Diskriminierende Darstellungen von MuslimInnen in deutschen Medien

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Die Şehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln veranstaltet regelmäßig offene Informationsveranstaltungen

von Constantin Wagner

Um die diskriminierenden Darstellungen von MuslimInnen in deutschen Medien zu verstehen, muss man nichts über den Islam wissen, dafür aber umso mehr über Eigenschaften rassistischer Diskurse im Allgemeinen und die Verbreitung von Stereotypen durch Massenmedien im Besonderen. Anhand der Presseberichterstattung über Islam und MuslimInnen können hierbei auch allgemeine Mechanismen nachvollzogen werden, die bei der Darstellung einer markierten sozialen Gruppe oder dem, was man für eine soziale Gruppe hält, wirksam werden. Sie finden sich bei anderen Personenkreisen, Konstellationen und Phänomenen analog. 

 

In diesem Beitrag soll die Entstehung und die Funktion der dominierenden Wahrnehmung von MuslimInnen erklärt werden. Durch die Medien vermittelte Bilder von MuslimInnen lassen sich gut anhand von in den letzten Jahren und Jahrzehnten durchgeführten Studien zum Islambild in der Presse nachvollziehen, von denen es eine ganze Reihe gibt. Daher wird es im Folgenden nicht darum gehen, im Detail einzelne Artikel oder Titelbilder zu analysieren, wie bereits geschehen, sondern einen Überblick über typische Darstellungsweisen und ihre Hintergründe zu geben.

Die Verbreitung dominierender Vorstellungen und diskriminierender Bilder durch die Medien

„Medien sind die wichtigste Quelle für die Stereotypenbildung und -bestätigung bezüglich des Islams“, schreibt Sabine Schiffer (Schiffer 2004) Unstrittig ist, dass öffentliche Kommunikation quasi nur noch medienvermittelt funktioniert. Aus diesem Grunde kommt dem Funktionieren der Medien bei der Herausbildung eines dominanten öffentlichen Diskurses, der Wahrnehmung und Darstellung von Realität, eine Schlüsselrolle zu. Medien sind insbesondere in Bezug auf Themen, zu denen die meisten BürgerInnen keinen direkten Zugang haben, Informationsquellen und Mittler. In Bezug auf kollektive Bilder und Vorstellungen vom „Anderen“ scheint dies besonders wichtig: Rassismus ist häufig dort am meisten verbreitet, wo es die Ziele seiner Anfeindung gar nicht gibt.

Massenmedien strukturieren also die Wahrnehmung jener Dinge, die nicht selbst erlebt werden – und die Sekundärerfahrung durch Medien nimmt ständig zu. Erst durch die Präsenz in den Medien erscheint ein Thema im öffentlichen Diskurs. Sie sind integraler Bestandteil der Gesellschaft und ein bedeutender Sozialisationsfaktor.

„Medien spielen bei der Konstruktion ‚des Anderen‘ oder ‚des Fremden‘ eine Schlüsselrolle. Im Zusammenspiel mit den Bereichen Politik, Wissenschaft und Alltag können sie eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung ausüben. Medien sind einerseits ‚Fenster zur Welt‘, andererseits haben sie jedoch auch immer eine Filterfunktion. Dabei verrät die Art und Weise des Filterns viel über die Zu- und Abwendung gegenüber dem Anderen wie auch über das Selbstbild.“ (Farrokhzad 2006: 55)

Massenmedien sind allerdings, wie der Soziologe Erol Yildiz betont, weniger als Produzenten, denn als Transportmittel bestimmter Deutungen und Bilder zu verstehen. JournalistInnen greifen dieser Ansicht zufolge bestimmte Normalitätsvorstellungen auf und popularisieren diese gesellschaftlich schon vorhandenen Bilder. Massenmedien setzen Themen in einer ganz bestimmten Art auf die Tagesordnung, bringen sie in Umlauf und leisten auf diese Weise einen wesentlichen Beitrag zur Konstruktion und Wahrnehmung von Wirklichkeit. Sie bestimmen, was zu einem Zeitpunkt als wichtig und diskussionswürdig erachtet wird und bis zu einem gewissen Grad auch wie darüber gesprochen oder gedacht wird.

Auch wenn es in der Medienwissenschaft umstritten ist, wie direkt die Beeinflussung der RezipientInnen ist, da es keine nachweisbare direkte Relation zwischen Mediendarstellungen und RezipientInneneinstellung gibt, ist davon auszugehen, dass bestimmte Berichterstattungen eine stark ausgeprägte handlungsanleitende Funktion ausüben können. Die Identifikation von Wirkungen der Medienberichterstattung gehört zu den schwierigsten Problemen der Kommunikationsforschung. Dies liegt auch daran, dass sich solche Effekte experimentell schwer isolieren und messen lassen. Mit der Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer kann von einem Wirkungspotential und einer Wirkungswahrscheinlichkeit die Rede sein.

Obwohl im Prinzip alle (empirischen) Studien zu dem Ergebnis kommen, dass der Journalismus die ihm zugeschriebene Funktion – nämlich „objektiv“ und „wahr“ zu berichten – nicht erfüllt und auch nicht erfüllen kann, wird das von den Medien vermittelte Bild oft als objektive Berichterstattung verstanden. Die Annahme eines ungehinderten Nachrichtenflusses – wegen fehlender oder geringer staatlicher Zensur – hat weitreichende Konsequenzen für die Wahrnehmung der dargestellten Realitätsausschnitte. Gerade das Postulat der legal existierenden Meinungs- und Pressefreiheit suggeriert die Vorstellung eines objektiven Informiertwerdens und schafft damit Akzeptanz für die präsentierten Inhalte.

