DossierOstdeutsch und (post-)migrantisch

In den Erzählungen über die ostdeutsche Gesellschaft vor und nach dem Mauerfall fehlen noch immer die Perspektiven von Migrant*innen, ehemaligen Vertragsarbeiter*innen, der postmigrantischen und der BiPoC-Communities. Dass auch Ostdeutschland eine Migrationsgesellschaft ist, findet wenig Beachtung. Das Dossier nimmt die spezifischen Erfahrungen ostdeutscher Migrationsgeschichten und (post-)migrantische Realitäten in den Blick. Kuratiert von Ngoc Bich Tran.

Es braucht eine neue Aushandlung darüber, wer
wir als gesamtdeutsche Einwanderungs-gesellschaft sind, und was unsere vielfältige und komplizierte Migrations-geschichte ist
Noa K. Ha
Ich fand es anstrengend, immer wieder die gleichen Fragen gestellt zu bekommen: 'Wie ist das denn mit dem Rassismus im Osten und woher kommt das?'
Nhi Le

Zeitzeug*innen-Gespräche

Aus Vietnam in die DDR. 40 Jahre Vertragsarbeiter*innen-Abkommen

In der Gehrenseestraße 1 wohnten vor allem vietnamesische Vertragsarbeiter*innen, die ab 1980 in die DDR kamen. Regisseur Duc Ngo Ngoc interviewte Nguyen Anh Tuan, der hier als Kind wohnte.

Tamara Hentschel wurde 1987 durch Zufall Wohnheimbetreuerin für vietnamesische Vertragsarbeiter*innen. Nach der Wende hat sie den deutsch-vietnamesischen Verein „Reistrommel“ mit aufgebaut.

Vor vierzig Jahren schlossen die DDR und Vietnam ein Abkommen zur Übernahme von Vertragsarbeiter*innen. 16.000 sind nach dem Ende der DDR in Deutschland geblieben. In der Geschichtsschreibung und im öffentlichen Diskurs werden ihre Perspektiven oft vergessen. In diesem Zeitzeuginnengespräch spricht Filmemacher Duc Ngo Ngoc mit der ehemaligen Vertragsarbeiterin Thu Huong Pham Thi ​und ihrer Tochter Giang Thuy Nguyen über ihre Migrationsgeschichte, ihre erste Liebe und ihren Umgang mit Rassismus. Der Podcast ist Teil vom Projekt Stadt Land Ost.