Dossier Migration & Gesundheit

Dossier Migration & Gesundheit

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Der gleiche Zugang zur Gesundheitsversorgung ist eine zentrale Frage gesellschaftlicher Inklusion von Minderheiten. Das Dossier analysiert die besonderen Belastungs- und Risikofaktoren für MigrantInnen sowie die Zugangsbarrieren zur Gesundheitsversorgung.

Kalender

Sep 06Nov 12
Zeitgenössische Fotografie aus der Türkei
Berlin
Sep 18Sep 22
Der Wildnis-Trail im Nationalpark Eifel
Heimbach

Risiken, Bedürfnisse & Gesundheitsversorgung

Gewalt sowie Rassismus sowie gesellschaftliche Ausgrenzung und ungewisser Aufenthaltstatus sind Faktoren, die die körperliche und psychsiche Gesundheit vieler MigrantInnen schädigen.  Dies gilt in besonderem Maße für MigrantInnengruppen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Erkrankung an HIV und AIDS, ihrem ungeklärten rechtlichen Aufenthaltsstatus oder ihrem Alter verstärkter gesellschaftlicher Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt sind.

Die Beiträge hier analysieren die Gesundheitssituation dieser besonders benachteilgter MigrantInnengruppen und stellen Anforderungen an das Gesundheitssystem.

Feyza Palecek erläutert die verschiedenen Erfordernisse, die in der Altenhilfe bei der Betreuung und im Falle der Pflegebedürftigkeit älterer MigrantInnen zu beachten sind.

Nivedita Prasad analysiert den Einfluß von Gewalterfahrungen, Rassismus und anderen Diskriminierungsformen sowie ausländerrechtlicher Einschränkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit von MigrantInnen.

Eléne Misbach und Josephine Jenssen beschäftigen sich mit der schwierigen Aufgabe der medizinischen Versorgung illegalisierter Menschen, die keinen Zugang auf Bildung, Arbeit und Gesundheitswesen in Deutschland haben.

Gabriele Dennert befasst sich mit der Gesundheitsversorgung von homosexuellen MigrantInnen, die gesellschaftlich wenig wahrgenommen und erforscht werden. 

Rosaline M’bayo berichtet über ihre Erfahrungen als Gesundheits- und Sozialberaterin und die besonderen Probleme HIV- und AIDS-erkranter afrikanischer MigrantInnen. 

Psychische Gesundheit & transkulturelle Psychologie/Psychiatrie

Wielant Machleidt stellt die „12 Sonnenberger Leitlinien“ vor, die Leitsätze für eine angemessene Versorgung von MigrantInnen und die notwendigen Schritte für ihre Umsetzung


Isaac Bermejo Bragado und Alessa von Wolff erörtern die unterschiedlichen Aspekte, die aus der Sicht der transkulturellen Psychologie zur gesundheitlichen Versorgung von MigrantInnen berücksichtigt werden müssen.


Elif D. Cindik geht auf Segregationstenzen von MigrantInnen, auf die psychologischen Phasen der Migration und deren Bewältigungsstrategien ein.

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Im Vergleich zu anderen Ländern, wie Schweden den USA oder England sind transkulturelle psycho-medizinische Ansätze in Deutschland noch unterentwickelt. Aus diesem Grund weist die psychotherapeutische Behandlung von Menschen aus anderen Kulturkreisen noch große Defizite und Versäumnisse auf. Eine bisher nicht gleichwertige und kompetente Versorgung von MigrantInnen stellt die Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie in Deutschland daher vor die Herausforderung, transkulturelle Kompetenzen zu entwickeln und zu fördern.

Gesundheitsförderung & Projekte

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Eine gleichberechtigte und ganzheitliche Gesundheitsversorgung von MigrantInnen erfordert eine interkulturelle Öffnung der Institutionen im Gesundheitswesen. Dazu gehören unabdingbar Dolmetscherdienste sowie die Einstellung von Fachkräften aus anderen Kulturkreisen auf allen Ebenen des Gesundheitswesens, die über die sprachliche Verständigung hinaus auch ein interkulturelles Verständnis ermöglichen.

Internationale Erfahrungen zeigen darüber hinaus, dass auch gruppenspezifische Angebote und Projekte gesundheitlicher Prävention und Aufklärung eine wichtige Rolle bei der Gesundheitsförderung spielen können. Besonders für Kindern und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind solche Angebote, die sie zu einem aktiven und selbstbewussten Umgang mit ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit befähigen, unschätzbar wertvoll für ihre individuelle Lebensgestaltung und gesellschaftliche Partizipation.

Ingrid Papies-Winkler stellt das Projekt „Kiez-Detektive“ des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg vor, das benachteiligte Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund befähigt, sich aktiv und selbstbewusst an einer gesundere und gerechtere Gestaltung ihrer unmittelbaren Lebensumwelt zu beteiligen.

Rüdiger Schmolke befasst sich mit den Bedingungen und Strategien zur Stärkung abstinenten Verhaltens und Unterstützung eines individuellen Risikomanagements bei Migrantenkinder und Jugendlichen.

Sabine Oldag erörtert die zentrale Bedeutung einer adäquaten sprachlichen und kulturellen Verständigung gerade auch bei Gesundheitsangelegenheiten und die Notwendigkeit von professionellen Dolmetscherdiensten in sozialen Einrichtungen.