Dem Anspruch, Realität abzubilden, stehen die Eigenschaften von Bildern und Sprache gegenüber – nämlich subjektive Zeichensysteme zu sein. Schon die Zeichenvermitteltheit allen Denkens widerspricht einem naiven „Abbildrealismus“

„Von der naiven Vorstellung des unvoreingenommenen Begreifens und Aneignens von Realität müssen wir uns also ebenso verabschieden wie von der Suche nach einem vermeintlichen Drahtzieher hinter bestimmten Darstellungen. Vielmehr bestimmen Diskurstraditionen und damit einhergehend erworbene Kollektivsymbole die menschliche Wahrnehmung der Welt.“ (Schiffer 2004: 47f.)

Im Print-Mediendiskurs tauchen die meisten Vorstellungen auf, die auch in anderen gesellschaftlichen Arenen vorkommen. Allerdings werden sie hier in einer ganz bestimmten Art und Weise präsentiert. Aus diesem Grunde sollte nicht nur betont werden, dass Massenmedien eine gute Quelle dafür sind, dominante soziale Diskurse zu rekonstruieren, sondern auch, dass sie einer medienspezifischen Logik unterliegen. Mit dem Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez lässt sich davon ausgehen, dass die Presse nicht nur die Interessen des sie umgebenden Gesellschaftssystems und der Leserschaft vertritt, sondern – etwa durch Sprachgebung und Dramaturgie – eigene Absatzinteressen verfolgt. (Hafez 2002)

Filter-Faktoren

Zu dem bei einigen AutorInnen prominenten Vorwurf, Medien würden Vorurteile erzeugen und „schüren“, ist zu sagen, dass eine solche Medienschelte den Funktions- und Leistungsbestimmungen der Publizistik bzw. des journalistischen Systems nicht gerecht wird. Die moralisierenden Vorwürfe können diskriminierende Darstellungen weder angemessen beschreiben noch erklären. Ein komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Filter-Faktoren entscheidet, welche Inhalte in welcher Form als berichtenswert angesehen werden.

Um in den Printmedien als Nachricht zu erscheinen, muss ein Ereignis in der Regel als eine Abweichung von der Normalität definiert werden; gemäß der populären Newswert- (oder Nachrichtenwert-) Theorie muss das zu Berichtende spektakulär und besonders und damit berichtens- und verkaufenswert sein. Aktualität, Punktualität sowie Negativität sind zentrale Nachrichtenfaktoren; Medien thematisieren häufig Normverletzungen. Es ist eine grundlegende Annahme der Newswertforschung, dass Nachrichten ein hoher Nachrichtenwert zukommt, sofern sie konflikthaftes oder kriminelles Verhalten beinhalten (oder sie mit Erfolgs- und Schadensmeldungen verbunden sind, also eine negative oder positive Valenz besitzen).

Auch Nachrichtenfaktoren sind aber im Grunde nichts anderes als Stereotype, die darüber entscheiden, was als berichtenswert gilt. So kann die Nachrichtenwerttheorie nur bedingt erklären, warum welche Ereignisse in der Presse wie dargestellt werden. Kai Hafez argumentiert, dass in einem gewissen Gegensatz zur theoretisch geprägten Annahme die Existenz eines Konflikts nur bedingt ein Moment der Aufmerksamkeitssteigerung ist, da etwa ein Vergleich mit wenig berichteten Kriegen zeigt, dass die Relevanz eines Konfliktes die Überschreitung der Thematisierungsschwelle garantiert, nicht jedoch das Vorhandensein eines Konflikts an sich. Über was und in welcher Weise berichtet wird, lässt sich also nur bis zu einem gewissen Grad durch das Funktionieren eines (objektiven) „Newsfilters“ erklären.

Auch dass über die angebliche oder tatsächliche Unterdrückung von muslimischen Frauen besonders und zum Bevölkerungsanteil überproportional viel berichtet wird, ist erklärungsbedürftig. Hier kommen die Kategorien „Macht“ und „soziale Interessen“ ins Spiel, die darüber mitentscheiden, über was JournalistInnen – um verstanden zu werden, um mit den Vorgesetzten oder den LeserInnen nicht in Konflikt zu geraten und um ihren eigenen Vorstellungen zu entsprechen – berichten können und über was nicht. Neben dem überall zitierten Newswert ist also auch entscheidend, inwiefern Ereignisse mit den redaktionellen Einstellungen, den persönlichen Werten der beteiligten JournalistInnen und den Zielen des jeweiligen Mediums übereinstimmen sowie welche Informationen überhaupt verfügbar sind.

Bei den so genannten Nachrichtenfaktoren, die als hartes Selektionskriterium gelten sollen, müssen also Spielräume bei der Interpretation, was als Nachrichtenwert bezeichnet wird, angenommen werden. Am grundsätzlichsten und entscheidendsten ist aber, was zu einem bestimmten Zeitpunkt überhaupt denk- und sagbar ist; welche Deutungsmuster – und damit soziale Sichtweisen – dominant und sowohl ProduzentInnen als auch RezipientInnen zugänglich sind. Persönliche und berufliche Einstellung der Medienschaffenden haben demnach Einfluss auf den Produktionsprozess, so etwa deren Dispositionen, Werte und Normen und somit auch ihr Herkunftsmilieu (Thofern 1998: 15f.).
 
