Wie soll der religiöse Pluralismus in Deutschland organisiert werden? (A. Mazyek)

Antworten von Aiman Mazyek

 

 

 

Soll der Islam als eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft den christlichen Kirchen in Deutschland gleichgestellt werden?

Der Koordinierungsrat der Muslime (KRM), ein Zusammenschluss der vier großen und einzigen muslimischen Verbände DITIB, Islamrat, VIKZ und Zentralrat (ZMD) ist ein sehr wichtiger und von der muslimischen Gemeinde als längst überfällig empfundener Schritt in Richtung Integration des Islam in die deutsche Gesellschaft.

Damit gibt es endlich einen von Seiten der Bundesrepublik lange gewünschten und dringend benötigten Ansprechpartner für wichtige Fragen, wie der islamische Religionsunterricht, die Ausbildung von deutschen Imamen oder die Besetzung von muslimischen Lehrstühlen, um nur einige der Themen zu nennen.

Sicherlich will und kann der Koordinierungsrat nicht für alle in Deutschland lebenden Muslime sprechen, aber er vertritt doch einen großen Teil der praktizierenden Muslime. Daher sollte er als Gesprächspartner ernst genommen werden. Von den ca. 2500 Moscheen, die wir in Deutschland haben, vertritt der KRM mit 85 % den bei weitem größten Anteil der Gotteshäuser.

Ziel eines sicherlich noch anstrengenden Weges muss die Integration des Islams in das deutsche Staatswesen sein und damit auch die Gleichstellung der muslimischen Verbände mit ihren Moscheen vor Ort mit den anderen Konfessionen in Deutschland. Dabei gilt es auch unsere Arbeit als Religionsgemeinschaft anzuerkennen.

Welche Repräsentationsformen für Muslime sind wünschenswert und welche notwendig für die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft?

Die Moscheen – i.d.R. BGB-Vereine mit einem alle 2 Jahre neu gewählten Vorstand -  mit ihren Gemeinden bilden die Basis. Ähnlich wie in einem Regional- oder Landesparlament bestimmen sie mit ihrer Stimme demokratisch die Besetzung des Landesvorstandes, der wiederum den Bundesvorstand wählt. Deswegen ist das naheliegende Ziel des KRM, die Landesstrukturen in den Bundesländern zu vervollständigen und in den Bundesländern, wo sie noch nicht gibt, Anstoß zu geben, dass diese geschaffen werden.

Diese Aufgabe, verlässliche und demokratische muslimische Strukturen zu bilden, liegt im gesamtgesellschaftlichen Interesse und sollte im Hinblick von Empowerment angegangen werden. Nur so kann man vorhandene strukturelle Defizite beheben in der muslimischen Gemeinde, die es sicherlich hier und da gibt und von den Muslimen ja nicht geleugnet werden, am besten beheben.

Bei der Frage der einheitlichen Form einer muslimischen Repräsentanz sind Verfassungsrechtler wie Theologen, Kirchenrechtler wie Verbandsfunktionäre gefragt, ihren Sachverstand einzusetzen, um auf der Basis unseres Grundgesetzes eine moderne und islamische Organisationsform zu bilden, die den  Bedürfnissen des gläubigen Muslims im 21. Jahrhundert Rechnung trägt. Eine sicherlich ai nicht ganz leichte Aufgabe, aber der einzige Weg, der sich abzeichnet.

Welche Fragen müssen zwischen Staat und islamischen Repräsentanten bearbeitet werden?

Unser Grundgesetz hat den Grossteil der Fragen der Religionsausübung bis hin zu den Staatsverträgen zwischen Muslimen und Staat in die Länderebene verortet.
Insofern gilt es einerseits länderspezifische Interessen und Eigenheiten zu berücksichtigen und andererseits nicht in allen 16 Bundesländern ganz unterschiedliche Herangehensweisen zu etablieren. Insofern könnte die Islamkonferenz, die zunächst die Bundesebene betrifft, als kluge Weichenstellerin Akzente auch für die Länder setzen.

Welche Rolle sollte hierbei die Deutsche Islamkonferenz spielen?

Das Ziel der Gleichstellung des Islam mit anderen Religionsgemeinschaften muss von der DIK konkreter formuliert werden; denn sonst besteht die Gefahr, dass dieser Prozess erlahmt und sich zu einem unverbindlichen „Debattierclub“ entwickelt.

Aus der Sicht der im KRM vereinten Verbände geht es im Ergebnis darum, in einer ‚Roadmap’ die Zielsetzungen der DIK zu konkretisieren und einen genaueren Ablaufplan zu vereinbaren. Dahingehend, dass aufgezeigt wird, wie der Islam das deutsche Staatswesen integrierbar ist. Dabei sollten in Zukunft auch politische Entscheidungs- und Mandatsträger insbesondere aus den Bundesländern verstärkt an der DIK teilnehmen.

 

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Aiman Mazyek ist Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD).