Farida Heuck

 


 

Zertifikat Deutsch In der audio-visuellen Installation 'Zertifikat Deutsch' kontextualisiert die Künstlerin zusammen mit der Soziologin Birgit zur Nieden historische Zusammenhänge der Gastarbeitergeschichte am Beispiel der damals nicht gewollten und heute eingeforderten Deutschkenntnisse im Zusammenhang mit der aktuellen Integrationsdebatte.


Global Immigration Office

Global Immigration Service Berlin, Kottbusser Tor, 2008 (Maße: 2x2,2 m, h: 5m)

Die Skulptur im öffentlichen Raum nimmt Stellung zu den Veränderungen in der Einwanderungskontrolle und befragt die Sortierung von MigrantInnen entlang wirtschaftlicher und bevölkerungspolitischer Interessen. Sie bezieht sich auf den seit 2007 eingerichteten Business Immigration Service (BIS) der Industrie- und Handelskammer in Berlin, der die Einwanderung ausländischer UnternehmerInnen und SpezialistInnen erleichtern soll. Dem geht eine Deregulierung und Ausdifferenzierung der Einwanderung voraus. Die Strategie der Abwehr und der kontrollierten Anwerbung zugleich hat jedoch wenig mit Freizügigkeit zu tun.

Die Skulptur ist eine Art Aufsichtshäuschen auf Stelzen, die an einen Grenzwachturm erinnert. Die Ausgestaltung des zweigeteilten Innenraumes soll den widersprüchlichen Umgang mit Zuwanderung verdeutlichen: Auf der einen Seite vermitteln verspiegelte Decken das Ambiente eines Komforthotels, wie es viele KundInnen des BIS bewohnen. Näher am Lebensalltag vieler BewohnerInnen am Kottbusser Tor ist der zweite Raum, der an einen Wartesaal im Ausländeramt oder Jobcenter erinnert. An der Wand befindet sich eine Tafel mit Nummern, wie sie bei diesen Behörden üblich sind.

Von außen dagegen präsentiert der Global Immigration Service eine Scheinwelt, als ob für jede/N eine Beratungsstelle zur Einwanderungsbürokratie zur Verfügung stehe. Erst auf den zweiten Blick erkennen die Betrachtenden die anders aussehende Realität im Inneren.

Das Projekt wurde durch den Hauptstadtkulturfonds gefördert.

Über Farida Heuck

Farida Heuck lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Berlin. In ihren künstlerischen Arbeiten beschäftigt sie sich mit der Darstellung von Ursachen und Formen von Migration und Grenzüberschreitung. Sie entwickelte u.a. folgende Projekte: Global Immigration Service, Berlin und Bruneck/Südtirol (2008); „MOVING.ON - Handlungen an Grenzen. Strategien zum antirassistischen Handeln“ NGBK Berlin und Zertifikat Deutsch, Projekt Migration, Köln (beide 2005).

Sie engagierte sich bis 2007 in der KünstlerInnengruppe schleuser.net, die sie 1998 zusammen mit anderen gründete. 'schleuser.net' beschäftigte sich mit der Bedeutungsverschiebung des hehren Fluchthelfers zum kriminellen Schleuser durch das globale Grenzregime.

2009 erhielt Farida Heuck ein Arbeitsstipendium für Bildende Kunst des Berliner Senats und Projektförderung durch den Kunstfonds Bonn und 2008 Projektförderung durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Homepage von Farida Heuck

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