Insbesondere der Mediendiskurs- und Rassismusforscher Teun van Dijk hat die mediale Berichterstattung als „Elitediskurs“ definiert und damit auf die soziale Zusammensetzung der ProduzentInnen von Mediendarstellungen hingewiesen. Diese Eliten hätten ein Interesse daran, dass das soziale Profil ihrer Mitglieder möglichst einheitlich bleibe (van Dijk 1999: 136f.). Ein Großteil der Medienbranche sei von einer gesellschaftlichen Elite dominiert, die über starke informelle Netzwerke verfüge. Während der Anteil der ethnischen Minderheiten in Deutschland bei ca. 9 Prozent liegt, sind diese Gruppen mit weniger als einem Prozent in gehobenen Positionen in den Medien vertreten (Farrokhzad 2006: 58f.). Minderheiten-JournalistInnen sind in der Regel vom Zugang zu den hegemonialen Redaktionen ausgeschlossen (van Dijk 2007: 108, 110).

Prinzipien der Themenwahl

Die Frage nach der (De-)Thematisierung steht noch vor dem Problem der spezifischen Darstellungsformen. Bereits die Auswahl von Informationsmaterial und -quellen enthält eine Wertung und erzielt einen nicht zu unterschätzenden Effekt, zumal Wiederholungen als effektives diskursives Mittel einzuschätzen sind. Die Entscheidung für einen Aspekt bedeutet innerhalb des selektiven Prozesses der Nachrichtenproduktion den Ausschluss anderer Aspekte, egal, ob diese Auswahl den Intentionen der JournalistInnen geschuldet ist oder nicht. Wie bereits geschildert, müssen bestimmte Kriterien für ein Zum-Thema-Machen erfüllt sein. Dazu zählen auch unbewusste Aufmerksamkeitsregeln. Organisierte Wissensbestände, also bereits erworbene Wissensstrukturen beeinflussen die Wahrnehmung, Selektion und Verarbeitung neuer Informationen (Schiffer 2004: 43).

„Die Vorstrukturierung durch Stereotypen ist eine ebenso natürliche wie notwendige Tatsache, um beim Wahrnehmungsvorgang Beobachtungen, Erfahrungen, Erlebnisse einsortieren und verarbeiten zu können. Diese denkökonomische Funktion der gleichzeitigen Erwartungsbestätigung durch verfälschte Eindrucksbildung hat aber ihren Preis, nämlich dass die bereits existierenden Bilder in unseren Köpfen – die Voraus-Urteile – die Wahrnehmung beschränken und nur die Dinge fokussieren lassen, die wir leicht eingliedern können. Automatisch nehmen wir vorzugsweise Bekanntes, d.h. Erwartetes, wahr und klammern gleichzeitig und unbewusst Widersprechendes relativ erfolgreich aus. Erwartungen basieren auf Hintergrundwissen (…) und bedeuten eine Vorwegzentrierung der Aufmerksamkeit.“ (ebd)

Schiffer argumentiert, dass die Erwartung insbesondere bei negativ-emotionsbeladenen Nachrichten – die mit besonders hoher Wahrscheinlichkeit berichtet werden – die Bestätigung des Erwarteten verlange. Sie bringt die Perzeption mit der Erhaltung des jeweiligen Wertmodells und dessen Funktion von Selbsterhalt und Selbstdefinition in Verbindung (ebd). Erwartungsbestätigungen seien sowohl bei ProduzentInnen als auch bei KonsumentInnen – und somit doppelt – wirksam. Das bestehende „Wissen“ bezüglich einer Gruppe führt dazu, dass vor allem bekannte Sachverhalte wahrgenommen und diese als ursächlich mit der Gruppe verbunden interpretiert werden.

Diese Konstruktionsmechanismen sind selbstverständlich nicht nur in Bezug auf MuslimInnen, sondern ebenso bei anderen markierten Outgroups wirksam. Diskriminierung durch Mediendarstellung funktioniert in subtiler Weise über die beschriebenen Diskursmechanismen. Dazu zählen unter anderem technisch-mediale Prinzipien wie „Zeigen“ und „Ausblenden“, Montage und Perspektive, Vergrößerung und Verkleinerung oder Kausalsuggestionen durch eine bestimmte Reihenfolge der Präsentation (Schiffer 2007: 172). Einige der für das Verständnis des Islambildes in den Medien relevanten Konstruktionsmechanismen sollen im Folgenden kurz beschrieben werden.

Konstruktionsprinzipien

Zeigen und Ausblenden

Mittels (sprachlicher) Zeichen wird die Aufmerksamkeit der RezipientInnen auf bestimmte Gegenstände bzw. Sachverhalte gelenkt. Alternative Möglichkeiten und andere Dinge, Sachverhalte sowie Interpretationen treten in den Hintergrund oder werden ganz ausgeblendet (Schiffer 2004: 28). Ein „Zeigen“ präsupponiert, dass das Berichtete die Situation repräsentiert. Durch einen Text, der ausschließlich „Fakten“ berichtet, aber eben nur auf bestimmte Aspekte verweist, wird eine neue (mediale) Wirklichkeit erschaffen. Vor allem dort, wo ein direkter Zugang erschwert und die Sekundärerfahrung die einzige Quelle ist, wiegt die Konsequenz der Tatsache, dass nur ausgewählte Ausschnitte gezeigt werden (können), schwer.

