlecht für die Gesellschaft, in der diese Jugendlichen leben.

Juni 2006

Andreas Merx

Andreas Merx ist Politologe und Diversity-Experte.

 

Anhang

Eingebürgerte Spieler in der deutschen Nationalmannschaft
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