Mattia Bier und Juan Pablo Diaz Moreno

 

MOTIO. Ein Spiel über Einwander_innen ohne bestimmten Aufenthaltsstatus

Die freie Mobilität von Menschen, der Austausch von Völkern und Kulturen beeinflusst schon immer die Prozesse von Evolution und kulturellem Fortschritt. Verschiedene Denkarten und Glaubensweisen müssen nicht zwangsläufig zu Konflikten führen, sondern begünstigen gegenseitigen Austausch und fruchtbare Zusammenarbeit. Für die Einzelne oder den Einzelnen bedeutet Migration einen Entwicklungsprozess, eine Reihe aufeinander aufbauender Erfahrungen. In der Kombination der verschiedenen Faktoren, wie Fortschritt und Fehlschläge, die diesen Weg begünstigen oder behindern, konstruiert sich nach und nach eine individuelle Lebensgeschichte. Diese Dynamik zeichnet auch MOTIO aus.

Gemeinsam haben wir ein Spielkonzept für ein Gesellschaftsspiel entwickelt, das die Ergebnisse unserer Recherche zu Migration und Abschiebegewahrsam als zwei eng verbundene Themen beinhaltet.

Das Spiel kann von zwei bis sechs Personen gespielt werden, sowohl im schulischen wie außerschulischen Kontext. Neben der informativen Eigenschaft ist das Spiel Anlass für die Spieler_innen unterschiedlicher Herkunft, ihre Erfahrungen und Erlebnisse mitzuteilen und Meinungen auszutauschen bzw. zu diskutieren.
 

 

              



MOTIO, Bewegung, steht für die Funktion und das Ziel unseres Spielkonzeptes. In diesem Gesellschaftsspiel übernimmt jede_r Teilnehmer_in die Rolle eines Einwanderers oder Einwanderin und steckt sich auf dem Spielbrett eine Konstruktion aus Steckkarten zusammen.

Entlang der Spielregeln, die den Aufbau der Konstruktion festlegen, erfahren die Spieler_innen die Bedingungen, Umstände und sozialen Verhaltensweisen, wie sie die Lebenssituation von Zuwanderern im Aufnahmeland mitbestimmen. Das Spielkonzept basiert auf der Idee, auf dem Spielbrett eine sich physisch zusammensetzende Präsenz als Einwanderin oder Einwanderer im Aufnahmeland aufzubauen. Im Brettspiel, als einer verkleinerten, handhabbaren Vorstellungswelt, sehen wir eine Möglichkeit, Informationen zu den Themen abzubilden, in einem interaktiven Prozess erfahrbar zu machen und gesellschaftliche Zusammenhänge darzustellen. Reale alltägliche Erlebnisse von EinwandererInnen setzen sich im Spiel zu individuellen Biographien zusammen.

Die Spieler_innen bewegen sich in einer Welt, die als gestalteter Ablauf mit einem Film vergleichbar wäre, bei dem sie allerdings selbst als Schauspieler_in, Akteur_in in eine Situation oder Geschichte eintreten. Die Dimensionen möglicher Erfahrungen und Einschränkungen, beispielsweise die Erweiterung eines Lebensraumes, Spielraumes durch Sprachkenntnisse, beziehungsweise die Einschränkung durch Haft, haben wir als Verschränkung von Räumen, Lebensraum, Rechtsraum, physischem und psychischem Raum in eine Spielarchitektur übersetzt.
 

Spielformular
 

Unsere Idee, ein Spiel zur Situation von Einwander_innen ohne Aufenthaltsbewilligung zu entwerfen, wird vor allem durch die Frage bestimmt, wie Aufmerksamkeit für die Lebensumstände und Lebenssituationen dieser Menschen neben den gegebenen Strukturen hergestellt werden kann, ohne sie als Opfer- oder Fallstudien darzustellen.

Das übergeordnete Ziel des Spiels ist es somit, dieses als Medium zur Steigerung von Aufmerksamkeit einzusetzen, über einen Positions- und Perspektivwechsel zu sensibilisieren, Stereotypen in Frage zu stellen, eine Gelegenheit für Reflexion über das Thema Migration und Abschiebegewahrsam zu schaffen und das unsichtbare Phänomen der Illegalisierung der Menschen sichtbar zu machen.

Juan Pablo Diaz Moreno und Mattia Bier

 

Über Mattia Bier und Juan Pablo Díaz Moreno
 

Mattia Bier, 1969 in München geboren, lebt und arbeitet als Bildhauerin in Berlin. Sie studierte Bildhauerei in Basel, arbeitete in München an der Bayerischen Staatsoper als Bühnenplastikerin und absolvierte in Berlin den Master Studiengang für Kunst im Kontext. Ihre Arbeiten und Interventionen im Stadtraum wurden in Basel, München, Paris und Berlin ausgestellt. In ihren künstlerischen Arbeiten setzt sie sich immer wieder mit dem menschlichen Gegenüber auseinander und versucht diese Begegnungen in den Raum zu übersetzen. Seit 1996 war sie an mehreren Jugend- und Soziokulturellen Projekten beteiligt. Ihre Projekte haben zunehmend Fremd – Anders sein und Ausgrenzung zum Thema, so forschte sie in ihrem letzten Projekt über das Phänomen Abschiebegewahrsam.
 

 

 

Juan Pablo Díaz Moreno wurde 1978 in Bogotá geboren. Sein Diplom als Kommunikationsdesigner machte er in der Universtdad de Bogotá Jorge Tadeo Lozanoin Kolumbien. Danach folgte der Master für Kunst im Kontext an der UdK Berlin. Seit 2002 ist er als Medienkünstler aktiv in verschiedenen interdisziplinären Projekte im Bereich Interaktive Medien, Objektinstallation, Video und Fotografie. Juan Pablo Diaz Moreno lebt seit 5 Jahren in Berlin. Er thematisiert in seiner Arbeit die Wahrnehmung von Menschenrechten und das Verhältnis von Grenzen, Ausgrenzung, Raum und Mobilität.

  
  
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