Über „Zeigen“ und „Ausblenden“ entsteht eine Merkmalsreduktion und Dominantsetzung dieser Merkmale. Durch die Rekurrenz auf etwas Typisches wird dabei eine ganze Assoziationskette aktiviert. Diese Assoziationsketten können schon durch einzelne Wörter, aber auch durch Sätze und Implikationen aktualisiert werden (Schiffer 2004: 33). Die Assoziationen, die Moschee- und Gebetsbilder inzwischen auslösen, können an Meinungsumfragen abgelesen werden und schlagen sich unter anderem in Moscheebaustreitigkeiten und Gerichtsurteilen über das Kopftuchtragen nieder. Man kann davon ausgehen, dass durch die ständige Wiederholung eines bestimmten Darstellungsmusters feste Assoziationsketten entstehen.

„Während Wiederholungen der immer gleichen Stereotype zu deren Akzeptanz führen und zur Konvention werden, können sich langfristig (…) Assoziationen bilden, die inferenziell die Textbedeutung mitkonstituieren, ohne als solche bewusst wahrgenommen zu werden. Es ist zu erwarten, dass die (…) dominanten Konzepte wie ISLAM ist BEDROHUNG und GEWALT, (FRAUEN)UNTERDRÜCKUNG und RÜCKSCHRITT bereits als ‚Wahrheiten’ über den Islam akzeptiert wurden und somit vorausgesetzt werden.“ (Schiffer 2004: 103)

Gleichzeitig werden gegenteilige Informationen ausgeblendet. So kann Berichtetes im Detail nicht falsch sein, aber trotzdem durch Selektivität bestimmten Annahmen und Vorbehalten folgen.

Sinn-Induktion bzw. Induktionseffekte

Mit diesem Mechanismus werden ohne explizite Bezüge oder argumentative Rechtfertigung Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Sachverhalten hergestellt. Im konkreten Fall: Den MuslimInnenn werden über diesen Effekt bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Bei zwei nebeneinander bzw. zusammen präsentierten Bildern und/oder Texten wird ein Sinnzusammenhang zwischen diesen hergestellt bzw. induziert. Das eine Bild bzw. der eine Text nimmt Einfluss auf die Wahrnehmung des jeweils anderen und bildet den Kontext desselben, wodurch bestimmte Merkmale in den Vordergrund, andere in den Hintergrund treten (Schiffer 2004: 52).

Die Mechanismen der Sinn-Induktion können auch auf neuere Kollokationen wie „islamischer Terrorismus“ angewendet werden (Schiffer 2004: 102f.). Klassischere Beispiele sind das Zeigen des Bildes einer Moschee zu Themen wie Entführungen im Irak, Atombombenplänen im Iran, islamischen Weltverschwörungsplänen oder Sonderpublikationen zum Israel/Palästina-Konflikt. Ähnlich verhält es sich bei den Symbolen Gebet und Kopftuch, die sehr häufig problematische Themen illustrieren (Schiffer 2007: 170f., 179, Schiffer 2004: 126f.). Gemäß dem Wahrnehmungsprinzip der Sinn-Induktion entstehen hier bestimmte Assoziationsketten.

Markierung

 Voraussetzung für die Zuschreibung von Eigenschaften – sei es implizit oder explizit – ist zunächst die Konstruktion einer Gruppe. Dies geschieht über die Markierung. Dadurch, dass die Aufmerksamkeit auf diese Gruppe gerichtet ist – sie markiert ist –, werden Phänomene zunehmend der Gruppenzugehörigkeit zugeschrieben und weniger anderen Umständen. Auf ausgewählte Fakten kann dabei sprachlich gezeigt werden, während Gegenteiliges ausgeblendet bleibt. So ist häufig zu beobachten,  dass die Gruppenzugehörigkeit bei Tätern, sofern sie einer Minderheitengruppe angehören, genannt wird, während dies bei „einheimischen“ Delinquenten sehr viel seltener der Fall ist. Dadurch wird eine Vorstellung evoziert, die zu einer negativen Darstellung der jeweiligen Gruppe beiträgt. Bereits hier liegt eine Diskriminierung vor – wenn Personen nicht als Personen, sondern lediglich als Element einer Personengruppe kategorisiert und in diesem Zusammenhang bewertet werden.

Markierungen des „Islamischen“ häufen sich sowohl im Negativen als auch im Positiven, in bildlichen wie auch in sprachlichen Darstellungen (Schiffer 2007: 175). Markierungen funktionieren durch das Erwähnen eines Gruppenzugehörigkeitsmerkmals auch ohne dass dieses für den verhandelten Sachverhalt relevant ist. Neben der Markierung als Sondergruppe spielt die Zuweisung bestimmter Eigenschaften zu der markierten Gruppe eine wichtige Rolle. Als elementare Formen von Zuschreibung erzeugen Prädikationen Bedeutungen: Dazu zählen auch implizite Merkmalszuweisungen und Konnotationen.

Ein ähnlicher Effekt wird über einfache Adjektivierung erzielt – obwohl es sich um Fakten handeln mag: Wenn ein bestimmtes Land als „islamisches“ Land bezeichnet wird, entsteht gleichsam ein Eindruck von Kausalität. In diesen Zusammenhang gehört die unterschiedliche Benennung vergleichbarer Ereignisse. So verschleiert die Bezeichnung „Ehrenmord“ eine Ähnlichkeit des Verbrechens mit dem, was man landläufig als „Familientragödie“ bezeichnen würde: Ein „Ehrenmord“ beabsichtigt, das übliche System der Ehre wiederherzustellen, während in einer „Tragödie“ die Verhältnisse aus den Fugen geraten sind. Bei „denen“ stellt die patriarchale Ordnung offenbar die Norm dar – bei „uns“ ist Gewalt gegen Frauen eine Abweichung, die Wahnsinnstat eines Einzelnen (Sezgin 2006: 10f.).

Bildlichkeit und „Kollektivsymbolik“

Die Beschäftigung mit Metaphern und Kollektivsymboliken zeigt, wie wörtlich der Ausdruck „Das Bild von MuslimInnen“ ist. Die Aufgabe von Kollektivsymboliken ist es, komplexe Phänomene in einfache Zusammenhänge bildlich zu übertragen und damit auf eine bestimmte Art und Weise zu erklären. Dabei dient die Metapher oft zur evaluativen Konnotation. Es ist zu beachten, dass auch ohne Intention seitens der AutorInnen durch den Gebrauch einer bildhaften Sprache bestimmte Aspekte beleuchtet und andere verdeckt werden, weswegen von einem interpretativen und sogar realitätskonstituierenden Charakter ausgegangen werden kann, in dem sich „Denkgewohnheiten“ manifestieren.

Metaphern haben als bildliche „Erklärungen“ dabei einen kognitiven Mehrwert, sie prägen Inhalt und Konzeption von Texten und Diskursen entscheidend mit. Bestimmte Ansichten erscheinen bisweilen sogar als unangreifbar, weil die Logik der Symbole keinen oder kaum Widerspruch erlaubt. Sie sind Symbole, die kollektiv verankert und allgemein verständlich sind und können auch als „Sinn-Bilder“ bezeichnet werden (Link 2007: 156). Ein simples Beispiel: Den bedrohlichen „Fluten“ von Einwanderern stehen „die Deutschen“ bzw. „wir Deutsche“ als homogene Gruppe, die allen Unterschieden zum Trotz als kulturell homogen symbolisiert wird, gegenüber.

Veränderungen bei der Darstellung von MuslimInnen

Zunächst ist festzuhalten, dass es keinen wesentlichen qualitativen Unterschied in der Darstellung des Islams vor und nach den Ereignissen des 11. September 2001 gibt. „Alle Themenverknüpfungen und vor allem die Praxis der Markierung waren vorher bereits vorhanden.“ (Schiffer 2007: 176) Es ist hauptsächlich die Quantität der Thematisierung, die sich verändert, aber auch der Explizitheitsgrad von Schuldzuweisungen hat zugenommen.

In den Medien lässt sich seit 2001 eine starke quantitative Ausweitung des Themas feststellen. Halm et al. stellen fest, dass der Islam respektive die MuslimInnen in ihrem Untersuchungszeitraum 2003-2004 über mehr als doppelt so viele Nennungen in ausgewählten Zeitungen verfügen als im Zeitraum 2000-2001 (Halm/Liakova/Yetik 2007: 25). Die „Integration der MuslimInnen“ wird im späteren Untersuchungszeitraum kritischer gesehen; das Kopftuch wird zunehmend zum visuellen Symbol der „Islamisierung“.

Auf inhaltlicher Ebene ist – das zeigen alle einschlägigen Studien (z.B. die von Schiffer, van Dijk, Jäger oder Hafez) – eine gewisse Einheitlichkeit der verschiedenen Presseorgane gegeben, was die Darstellung von Islam und MuslimInnen angeht. Dieses prinzipiell analoge Framing besteht auch über Rechts-Links-Differenzen hinweg. So sprechen einige AutorInnen, wie Schiffer oder Hafez, von einem „Feindbild Islam“ als Mainstream-Phänomen.

MuslimInnen werden in den Medien zunehmend als homogene Masse wahrgenommen, die bedrohlich und gleichzeitig rückständig erscheint. Was in den Medien als „islamisch“ präsentiert wird, sind ganz bestimmte Phänomene in den mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern und zunehmend auch in Deutschland. Durch die mediale Fokussierung auf jene Phänomene erscheinen sie als repräsentativ. Hier treten essentialistische Kulturvorstellungen zum Vorschein, während sich transkulturelles Denken nirgends nennenswert niedergeschlagen hat.

Die Bedeutung der Auslandsberichterstattung

Das Bild vom Islam ist nach wie vor von der Auslandsberichterstattung geprägt. Das hat weitreichende Konsequenzen: Die Aktivierung der Islamberichterstattung durch die Iranische Revolution hat eine Konzentration auf Negativereignisse hervorgebracht. Damit verbunden ist ein selektiver Aufmerksamkeitszuwachs allein für die fundamentalistischen Strömungen. Die Berichterstattung fokussiert sich sei 1978/79 auf den politischen Islam, die im engeren Sinn religiösen Themenaspekte werden überlagert (Hafez 2002: 96, 209).

„Die Grundannahme der untersuchten Beiträge bestand darin, daß sowohl Iran als auch alle anderen Kräfte der Re-Islamisierung eine ‚freiwillige, totale Umkehr von der Gegenwart ins Mittelalter‘ (Die Zeit) anstrebten. Der Islam wurde dabei nicht nur historisch für die Entwicklungsrückstände in Staaten wie Marokko, Tunesien, Ägypten oder Malaysia verantwortlich gemacht, sondern galt als generell unvereinbar mit individueller Freiheit oder wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt.“ (Hafez 2002: 209)

Neben diesem Aspekt beobachtet Hafez seit der Iranischen Revolution eine starke Zunahme emotionaler Appelle in Text und Bild. Die sprachliche Metaphorik betont vor allem den Gewaltaspekt immer wieder. In den regulären Sprachgebrauch der Presse sind Metaphern wie „Flammen der religiösen Massenhysterie“ (Die Welt) oder „Buschbrand der Re-Islamisierung“ (Die Zeit) eingegangen (Hafez 2002: 214).

Hafez arbeitet einige zentrale, dem Islambild der Presse zugrunde liegende Annahmen heraus. Dies sind unter anderem: Die Einheit von Politik und Religion (die durch die prioritäre Beachtung des politischen Islams und eine sekundäre Eindeutung religiöser Phänomene in politische Zusammenhänge entstehe); die Einheit von Islam und Extremismus; die Irrationalität des Islams; die Bedrohtheit des Westens; die Einheitlichkeit der islamischen Welt sowie die Einzigartigkeit der Vorgänge der Re-Islamisierung (durch die Konzentration auf islamistische Spezifika unter Ausblendung universeller politischer Mechanismen und sozio-ökonomischer Politikbedingungen).

Eine Ausnahme zu den genannten Annahmen stellt das Bild der islamischen Frauen dar, die umgekehrt häufig vereinfachend als „Opfer“ islamischer Ordnungen dargestellt werden. Die Grundzüge des Islambildes (der Auslandsberichterstattung) lassen dabei folgende Mechanismen bezüglich der Islamwahrnehmung erkennen: Selektive Wahrnehmung und das von Schiffer übernommene Pars-Pro-Toto-Denken; Dekontextualisierung und Stereotypisierung; Spiegelbild-Denken sowie Antipoden-Denken (Hafez 2002: 302).

Übernahmen und Verschiebungen vom Migrationsdiskurs

Zum Verständnis des Diskurses über MuslimInnen in Deutschland ist es ebenso unerlässlich, auf einige Merkmale des deutschen Migrationsdiskurses einzugehen, da dieser sich mit ersterem z.T. massiv überschneidet. Partielle Verschiebung vom „Ausländer“- bzw. Migrantendiskurs zur religiösen Kategorisierung sind vor allem seit Ende der 1990er Jahre zu beobachten. Bilder aus dem „Ausländerdiskurs“, wie die Metapher vom sozialen Sprengstoff oder Topoi wie die „Überfremdung“ („Islamisierung“) und Bedrohung werden dabei übernommen und transformiert. So sind Schilderungen über TürkInnen schon seit den 1970ern mit einer Katastrophenmetaphorik verknüpft. Diese Bilder fließen in Diskurs über Islam und MuslimInnen mit ein: „[Es] wird auch das seit langem gepflegte Bild des ‚gefährlichen Ausländers‘ mit dem oftmals islamophob aufgeladenen ‚Krieg-gegen-den-Terror‘-Kampfruf vermengt.“ (Nghi Ha 2004: 34)

MigrantInnen werden dabei als MuslimInnen präsentiert, MuslimInnen als Problemgruppe und der Islam als Integrationshinderns. Möglich macht dies eine Kulturalisierung des Islams und eine Essentialisierung von Kultur. Das Kopftuch hat dabei häufig die Funktion der Identifikation der „Ausländerin“. Aus dem Blick geraten die von der Mehrheitsgesellschaft verursachten Integrationshindernisse wie die diskriminierende Bildungs- und Arbeitsmarktsituation, die Ausländergesetze und das Staatsbürgerschaftsrecht.“ (Cantzen 2007: 270)

Fundamentalismus, Terrorismus und Gewalt

„Daß der Bürgerkrieg in Afghanistan oder Algerien etwas gemeinsam habe mit den Aktivitäten islamischer Migrantenorganisationen in deutschen Hinterhöfen, erschließt sich nur dem, der vorgängig Islam mit Dogmatismus und Militanz konnotiert. Wer Fundamentalismus sagt, muss nicht präzisieren, was gemeint ist, kann aber darauf setzen, daß im Begriff die vielfach gesehenen Fernsehbilder fanatisierter Kämpfer gegen die Aufklärung zusammenfließen.“ (Proske/Radtke 1998: 85)

Dadurch, dass islamistischer Fundamentalismus/Terrorismus seit den 1990er Jahren als Problem der inneren Sicherheit erscheint, ist eine qualitative Veränderung im Diskurs über Islam und MuslimInnen eingetreten. Während MuslimInnen vorher klar als „äußeres Gegenüber“ konzipiert waren, stellen sie nunmehr auch eine „innere Bedrohung“ dar. Schon 1993 stellt Bölke fest, dass keine konsequente Trennung zwischen Islam und Fundamentalismus vorgenommen werde. Der Islam wird häufig als ein einheitliches kulturelles System beschrieben, welches auf eine unvermeidbare Konfrontation zusteuert.

Beispielhaft kann die Verknüpfung von Terrorismus und Gewalt mit „den MuslimInnen“ an der Berichterstattung zum Mord an Theo van Gogh nachvollzogen werden.

„In der medialen Auseinandersetzung mit der islamistisch-extremistischen Tat eines Einzelnen rückte zunehmend die muslimische Minderheit in ihrer Gesamtheit in den Fokus der Aufmerksamkeit – unter mindestens unterschwelliger Aktualisierung vorurteilsbehafteter und polarisierender Diskursmuster (…). Kennzeichnend war von Beginn an ein dichotomisierender Wir-Sie-Diskurs mit der Gegenüberstellung von demokratischer Gesellschaft und militanten Islamisten, der sich zunehmend mit ethnisierenden Perspektiven verschränkte.“ (Ködel 2007: 202)

Im Zuge dieser Thematisierung fand eine Debatte über das Zusammenleben ethnisch-kultureller Gruppen statt, deren Angelpunkt vor allem die Vorstellung einer fehlenden Eingliederung der MuslimInnen in „die westliche Wertegemeinschaft“ war. Obwohl der Mörder von van Gogh im Prinzip als Beispiel einer gelungenen funktionalen und sozialen Integration gelten könnte, entstand in Politik und Medien der Tenor, die Nicht-Integration der MuslimInnen sei der Grund für islamistische Gewalt (Ködel 2007: 202f.). Dass die Ermordung eines niederländischen Regisseurs durch einen extremistischen Täter als Ausgangspunkt für eine eingehende Auseinandersetzung mit der Integrationssituation von MuslimInnenn in Deutschland sein kann, verweist auf etablierte kulturalistische Selbstverständlichkeiten (Ködel 2007: 208).

Ködel argumentiert, dass mit der kulturell-ethnischen Beschreibung um das Gewaltverbrechen ein binärer Deutungsrahmen konstruiert wird, der die Vorstellung einer innergesellschaftlichen Polarisierung zwischen MuslimInnenn und Nicht-MuslimInnenn geweckt hat. Schließlich ist die Debatte vollkommen in der Diskussion über Integration aufgegangen, die nur noch als Forderung gegenüber den MuslimInnenn artikuliert werden konnte, häufig verbunden mit dem Ruf nach restriktiveren politischen Maßnahmen. So werden MuslimInnen mit dem Phänomen des militanten Islamismus in einen eindeutigen Zusammenhang gerückt. Dadurch entsteht eine generelle Stigmatisierung als Bedrohung und Sicherheitsproblem. Hier komme ein homogenisierender, deterministisch-reduktionistischer und verdinglichter Kulturbegriff zum Tragen, der Menschen als „Marionetten“ von Kulturen und letztere damit als naturhafte Größen begreift.

„Die muslimische Frau“ und das Kopftuch

Verschleierte Frauen sind in den Medien zum Symbol für Unterdrückung, Fanatismus und Rückschritt geworden. Auch weil Kopftücher leicht sichtbar sind, tauchen immer mehr kopftuchtragende Frauen als Visualisierung aller möglichen Themen auf: Dies gilt beispielsweise auch für Frauenmisshandlung oder Terrorismus. Ein Kopftuch kann als Kollektivsymbol kollektive Imaginationen wie „Islam“, „Rückständigkeit“ und „Fundamentalismus“ hervorrufen.

Das Kopftuch wird sogar anstelle von weiteren Informationen platziert, was der Funktion eines Verdichtungssymbols entspricht (Schiffer 2004: 82). Es steht damit nicht nur für den Islam im Allgemeinen, sondern auch für den Islamismus oder Frauenunterdrückung. Dies kann erklären, warum die Kopftuch-Debatte so heftige Reaktionen hervorruft. Die „islamische Frauenwelt“ ist ein sehr beliebtes Thema, das den Islam oft pars-pro-toto vertreten muss.

„Es gibt kaum Artikel und Beiträge in den Massenmedien über den Islam, wo nicht auch Bilder von kopftuchtragenden Frauen erscheinen.“ (Farrokhzad 2006: 62)

Migrantinnen, insbesondere aber muslimische Frauen, sind in den Medien schon seit längerem und fortwährend vor allem Objekt und Opfer (Toker 1996: 31). Auch Röben und Wilß stellen 1996 fest, dass die Mainstream-Medien immer wieder das Stigma der rückständigen, verschleierten Muslima verbreiten (Röben / Wilß 1996: 16f.). Dies gilt auch und gerade für die Emma. Die „frauenfreundliche“ Haltung der Emma schließt die muslimischen Frauen nicht ein, weil sie Frauen das Selbstbestimmungsrecht abspricht. Die Dichotomie traditionell/modern und deren Verknüpfung mit dem Kopftuch ist hier schon in den neunziger Jahren massiv erfolgt. Die Emma vertritt eine paternalistische Haltung, welche die Opfer-Perspektive aufrecht erhält, aber auch Bedrohungsszenarien entwickelt. In Emma-Beiträgen finden sich eine Fülle von Kollektivsymbolen, die mit Einwanderung oder dem Islam in Verbindung gebracht werden, wie etwa Kopftuch, Schleier, Schwert, Flut und Sammelbecken (Farrokhzad 2006: 77, 79).

Der Topos der Bedrohung wird auch außerhalb der Emma zunehmend auch in Bezug auf Frauen angewandt. Das Opfer, die muslimische kopftuchtragende Frau, wird nun gleichzeitig zur Täterin, zum Symbol der Unterwanderung der abendländischen Kultur. Das Kopftuch wird als äußeres Zeichen der Ablehnung westlicher Kultur- und Demokratieverständnisse verstanden. Hierbei handelt es sich um eine Erweiterung bzw. Überlagerung des ersten Bildes, das fortbesteht.

Diskriminierende Darstellungen als Platzanweiser und Selbstpositionierung

Bei Analyse der Struktur der TeilnehmerInnen der Debatte und der (kollektiven) Abwertung von MuslimInnen durch diese Rede wird deutlich, dass die (diskriminierenden) Darstellungen von MuslimInnen vor allem etwas über die Position derer aussagen, die über sie sprechen und schreiben. Die Fixierung und Abwertung von MuslimInnen erscheint so als Selbstaffirmation und Versuch, die eigene Position zu rechtfertigen und zu festigen. Die diskriminierende Rede über MuslimInnen hat viel weniger mit diesen selbst zu tun als mit Vorstellungen und Klischees, die die eigene Stärke „den Fremden“ gegenüber betonen. Im Mediendiskurs verdichten sich – wie gezeigt werden sollte – solche Vorstellungen und gerinnen zu sozialem „Wissen“. Dieses „Wissen“ wiederum ermöglicht und stützt diskriminierende Praktiken.
 

Literatur

  • Cantzen, Rolf (2007): Der >>deutsche Wertekonsens<< und die Religion der Anderen. Kulturalisierung des Islam: Die 2. Islamkonferenz in ausgewählten Printmedien, S. 267-277, in: Attia, Iman (Hg.): Orient- und IslamBilder. Interdisziplinäre Beiträge zu Orientalismus und antimuslimischen Rassismus. Münster.
  • Farrokhzad, Schahrzad (2006): Exotin, Unterdrückte und Fundamentalistin – Konstruktion der „fremden Frau“ in deutschen Medien, S. 55-87, in: Butterwege, Christoph / Hentges, Gudrun (Hg.): Massenmedien, Migration und Integration. Herausforderungen für Journalismus und politische Bildung. Wiesbaden.
  • Hafez, Kai (2002): Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung. Band 1: Theoretische Grundlagen; Band 2: Das Nahost- und Islambild der deutschen überregionalen Presse. Baden-Baden.
  • Halm, Dirk / Liakova, Marina / Yetik, Zeliha (2007): Pauschale Islamfeindlichkeit? Zur Wahrnehmung des Islams und zur sozio-kulturellen Teilhabe der Muslime in Deutschland, S. 11-49, in: Jäger, Siegfried / Halm, Dirk (Hg.): Mediale Barrieren. Rassismus als Integrationshindernis. Münster.
  • Ködel, Carolin (2007): „Unheimliche Gäste. Die Gegenwelt der Muslime in Deutschland“. Anti-integrative Integrationsdiskurse in der deutschen Presse am Beispiel der Debatte über den Mord an Theo van Gogh, S. 201-228, in: Jäger, Siegfried / Halm, Dirk (Hg.): Mediale Barrieren. Rassismus als Integrationshindernis. Münster.
  • Link, Jürgen (2007): Ein übersehener Aspekt des Karikaturenstreits: Zur Archäologie der „Bombenköpfe“, S. 151-165, in: Jäger, Siegfried / Halm, Dirk (Hg.): Mediale Barrieren. Rassismus als Integrationshindernis. Münster.
  • Nghi Ha, Kien (2004): Ethnizität und Migration Reloaded. Kulturelle Identität, Differenz und Hybridität im postkolonialen Diskurs. Berlin.
  • Proske, Matthias / Radtke, Frank-Olaf (1998): Das Reden über Religion. Wissenschaft, Massenmedien und der Islam, S. 84-108, in: Biel, Peter et al. (Hg.): Heimat – Fremde. Neukirchen-Vluyn (=Jahrbuch der Religionspädagogik Bd. 14).
  • Röben, Bärbel / Wilß, Cornelia (1996): Fremde Frauenwelten in den Medien. Eine Einleitung, S. 11-19, in: dies. (Hg.): Verwaschen und verschwommen. Fremde Frauenwelten in den Medien. Frankfurt am Main.
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  • Schiffer, Sabine (2007): Die Verfestigung des Islambildes in deutschen Medien, S. 167-200, in: Jäger, Siegfried / Halm, Dirk (Hg.): Mediale Barrieren. Rassismus als Integrationshindernis. Münster.
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  • Thofern, Detlef (1998): Darstellungen des Islams in DER SPIEGEL. Eine inhaltsanalytische Untersuchung über Themen und Bilder der Berichterstattung von 1950 bis 1989. Hamburg.
  • Toker, Arzu (1996): Italienische Sexbomben, türkische Kopftuchfrauen und andere Exotinnen: Migrantinnen im deutschen Fernsehen, S. 29-46, in: Röben / Wilß (Hg.): Verwaschen und verschwommen. Fremde Frauenwelten in den Medien. Frankfurt am Main.
  • van Dijk, Teun A. (1999): Presse und Eliterassismus, S. 127-145, in: Burgmer, Christoph (Hg.): Rassismus in der Diskussion. Gespräche mit Robert Miles, Edward W. Said, Albert Memmi, Günter Grass, Wolfgang Benz, Wolfgang Wippermann, Birgit Rommelspacher, Teun A. van Dijk, Stuart Hall. Berlin.
  • van Dijk, Teun A. (2007): Rassismus und die Medien in Spanien, S. 105-149, in: Jäger, Siegfried / Halm, Dirk (Hg.): Mediale Barrieren. Rassismus als Integrationshindernis. Münster.


     

Constantin Wagner, Dipl-Soziologe, ist seit 2008 freier Mitarbeiter des Instituts für Medienverantwortung, Erlangen. Er arbeitet zu den Themenfeldern Soziale Ausschließungsprozesse, Diskriminierende Diskurse sowie zur Religions- und Migrationssoziologie.